Paulus-Akademie vergibt Preis für Inklusion

Zwei Vereine, die sich für Inklusion einsetzen, werden ausgezeichnet.
Paulus-Akademie vergibt Preis für Inklusion

Die "Heitere Fahre" bietet Integration für alle Generationen - mit und ohne Behinderung. Foto: Frei_Raum

Das Kollektiv «Frei_Raum» aus Bern und der Verein «Andere Augen» aus Berlin werden mit dem «Preis der Paulus-Akademie 2014» ausgezeichnet. Die Jury würdigt die zwei Vereine dafür, dass sie den viel zitierten Wert der Inklusion auf eindrückliche Weise konkret werden lassen. Der Preis wird am 5. September 2014 in der Paulus-Akademie überreicht.

Die Jury, bestehend aus Fachpersonen der Sonderpädagogik wie dem Leiter der Behindertenseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, hebt hervor, dass es beiden Vereinen gelingt, mit ihrer Arbeit die scheinbar starren Grenzen zwischen Menschen mit Behinderung und solchen ohne einzureissen, ohne zu verleugnen, dass Menschen mit Behinderung tatsächlich mit vielen Nachteilen zu kämpfen haben. Damit leben sie vor, wie der Wert der «Inklusion», der besagt, dass an alle gedacht wird und alle dazugehören, wirklich gelebt werden kann.

Kollektiv «Frei_Raum»

Das Kollektiv «Frei_Raum» organisiert seit mehreren Jahren mit viel Leidenschaft und Herzblut kulturelle Projekte mit sozialem Engagement, unter anderem bereits seit fünf Jahren das integrative Festival «Säbeli Bum». In Bern hat das Kollektiv im November 2013 in einer ehemaligen Brauereiwirtschaft einen inklusiven Freiraumpalast eröffnet: die «Heitere Fahne». Es ist ein Projekt respektive ein Ort, bei dem Menschen mit Behinderung in grosser Selbstverständlichkeit in Kunstprojekte einbezogen werden, unaufgeregt und kreativ. Seit rund einem halben Jahr ist im Freiraumpalast von Dienstag bis Freitag fast jeden Abend Betrieb: Konzerte, Theater, ein Generationennachmittag für junge und alte, für Kinder mit und ohne Behinderung, Ausstellungen oder einfach Abende zum «Quatschen, Mampfen und Bechern».

Verein «Andere Augen»

Der zweite Preisträger ist der Verein «Andere Augen» aus Berlin. Initiiert und gegründet wurde der Verein vom Grafikdesigner Gregor Strutz. Am Anfang seines Engagements stand die Begegnung mit einem sehbehinderten Bauern und einem blinden Lehrer in Norwegen. Daraus ist ein Foto-Lese-Hör-Tast-Buch, ein audiovisueller Bildband, entstanden. Speziell daran ist, dass Gregor Strutz damit nicht nur das Medium des Fotobandes blinden Menschen zugänglich machte, sondern sich auch überlegte, wie Sehenden der Zugang zur Erfahrungswelt eines blinden Menschen eröffnet werden könnte. Ein weiteres Projekt des Vereins ist der Museumsführer «Das Goldene Zeitalter», als nächstes ist ein integratives Kinderbuch geplant. Auch für den Verein „Andere Augen» ist es selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung bei der Arbeit an diesen Projekten von Anfang an dabei sind.

Andere Augen

Der Preis der Paulus-Akademie Zürich

Der Preis der Paulus-Akademie Zürich ist mit CHF 10'000 dotiert und wird in der Regel alle zwei Jahre verliehen. Der Preis wird jeweils für herausragendes Denken und Handeln in den Wirkungsfeldern vergeben, die den Studienbereichen entsprechen, welche die Paulus-Akademie thematisch behandelt. Im Jahr 2014 ist dies der Studienbereich «Gesellschaft und Behinderung»
zuletzt verändert: 10.06.2014 14:09