«Pensionskasse steht auf absolut solidem Fundament»

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in einer Pensionskasse. Während einige wie die BVK, die Pensionskasse der kantonalen Angestellten im Kanton Zürich, in den Medien immer wieder zu reden geben, kennt man die meisten nicht. So auch nicht die Pensionskasse für Angestellte der römisch-katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich. Ihr gehörten Ende 2014 insgesamt 1‘851 aktive Versicherte und 779 Rentenbezüger an. Stiftungsratspräsident Stephan Hegner sagt, was sich 2016 für die Versicherten ändert, was bleibt und wie sich die Zukunft präsentiert.
«Pensionskasse steht auf absolut solidem Fundament»

«Bestehen bei der Pensionskasse für Angestellte der römisch-katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich Wachstums-möglichkeiten, wollen wir diese realisieren», meint Stiftungsrats-präsident Stephan Hegner. Foto: Kommunikationsstelle

Die Pensionskasse für Angestellte der römisch-katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich (Kurzform: PK RKA) mit rund 2‘600 Versicherten ist eine kleine Pensionskasse. Was heisst dies im Vergleich mit grösseren?

Stephan Hegner, Präsident des Stiftungsrates: Mit sehr grossen Pensionskassen lassen sich Skaleneffekte realisieren. Dies bringt Vorteile bei kommerziell betriebenen Sammelstiftungen oder autonomen Kassen, welche alle Risiken selber tragen und deren Tätigkeiten denen von Lebensversicherungen ähneln.
Für die PK RKA als vollständig rückgedeckte Vorsorgeeinrichtung spielt die Grösse insofern eine Rolle, als die für die PK RKA vorteilhafte Versicherungslösung eine Mindestzahl von Versicherten voraussetzt.
 

Wodurch zeichnet sich diese «vorteilhafte Versicherungslösung» aus?

Die mit den beiden Versicherungsgesellschaften Swiss Life und AXA-Winterthur abgeschlossenen Kollektivverträge behandeln die Versicherten der PK RKA als separate Risikogemeinschaft. Das heisst, dass sich die PK RKA nur Schadenfälle infolge Invalidität und Tod aus ihrem eigenen Versichertenbestand anrechnen lassen muss und dies maximal bis zur Höhe der geschuldeten Risikoprämien. Nicht verbrauchte Prämienfranken werden der PK RKA zurückerstattet.

Ist die PK RKA eine ganz normale, durchschnittliche Kasse oder unterscheidet sie sich grundlegend von anderen?

In den Grundzügen unterscheidet sich die PK RKA nicht von anderen Vorsorgeeinrichtungen. Was sie auszeichnet ist, dass sie ihr Leistungsangebot auf die Bedürfnisse der ihr angeschlossenen Betriebe und deren Versicherte ausrichten kann. Zudem profitiert sie direkt und ungeschmälert vom günstigen Schadenverlauf ihrer Versicherten, der sich vom Schadenverlauf einer allen Berufsgattungen offenen Sammeleinrichtung vorteilhaft abhebt.

Gibt es spezielle Leistungen der PK RKA gegenüber anderen Kassen?

Herauszuheben ist einmal das Sterbegeld von 2‘000 Franken. Zudem finanziert der Arbeitgeber entgegen der gesetzlich vorgesehenen paritätischen Finanzierung 60% der Beiträge. Bemerkenswert ist auch der Entscheid des Stiftungsrates, die Risikobeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu halbieren, was die Kosten deutlich senkt.

Wie sicher ist die PK RKA?

Indem die PK RKA die Verwaltung der Altersguthaben ihrer Versicherten den beiden Versicherungsgesellschaften übertragen hat, profitiert sie von drei Garantien dieser Gesellschaften: Da ist einmal die Substanzgarantie: Einbezahlte Sparbeiträge oder Altersguthaben bleiben nominal garantiert. Daher erfahren sie keinen Wertverlust, was auch immer an den Anlagemärkten geschieht.
Zweitens gewährleistet die Zinsgarantie auf den obligatorischen Altersguthaben stets den BVG-Mindestzins. Und die dritte Garantie betrifft die Liquidität. Die Vorsorgegelder der PK RKA sind für die Stiftung jederzeit verfügbar.
In der Jahresrechnung 2014 weist die PK RKA einen Deckungsgrad von 104.93% aus. Für Versicherte wichtig zu wissen: Aufgrund der erwähnten Garantien der Lebensversicherer fällt dieser Deckungsgrad nie unter die Marke von 100%. Das heisst, dass sich die PK RKA zusammen mit den ihr angeschlossenen Betrieben und Versicherten nie mit Unterdeckungen und Sanierungsmassnahmen konfrontiert sehen wird.

