Solidarität mit Pfarreien im Amazonasgebiet

Im «Monat der Weltmission» geht es längst nicht mehr um Missionierung, sondern um die Solidarität unter allen Pfarreien weltweit – 2018 mit Pfarreien im Amazonasgebiet

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Wasser und üppige Vegetation sind die prägenden Elemente im Amazonasgebiet Perus. Dort, im Nordosten des Landes, befinden sich die Apostolischen Vikariate Requena und Iquitos. Die Menschen in dieser Randregion leben in kleinen Siedlungen entlang der Flüsse, die sich durch den immergrünen Regenwald schlängeln. Diese Wasseradern sind die wichtigsten Verkehrswege, denn ein grosser Teil der Region ist nicht mit Strassen erschlossen.

Von Laien getragen
Die Dimensionen der Apostolischen Vikariate und der Pfarreien sind enorm. Die Kirche hat wenig hauptamtlich Mitarbeitende, einheimische Priester sind rar. Um das religiöse und kirchliche Leben in den Dörfern entlang der Flüsse zu gestalten, gibt es Animadores, gewählte Gemeindevertreter.
«Es ist bewundernswert, was diese Frauen und Männer leisten», sagt Sr. Celia über die Animadores. Zusammen mit zwei Mitschwestern ihrer franziskanischen Gemeinschaft arbeitet sie in dem kleinen Ort Flor de Punga. Vom früheren Bischof waren sie gebeten worden, bei der Evangelisierung und Katechese mitzuhelfen. «Wir sollten die Gemeinden besuchen», lautete der Auftrag. «Wir blieben manchmal bis zwei Wochen, manchmal einen ganzen Monat und versuchten, die Animadores zu finden.»
Die zwei jährlichen Wochenkurse für die Ausbildung der Frauen und Männer werden von der Pfarrei finanziert. Ansonsten arbeiten die basisdemokratisch gewählten Animadores unentgeltlich.

Solidarisch im Konkreten
Diese «Animadores» sind das Ergebnis von langfristigen Entwicklungsprozessen in der Seelsorge, in denen Männer und Frauen gezielt qualifiziert werden. Sie werden befähigt, verantwortlich und selbstständig Leitung zu übernehmen. Mit einer grossen Selbstverständlichkeit organisieren sich die Menschen selbst. Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten: «Manche sind überfordert, andere können Familie, Arbeit und ehrenamtliches Engagement nicht unter einem Hut vereinen», weiss Sr. Celia.

Die katholische Kirche im Amazonasgebiet lebt von diesem gemeinsamen Engagement der Christinnen und Christen, denn sie sind vor Ort und gestalten das Kirchesein partizipativ. Kirche lebt genau an diesen Orten, wo die Animadores das Zusammenleben gestalten, und nicht nur, wo ein Priester ist. Die Verkündigung des Evangeliums schlägt dort Wurzeln, wo es durch das glaubwürdige Zeugnis von konkreten Menschen Gemeinschaft zu stiften vermag.
Und die Menschen erfahren eine Kirche, die mit ihnen in herausfordernden Situationen wie Armut und Unrecht solidarisch ist.

Schulen und Gesundheit
Fehlende Väter, eine mangelhafte Schulbildung und nur wenige Arbeitsstellen für Jugendliche zählen zu den grossen Herausforderungen, mit denen sich die Kirche konfrontiert sieht. Ein geregeltes Familienleben gibt es kaum. «Die Väter verlassen die Kinder und die Mütter gehen in die Stadt auf Arbeitssuche. Die Kinder bleiben oft bei der Grossmutter. Die Situation ist bedauerlich», resümiert Sr. Celia.
Dazu kommt, dass die Schulbildung an vielen Orten zu wünschen übrig lässt. Die Lehrer kommen nur unregelmässig oder manchmal gar nicht. Das hat damit zu tun, dass die Lehrer in der Stadt wohnen und sie auf die unregelmässig verkehrenden Boote angewiesen sind.
«Es fehlt ihnen auch das professionelle Verantwortungsbewusstsein», meint Sr. Celia. Die Sorge um die Seele geht für sie Hand in Hand mit der Sorge für die konkreten Bedürfnisse. Denn Armut ist oft versteckt. Deshalb liegt der Kirche die Schulbildung und die Gesundheitsvorsorge besonders am Herzen.

Text: Siegfried Ostermann, missio

zuletzt verändert: 18.10.2018 11:53
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