Stückwerk zu Gott und der Welt mit Pfarrer Knellwolf

Am kommenden Donnerstag hat die Paulusakademie den (Krimi-)Autor und reformierten Pfarrer Ulrich Knellwolf zu einem Gesprächsabend eingeladen. Der Abend verspricht einen theologischen Diskurs quer durchs Leben.
Stückwerk zu Gott und der Welt mit Pfarrer Knellwolf

Ulrich Knellwolf ist an seinem Arbeitsplatz umgeben von Büchern - nicht nur theologischen. Foto: Kerstin Lenz

Denn Ulrich Knellwolf war nicht nur Pfarrer zum Bespiel an der Predigerkirche, sondern auch erfolgreicher Schriftsteller. In den letzten Jahren hat der 75jährige sich wieder ausdrücklich theologischen Themen zugewandt und im letzten Jahr das Buch „Wir sind`s noch nicht, wir werden’s aber“ geschrieben. Das, was dem Autor Knellwolf in der Theologie wichtig ist, „zwischen zwei Buchdeckel bringen“, war Ziel des Buches.

Kerstin Lenz hat ihn an seinem Wohnort im Zollikerberg getroffen.

Am Donnerstag geht es ja um Ihr aktuelles Buch – wie ist es entstanden?

Meine Grundlage war die paulinische Theologie, wie diese die Reformation auslegte. Auf diese gründete mein Glaube. Dieser erodierte im Laufe der Zeit, jedoch ohne dass ich zum Atheisten wurde. Ich habe mich vor allem mit dem Begriff der Gnade beschäftigt. Der Sünder wird von Gott gnadenhalber ohne Verdienst gerecht gesprochen, weil es Gott so will. Das war mir zu „gerichtlich“. In der Gnade geht es darum, dass ein Übeltäter von einer höheren Instanz begnadigt wird. Die Legitimation schien mir da passender. Zwei erkennen sich an – entweder auf Augenhöhe oder es gibt wie bei der Gnade einen Niveauunterschied. Das hat mich beschäftigt – und daraus wurde das Buch. Zunächst war alles noch viel zu lang und viel zu viel, dann habe ich eingedampft und strukturiert.

Warum heisst das Buch im Untertitel „Stückwerk zu Gott und Welt“. Ist das mit „zu Gott und der Welt“ nicht ein bisschen beliebig?

Das war und ist zwar nicht so gemeint, aber der etwas flapsige Ausdruck „Wir reden über Gott und die Welt“ hat auch etwas Gutes. Ohne Gott ist die Welt nicht ganz, und Gott ist nicht ganz ohne die Welt. Wir können von Gott als Schöpfer der Welt nur sprechen, wenn wir von der Welt reden. Ich wollte nicht etwas überhöhen, obwohl es teilweise sehr theologisch zugeht in dem Buch, manchmal eine schwere Kost. Ich möchte wirklich über Gott und die Welt reden in diesem etwas sehr alltäglichen Sinn, aber zeigen, dass darin etwas ganz Christliches steckt.

Leute, die sich jeglichem Gottesglauben verweigern, haben eine Verwundung oder aber sie sind gleichgültig. Das gibt es auch. Wir müssen davon wegkommen, Glauben mit Heil allzu sehr zu koppeln. Ich meine, die neutestamentliche Verheissung des Reiches Gottes gelte allen, gleichgültig, ob sie es glauben oder nicht.

Ganz naiv gesagt: Ich halte den lieben Gott für grosszügiger als wir – vor allem seine Theologen - es sind. Eine ökumenische Gemeinsamkeit, wenn auch verschieden akzentuiert.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich habe mich bereits vor Jahrzehnten mit der narrativen (erzählenden) Theologie beschäftigt. Damals hatte ich das schale Gefühl, dass das, was ich an der Universität gelernt habe, und das, was ich in der Gemeinde brauche, nicht sehr kompatibel wären. Da kam ich erstmals auf die Idee, dass ich auch erzählen soll, was mich in der Theologie beschäftigt. So kam ich zum Schreiben. Um der Theologie willen. Ich wollte ausprobieren, ob man Theologie erzählen kann.

 Die Kirchen kämpfen ja mit Bedeutungsverlust und auch mit dem Mitgliederschwund. Wie begegnen Sie dem als Pfarrer der reformierten Kirche?

Wir müssten von unseren Theologien her den Mitgliederschwund von einer ganz anderen Perspektive betrachten. Eigentlich müssen wir uns ja eigentlich nicht um unsere Existenz sorgen, sondern das kommende Heil für die Menschen verkünden. Wir sollten unsere Sache tun, so gut es irgend geht. Wir sollen uns auch mehr Mühe geben, das kann nicht schaden. Wir sollen im Übrigen das letzte Urteil Gott überlassen. Ich glaube, dass Gottes Liebe allen gilt, auch denen, die sagen „Den gibt`s gar nicht“. Die Kirche jeder Couleur muss sich hüten, sich immer als Mehrheitskirche verstehen zu wollen und daraus ihre Existenz zu rechtfertigen. Das ist ganz falsch. Wir Theologen aber müssen uns dauerhaft mit dem Glauben, mit unseren Traditionen beschäftigen, wie wir etwas interpretieren und wie wir etwas verstehen. Und uns auch bewusst sein, dass wir Dinge heute anders verstehen, als derjenige, der zum Beispiel das Credo formuliert hat. Wir gehen immer von einer fixfertigen Theologie aus. Aber wir müssen grundlegende Dinge immer wieder neu formulieren und definieren. Das ist eine permanente Auseinandersetzung mit der Tradition. Wenn es uns gelingt, dass wir nicht einfach leere Formeln wiederholen, dann ist mir um die Zukunft der Kirche nicht bange.

Mich beschäftigt aber die etwas ängstliche Haltung der Kirche. Man meint immer wieder, die oder jenes Verhalten könnte zu einem Austritt führen, und handelt danach – gegen die eigenen Überzeugungen. Wir müssen zu unserer Sache stehen. Auch wenn es auf beiden Seiten schwieriger geworden ist, Pfarrer zu sein.

Veranstaltung am:

Donnerstag, 9. März, 18.30 Uhr bis 20 Uhr

Stückwerk zu Gott und der Welt – ein Gespräch mit dem Schriftsteller und Pfarrer Ulrich Knellwolf

Kulturhaus Helferei, Zürich

www.paulusakademie.ch

zuletzt verändert: 06.03.2017 16:22