Papst Franziskus und sein Familienprogramm

Er ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber ungleich dynamischer und mutiger als viele seiner Kardinäle und Bischöfe: Papst Franziskus.
Papst Franziskus und sein Familienprogramm

Eingangsportal der St.Josef-Kirche. Foto: A. Landtwing

Er macht einen kleinen Schritt nach dem anderen und setzt mit jedem einen neuen Meilenstein. So unterzeichnet er sein nachsynodales apostolisches Schreiben an diesem 19. März, dem dritten Jahrestag seines Amtsantritts und wird es erst nach Ostern veröffentlichen. Die eigentliche Symbolik liegt darin, dass die Unterzeichnung des Schreibens am Tag eines ganz leisen und bescheidenen Heiligen geschieht: dem Feiertag des Heiligen Josef. Von Josef wissen wir vom biblischen Befund her nur ganz wenig. Grosse Verehrung kommt ihm jedoch zu als Patron der Arbeiter sowie als Schutzpatron der Familie und der Ehe. Und das ist nach Papst Franziskus ganz gezielt und Programm: Ehe und Familie. Kaum zufällig, widmet er das Video mit dem Gebetsanliegen für den Monat März der Familie.

Die beiden letzten Bischofssynoden haben sich intensiv mit dem Thema Ehe und Familie auseinandergesetzt, und so warten Gläubige wie Medien gespannt auf das päpstliche Schreiben, das nach einer solchen Synode folgt. Die Dynamik hat Papst Franziskus mit seinem unkonventionellen Vorgehen angestossen: eine völlig überraschende Umfrage hat viele Erwartungen ausgelöst und ein differenziertes wie vielschichtiges Bild von Familienrealitäten heute dokumentiert. In der ersten Session der Synode drohte eine Verengung und Verhärtung. Die Bischöfe haben in der Auseinandersetzung jedoch verstanden, dass es darum geht, ins Wohnzimmer der Familien zu schauen, nicht ins Schlafzimmer. Und was tat Papst Franziskus? Er schwieg. Und sorgte dafür, dass das erste Synodendokument mitsamt genauer Zahl der Zustimmung/Ablehnung veröffentlicht wurde.

Gemeinsame Haltung statt Entscheidungen

Für die zweite Session der Bischofssynode ein Jahr später änderte er das Vorgehen und verordnete den Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“. Die Beschäftigung mit dem Thema Ehe und Familie bekam neuen Schwung und führte zu einem herausfordernden Abschlussdokument. Wer erwartet hatte, dass die Bischöfe Entscheidungen treffen würden, sah sich getäuscht. Sie hatten sich durchgerungen, ein Dokument zu erarbeiten, welches eine gemeinsame Haltung illustriert. Prägend war jetzt eine Haltung mit positivem Sprechen über die Familie und deren Bedeutung, die Verkündigung der Frohen Botschaft und dem Vorgehen, das daraus abgeleitet werden kann.

Was steht im nachsynodalen apostolischen Schreiben?

Darüber schreibt derzeit nur, wer sich aufs Spekulieren verlegt. Gewiss ist nur eines: Papst Franziskus wird mit der von ihm angestossenen Dynamik auf dem eingeschlagenen Weg mutig einen Schritt weitergehen.

Mit dem Warten der Veröffentlichung baut sich ein Spannungsbogen auf, beginnt doch einen Tag nach der Unterzeichnung mit dem Palmsonntag die grosse Heilige Woche. In den Ereignissen der Karwoche verdichtet sich nicht nur die Geschichte von Jesus, sondern die der menschlichen Existenz überhaupt. Anfänglicher Jubel und Begeisterung kippen in Verrat und Ablehnung. Einsame Stunden des Leidens und Sterbens führen in dunkle Stunden der Verzweiflung und Gottverlassenheit. Und dann, nach drei Tagen, siegt mit der Auferstehung das Leben. Wer erkennt hier nicht Situationen, wie sie alle Partnerschaften und Familien durchleben – und von denen Kinder ganz besonders betroffen sind?

 

Wem das Warten zu lange geht, dem empfehlen wir einen Besuch in der Kirche St. Josef an der Röntgenstrasse in Zürich. Die Türfallen des Eingangsportals zeigen auf der linken Seite Maria mit dem Jesuskind und rechts den Heiligen Josef. Ein grosses Schild „Offen“ hängt an der Tür. Und wenn man sich Josef nähert, öffnet sich die Tür einladend. Was für ein Zeichen für das Jahr der Barmherzigkeit!

 

zuletzt verändert: 18.03.2016 15:55