Inwiefern ist die PK RKA von der Freigabe des Wechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank im Januar dieses Jahres betroffen?

Die Freigabe des Wechselkurses durch die SNB hatte und hat keine direkten Auswirkungen auf die PK RKA.

Hat der Zinsentscheid der US-Notenbank von Mitte Dezember einen Einfluss auf die Pensionskasse(n)?

Die von den grossen Notenbanken (FED, EZB) seit geraumer Zeit betriebene Tiefzinspolitik straft die Sparer, also auch die Pensionskassen, und belohnt die Schuldenmacher, insbesondere die hochverschuldeten Staaten. Die in den USA eingeläutete Zinswende ist ein Hoffnungsschimmer, jedoch nicht mehr. Erst wenn in Europa die Staatshaushalte wieder im Lot sind, wird sich das Zinsniveau auch hierzulande wieder nach oben bewegen.

Ist die PK RKA aufgrund des tiefen Zinsniveaus von Negativzinsen betroffen? 

Die beiden Versicherungsgesellschaften verwalten Altersguthaben von rund 400 Millionen Franken. Die PK RKA weist in ihrer letztjährigen Bilanz weitere rund 30 Millionen Franken aus, die sie selber verwaltet. Dieser Vermögensteil rentierte gesamthaft mit 3.89%. Davon waren etwas weniger als die Hälfte in kollektive Anlagegefässe investiert, die mit über 9% rentierten. Beim Rest handelt es sich um Cash Positionen, die zur Begleichung von Verpflichtungen, wie Renten- oder Prämienzahlungen dienen. Es versteht sich von selbst, dass im aktuellen niedrigen Zinsumfeld die Verzinsung von Konto- oder Festgeldern gegen Null tendieren. Insofern ist es durchaus möglich, dass die PK RKA unter dieser Entwicklung leiden wird. Bislang sind wir aber davon noch nicht betroffen. 

Wie legt die PK RKA ihre Gelder an?

Soweit die PK RKA Gelder selber anlegt, wird sie dies aufgrund des geringen Anlagevolumens (ca. 3% des Gesamtvermögens) durch den Kauf gesetzeskonformer Anlagefonds tun. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie kostengünstig und täglich handelbar sind und erst noch ohne Bankdepot auskommen. Fällt bei der periodischen Überwachung der Wertentwicklung der Vergleich zu Konkurrenzprodukten unbefriedigend aus, ist der Wechsel in ein erfolgreicheres Anlagegefäss im Handumdrehen vollziehbar.

Mit was kann ein aktiv Versicherter ab 1. Januar 2016 von der PK RKA rechnen?

Ab kommendem Jahr darf der aktiv Versicherte mit durchschnittlich geringfügig tieferen Risikoprämien rechnen. Bei der Verzinsung seiner Sparkapitalien gewährt ihm die PK RKA auf dem obligatorischen und überobligatorischen Teil eine Verzinsung von 1.25%. Sie stockt damit die von den Lebensversicherern im Überobligatorium gewährte Verzinsung um ein halbes Prozent auf.
Mit der ab 1. Januar gültigen Einkaufstabelle erhöht sich für jeden aktiv Versicherten das Einkaufspotenzial markant. 

Und was kann eine Rentnerin erwarten? 

Für bisherige Rentenbezüger ändert sich im kommenden Jahr nichts, ihre Renten sind garantiert. 

Wie beurteilen Sie die Zukunft der PK RKA? 

Die PK RKA steht finanziell absolut solide da. Weder Versicherte noch der Stiftungsrat müssen sich Sorgen machen. Sorge zu tragen haben jedoch alle angeschlossenen Betriebe dem bisherigen guten Schadenverlauf. Denn: je weniger Leistungsfälle, zum Beispiel Invalidität, desto eher lassen sich die Risikoprämien weiter senken. In naher Zukunft wollen wir prüfen, ob alle der Katholischen Kirche des Kantons Zürich nahen Institutionen und Betriebe ihre berufliche Vorsorge der PK RKA anvertraut haben. Ich bin gespannt, zu erfahren, ob es noch Wachstumsmöglichkeiten gibt. Bestehen solche, wollen wir diese realisieren.

(Gespräch: Aschi Rutz)

Stephan Hegner präsidiert den Stiftungsrat, der aus je sechs Vertretern seitens der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden zusammengesetzt ist.

www.zh.kath.ch/pensionskasse

zuletzt verändert: 06.01.2016 10:33
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