Sankt Martin: wer teilt, gewinnt.

Der stimmungsvolle St. Martinstag wird in den nächsten Tagen begangen.
Sankt Martin: wer teilt, gewinnt.

Foto: Christian Stocker

Der Martinstag am 11. November erfreut sich grosser Beliebtheit und ist in vielen Pfarreien mit stimmungsvollen Bräuchen verbunden: die Kinder ziehen mit Laternen singend durch die Strassen, begleitet vom heiligen Martin als römischer Reiter mit weitem rotem Mantel. Oftmals wird die Legende dargestellt, wie Martin als Soldat vor dem Stadttor einem frierenden Bettler begegnete. Mit seinem Schwert teilte er seinen Mantel und schenkte ihn dem Bettler. In der folgenden Nacht erschien ihm im Traum Jesus mit dem Mantelstück bekleidet. Das Martinsbrauchtum verkündet die christliche Botschaft: wer teilt, gewinnt. Und: Wer sich einem Menschen in Not zuwendet, der wendet sich Christus zu.

Martin wurde zum Priester geweiht und lebte als Einsiedler in der Nähe von Poitiers. Aus dieser Einsiedelei entwickelte sich das erste Kloster Galliens. Durch sein asketisches Leben und seinen Einsatz für die Armen beeindruckte Martin die Leute sehr. Als man ihn zum Bischof wählen wollte, versteckte er sich in einem Stall. Doch die Gänse schnatterten so laut, dass er gefunden wurde. Auch als Bischof lebte er sehr bescheiden und war deshalb nah bei den Menschen seiner Zeit. De Martinsumzug gehört zu den Lichtritualen in der dunklen Jahreszeit, die mit dem Allerseelentag beginnt, über die Kerzen am Adventskranz zum Christbaum und schliesslich zu Lichtmess führt.

Die Kinder basteln im Kindergarten oder in der Schule Martinslaternen oder schnitzen aus Rüben die „Räbeliechtli“. Zum Martinumzug gehören auch alte Kinderlieder wie „St. Martin ritt durch Schnee und Wind“ oder „Ich geh mit meiner Laterne“. (Auf den Liedtitel klicken zum Anhören)

Interessanterweise hat sich auch in protestantischen Gegenden der Martinstag als spezieller Brauch gehalten. Hintergrund ist, dass der Reformator Luther auf den Namen Martin getauft war und sich am Vorabend des Namenstages Kinder mit Papierlaternen im Gedenken an den Reformator auf dem Domplatz zu Erfurt versammelten.

Dass der Martinstag immer noch tief verankert ist, hat auch rein praktische Gründe. Der Herbst ist die Zeit der Fülle und der Ernte, deshalb war der Martinstag mit Märkten verbunden und der traditionelle Tag, an dem Zins oder Steuern bezahlt werden musste. Diese Abgabe entrichtete man mit Naturalien, zum Beispiel auch mit Gänsen, die man während dem Sommer gemästet hatte. Zu „Martini“ wurden auch Verträge erneuert und der Hirtenlohn für die Arbeit auf der Alp ausbezahlt. Die Kombination von herangereifter Fülle und wohlverdientem Lohn war alleweil ein grosses Fest wert.

Sankt Martin lädt ein zum Feiern der Ernte und der Fülle. Er erinnert aber gleichzeitig daran, solidarisch zu sein und Herz zu zeigen. Es gibt gerade in unserer Zeit mehr als genug Menschen in Armut und Not, für die unser Teilen mehr bedeutet als ein Stück warmen Mantel.

zuletzt verändert: 07.11.2014 09:12