Sexuelle Übergriffe: Massnahmen in Zürich

Mit dem Erlebnisbericht des Freiburgers Daniel Pittet, der als Kind von einem Priester missbraucht wurde, wurde das Thema sexuelle Übergriffe in der Kirche breit in den Medien aufgegriffen. Angesichts der aktuellen Debatte erinnern wir daran, welche Präventionsmassnahmen in der Katholischen Kirche des Kantons Zürich und in der Kirche Schweiz ergriffen worden sind und wie das Prinzip der Null-Toleranz bei uns konkret umgesetzt wird.
Sexuelle Übergriffe: Massnahmen in Zürich

Enthüllungsbuch von Daniel Pittet | © Maurice Page

Für die Katholische Kirche im Kanton Zürich hat der Synodalrat das Personalhandbuch entsprechend angepasst. Wer neu in seelsorgerlicher, erzieherischer oder betreuender Funktion angestellt wird, findet in seiner Anstellungsverfügung einen Passus zu den rechtlich verbindlichen Richtlinien und deren Einhaltung.

Hohe Erwartungen an Seelsorgende

Die Erwartungen an Seelsorgeteams sind sehr hoch: Auch subtilere Grenzüberschreitung, Autoritäts- oder Machtmissbrauch sollen als Verletzen der Vertrauensstellung, die ein kirchlicher Mitarbeiter innehat, erkannt werden. In Fortbildungen werden die Inhalte der Richtlinien thematisiert.

Verschärfte Richtlinien: Nulltoleranz, Vorbeugung und Informationsaustausch

Die Schweizer Bischofskonferenz veröffentlichte vor 15 Jahren für die Diözesen bereits erste Richtlinien zu sexuellen Übergriffen in der Seelsorge. Diese Richtlinien wurden bereits mehrfach verschärft und ausgeweitet. «Heute haben die Schweizer Katholiken vermutlich die fortschrittlichsten Richtlinien der Welt» erklärt Kommunikationsberater und Ex-CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher letzte Woche im Blick. Bis Ende 2016 arbeitete er im Fachgremium Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld mit.

Die überarbeiteten Richtlinien wurden 2014 von der Schweizer Bischofskonferenz zusammen mit den Höheren Ordensoberen der Schweiz erlassen und sollen der Prävention sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld dienen. Zentral dafür stehen drei Punkte:

1. Nulltoleranz: Wer in der Seelsorge tätig ist, trägt in jedem Fall die Verantwortung für eine sexuelle Grenzüberschreitung. Als solche werden bereits sexuell gefärbte Äusserungen und Gesten, unerwünschte Avancen und dergleichen behandelt.

2. Vorbeugung:  Bewusstsein um Risikofaktoren und Umgang mit professioneller Distanz sind notwendig. Dazu gehört auch  die Integration der eigenen Sexualität als Prozess. Besonderes Augenmerk wird sowohl auf Ausbildung, Fort- und Weiterbildung sowie Begleitung und Supervision gelegt.

3. Informationsaustausch: Bei Aufnahmeverfahren werden präzise Informationen eingeholt und ausgetauscht, bis hin zum Vorlegen eines Strafregisterauszugs.

Einvernehmlich mit der Biberbrugger-Konferenz hat die Diözese Chur die Empfehlungen „Begegnung in Verantwortung“ verabschiedet und allen Anstellungsorganen zugestellt.

Unabhängige und neutrale Ansprechpersonen

In einer Liste sind sämtliche Ansprechpersonen aufgeführt. Im Kanton Zürich sind unabhängige und neutrale Ansprechpersonen die Psychotherapeutin Gisela Ana Cöppicus Lichtsteiner (Tel. 044 381 07 53; Mail: coeppicus@bluewin.ch) oder die Juristin Beatrice Luginbühl (Tel. 079 212 10 67; Mail: luginbuehl.beatrice@bluewin.ch).

 

 

 

zuletzt verändert: 20.02.2017 16:29