Studie des SPI St.Gallen zum Ansehen der Kirchen

Das Studienbuch "Kirchenreputation" gab gestern Anlass für inhaltliche Stellungnahmen von Expertinnen und Experten. Mehr als 180 Interessierte diskutierten an der Tagung im Johanneum der Kirchgemeinde Herz-Jesu Zürich.
Studie des SPI St.Gallen zum Ansehen der Kirchen

Das Buch kostet 37.50 Franken und kann auch online bestellt werden. Foto: K. Lenz

Urs Winter-Pfändler, Autor der Studie des Pastoralsoziologischen Instituts St. Gallen (SPI), stellte die Ergebnisse vor. Ein Fazit: Der Ruf der Kirchen ist insgesamt besser als man denken sollte. Die Kirchen können sich auf motivierte und kompetente Mitarbeitende verlassen, kirchliche Angebote wie Taufen oder Hochzeiten werden geschätzt und das gesellschaftliches Engagement der Kirchen wird von den Befragten gewürdigt. Dies alles trägt positiv zur Reputation bei.

Befragt wurden in der gross angelegten Studie drei verschiedene Gruppen:

  • 360 Studierende der Pädagogischen Hochschule St.Gallen
  • 90 Theologiestudierende der deutschschweizer Theologie-Fakuläten (reformiert und katholisch)
  • 949 Politikerinnen und Politiker der Kantonsparlamente

Sie alle vergaben Noten für den Religionsunterricht und erteilten Auskunft darüber, welche Gefühle und Begriffe sie mit der katholischen bzw. reformierten Kirche verbinden.

Anhand von Methoden aus der Wirtschaft entwarfen die Forschenden des SPI Modelle, um die Reputation der Kirchen zu erfassen. Dies mit der klaren Vorgabe, dass auch theologische Kriterien einfliessen sollten.

Studienleiter Winter-Pfändler sagte es so: „Wir sind eine Dienstleistungsorganisation, aber wir stellen nicht Produkte her, sondern die Produkte entstehen im Miteinander. Motivation und Kompetenz der Mitarbeitenden sind entscheidend und prägen die Umfrageergebnisse.“

Unterschiede reformiert - katholisch

Die Studie zeigt auch, dass der Ruf der katholischen Kirche in den letzten Jahre gelitten hat. Gründe: das Bekanntwerden und der Umgang mit den Missbrauchsskandalen, die als mangelhaft empfundene Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Zölibat und die Verweigerung der Frauenordination. „Die reformierte Kirche kämpft mit weniger Reputationsrisiken“, so Winter-Pfändler und schneidet so bei vielen Punkten der Befragung im Schnitt immer ein wenig besser ab.

Der Ruf der Kirchen hat starke Auswirkungen auf die Einstellung der Befragten zum Verhältnis von Kirche und Staat, auf die Attraktivität kirchlichen Engagements sowie auf die Wahrscheinlichkeit eines Kirchenaustritts: Je schlechter es um die Reputation der Kirchen in den Augen der Befragten steht, desto eher befürworten sie eine Trennung von Kirche und Staat. Zudem scheint es ihnen umso weniger attraktiv, sich in der Kirche freiwillig oder professionell zu engagieren. Bei einem schlechten Ruf steigt die Wahrscheinlichkeit, aus der Kirche auszutreten.

Einschätzung verschiedener Expertinnen und Experten

Das Schweizerische pastoralsoziologische Institut nahm die Veröffentlichung des Buches „Kirchenreputation“, das neben den Studienergebnisse auch Impulse zum sogenannten Reputationsmanagement liefert, zum Anlass, nicht nur die Studienergebnisse vorzustellen, sondern auch Theologinnen aus dem In- und Ausland um ihre Stellungnahmen zur Studie zu bitten.

So nahm zum Beispiel Theologe und Kirchenmanager Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, die Studie „als aufrüttelnden Weckruf“ wahr. „Den Studienergebnissen ist zu entnehmen: Es ist nicht egal, was wir tun und wie wir es tun.“ Einen spannenden Schlusspunkt des Tages bildete das Referat der Theologin Uta Pohl-Patalong, Universität Kiel (D), die als Folgerung zur Studie vorschlug, die „Beziehungsorientierung“ zu überwinden. Es kann bei immer grösser werdenden Gemeinden nicht mehr das Hauptziel der Seelsorgenden sein, für alle Gemeindemitglieder persönlich da zu sein. Dies sei einseitig und würde viele Personen nicht erreichen.

Pohl-Patalong sprach sich klar dafür aus, die unterschiedlichsten Kanäle zu nutzen, um die Kirche ins Spiel zu bringen, „lebensrelevant“ zu werden. „Die Kirchen sollten in der Kommunikation einen stärkeren Akzent auf die Inhalte ihrer Arbeit legen.“

Weitere Information hier www.kirchenreputation.ch

Informationen zum Buch:  

Urs Winter-Pfändler (2015). Kirchenreputation. Forschungsergebnisse zum Ansehen der Kirchen in der Schweiz und Impulse zum Reputationsmanagement. St.Gallen: Edition SPI (ISBN: 978-3-906018-11-9). 

Bestellung hier möglich.

zuletzt verändert: 12.05.2015 13:25