St. Nikolaus-Tradition würdevoll weitergeben

Für viele Pfarrei-Samichläuse und Schmutzlis ist wichtig: Sie wollen auf ihren Besuchen bei Familien, in Kindergärten oder Krippen an die Legende des Heiligen Nikolaus von Myra erinnern. Die besonnene Weitergabe der Tradition findet Anklang.
St. Nikolaus-Tradition würdevoll weitergeben

Tony Imlig, Chef-St.Nilkolaus in Horgen. Foto: V. Schwizer

«Ich bin ein New-Comer-Schmutzli», sagt Bruno Enz, Sekretär und Pfarreirat in der Pfarrei Guthirt Zürich. Erst seit letztem Jahr begleitet er als Schmutzli den heiligen St. Nikolaus in seinem Quartier. Er will in den Familien Freude bereiten und die Erinnerung an den wohltätigen Bischof aus Myra auf sympathische Art weitergeben. Ausschlaggebend für seine Zusage zum Mitmachen sei eigentlich ein Rorate-Gottesdienst gewesen, wo die St. Nikolausgeschichte im Gegensatz zu der eher oberflächlichen Santa-Claus-Tradition aus Amerika erzählt worden sei. Die Weitergabe der alten Tradition hat für Enz darum einen Bezug zur Pfarrei. Er selber wolle «sein Möglichstes tun, um die Botschaft des gutherzigen St. Nikolaus zu den Herzen der Kinder zu tragen», sagt er. Seine letztjährige Zusage, als Schmutzli mitzumachen, hat er nicht bereut: Er freut sich, auch in diesem Jahr wieder bei rund zwölf Familien zu Gast zu sein. Sein Lohn werden strahlende Kinderaugen und berührende Momente unter den verschiedensten Dächern sein.

Winterstiefel statt Turnschuhen

 In Thalwil und Rüschlikon werden die Besuche der Samichläuse und Schmutzlis in den Familien von der «Kolping Familie Thalwil» organisiert, die eng mit der Thalwiler Pfarrei St. Felix und Regula liiert ist. Bestens Bescheid weiss hier «Chlaus-Obmann», Markus Bruhin, der seit 24 Jahren im Dezember für einige Tage zum St. Nikolaus wird und sich schon einige Jahre vorher als Schmutzli engagierte. Er kannte den Einsatz des guten Bischofs von Myra, da sein Vater bereits ehrenamtlich bei Kolping tätig war.

Bruhin, von Beruf Sanitär-Planer, kommt richtig ins Schwärmen, als er vom ehrenwerten St. Nikolaus mit Mitra und Stab zu erzählen beginnt. «Auch Perücke und Bart, beides aus reinem Büffelhaar, sind in meinem Sinn», gibt er gerne zu. Wichtig ist für ihn, dass die Würde des Heiligen gewahrt bleibt, was sich auch im Auftritt zeige. «Samichläuse in Jeans und Turnschuhen sind für mich ein Graus», sagt er. Vieles hätte sich bei den Besuchen mit den Jahren geändert: Der ´böse´ Samichlaus, der den Kindern Angst einjage, gebe es schon lange nicht mehr. Zudem würden Familien vermehrt zusammen mit andern feiern, was den Zusammenhalt stärke.

Neben Samichläusen und Schmutzlis stehen auch viele Helferinnen und Helfer im Hintergrund zur Verfügung: Sie schminken, einen Imbiss zubereiten und die «heiligen» Männer zu den Familien fahren. Manchmal kämen auch Firmlinge der Pfarrei als Schmutzlis mit auf die Tour, da sie sich für diesen Einsatz im Projektjahr entschieden hätten. 

Pfarreileiter mit Mitra und Stab

Auch die Pfarrei Heilig Geist in Zürich-Höngg bietet Samichlausenbesuche an. Am 3. Dezember um 17 Uhr wird der St. Nikolaus und sein Schmutzli in der Kirche empfangen, wo Klein und Gross dann die Geschichte vom Hl. Nikolaus von Myra erzählt wird.

 

In den folgenden Tagen statten die Chausenpaare dann rund 50 Besuche vor allem bei Familien ab. Pfarreileiter Andreas Beerli wirkt selber seit vielen Jahren mit. Er sagt dazu: «Wir treten nicht als Coca Cola-Chlaus oder als Weihnachtsmann auf, sondern als Bischof mit Mitra und Stab. Wir berichten aus dem Leben vom Heiligen Nikolaus und erzählen einige schöne Legenden». Die Kinder würden Verse aufsagen oder ein Lied singen und anschliessend bekommen sie einen feinen Chlaussack. Der «Batzen», den die Samichläuse bekommen, geht an eine Organisation, die sich glaubwürdig für Kinder einsetzt. Das «Chlausen» empfindet Andreas Beerli als eine recht anstrengende Aufgabe, besonders in Kindergärten oder in Kinderkrippen. Die Besuche seien aber sehr bereichernd. Beerli sagt: «Wir dürfen hier – genauso wie das der Hl. Nikolaus machte – Freude und einige schöne Momente schenken und das tut auch uns gut oder wie es ein schönes Sprichwort sagt: Denn die Freude, die wir schenken, kehrt ins eigen Herz zurück».

Viviane Schwizer

zuletzt verändert: 02.12.2014 14:44