Quereinstieg in Seelsorge

Der frisch geweihte Diakon Felix Geisser geht neue Wege
Quereinstieg in Seelsorge

Felix und Nica Geisser im Kornladen. Foto: A. Landtwing

Zielstrebig kommt er auf den Besucher zu und begrüsst mit einem herzhaften Händedruck: Felix Geisser, 50 Jahre alt und kürzlich als verheirateter Familienmann zum ständigen Diakon geweiht. Auch wenn sein Dienst in der Schweizergarde schon  mehr als 30 Jahre zurückliegt, der wache Blick und die aufmerksame Präsenz sind ihm geblieben. Besonders geprägt hat ihn die Erinnerung an das Attentat auf Papst Johannes Paul II., das er als Gardist auf dem Petersplatz aus nächster Nähe miterlebt hat. Papst Franziskus kann gleich doppelt  auf einen guten Schutz der Familie Geisser zählen. Bei der Vereidigung am 6. Mai haben nämlich gleich zwei der drei Söhne von Felix und Nica Geisser ihren Dienst in der Schweizergarde angetreten.

Seit vielen Jahren führt das Ehepaar Geisser den Kornladen Kempten in Wetzikon. „Was ist das Ziel des Lebens? Was macht dich glücklich?“ forderte Felix bei Firmkursen die Jugendlichen  heraus. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach Sinn hinterliess auch bei Felix Geisser Spuren. Was vor 20 Jahren erstmals als Gedanke aufgetaucht  war, wurde plötzlich zur beunruhigenden und treibenden Kraft, die alles verwandelt. Wichtige Stationen auf diesem Weg waren immer wieder tiefe Gespräche mit Seelsorgenden. Das Fragen und Suchen mündete in der Gewissheit einer speziellen Berufung. „Mit 50 Jahren packe ich noch einmal etwas ganz Neues an und mache irgendetwas Soziales“, bringt es Geisser ganz einfach auf den Punkt. Nun setzt er dies in die Tat um und startet in sein neues berufliches Einsatzfeld als Seelsorger in die Pfarrei Wetzikon. In vielen Jahren ehrenamtlicher Freiwilligenarbeit ist er ins Pfarreileben hineingewachsen, hat sich in verschiedenen Bereichen engagiert und  die Pfarrei ein Dutzend Jahre lang in der Synode, dem Kirchenparlament,  vertreten. Mit einer berufsbegleitenden theologischen Ausbildung eignete er sich neue berufliche Qualifikationen an, die ihn jetzt befähigen, in der Seelsorge tätig zu sein. Für Nica, seine Partnerin, mit der er seit bald einem Vierteljahrhundert verheiratet ist, war es eine gemeinsame Entwicklung auf die Diakonatsweihe hin: „Ich liebe Felix und weiss, dass er ein grosses Charisma hat, mit Menschen unterwegs zu sein. Deshalb trage ich seinen Entscheid mit“, unterstützt Nica ihren Partner. Was beiden wichtig ist: auch wenn Felix als ständiger Diakon nun hauptamtlich in der Seelsorge, im Spital und in der Ehevorbereitung unterwegs sein wird, geht der Kornladen weiter.  Seit Jahren ist es ein Ausbildungsbetrieb für junge Lernende mit einer Behinderung. „Mein Name ist Programm“, strahlt Felix, „denn das Leben schenkt mir so viel Glück. So will ich als Seelsorger in Dankbarkeit die Liebe und die Sonne im Herzen weitergeben

zuletzt verändert: 13.06.2013 09:21