Monika Schmid prägt den Kanton Zürich

Die „Schweizer Illustrierte“ (SI) kürt in ihrer aktuellen Ausgabe die „100 Zürcherinnen, die den Kanton Zürich prägen und bewegen“. Darunter auch die katholische Seelsorgerin Monika Schmid, Pfarreibeauftragte in Illnau-Effretikon. Simon Spengler fragte sie nach ihren Freuden und Leiden in der Kirche, ihrem Glauben, und warum die Kirche mit ihrer populärsten Seelsorgerin keine Werbung macht.

Monika Schmid, herzlichen Glückwunsch zur neuen Auszeichnung. Wie fühlt man sich als eine der 100 wichtigsten Zürcherinnen?

Die Schweizer Illustrierte führt mich in der Kategorie „Hoffnungsträgerinnen“ auf. Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese Bezeichnung entspricht. Ich will als Seelsorgerin Hoffnung weitergeben und Hoffnung schenken. Die Auszeichnung zeigt aber auch, dass die Kirche auch von einem säkularen Medium wie der SI wahrgenommen wird – wenn sie ihre Botschaft so verkündet, dass sie die Menschen erreicht. Dazu muss man natürlich erst mal eine Botschaft haben und auch dazu stehen.

Die Wahl der SI ist nach dem Prix Courage des Beobachters im Jahr 2008 bereits die zweite grosse Auszeichnung für Sie. Damit sind sie jetzt definitiv die in der breiten Öffentlichkeit bekannteste Seelsorgerin der Schweiz…

… wenn Sie das sagen…

IMG_6523.JPG
Monika Schmid in der Schweizer Illustrierten (Ausriss 28. Oktober 2016)

… Ganz bestimmt! Nun gibt die Kirche seit Jahren viel Geld für ihre Kampagne „Chance Kirchenberufe“ aus, aber die populärste Seelsorgerin kommt darin nie vor. Warum nicht? Sie wären doch die ideale Werbe-Ikone.

Das hab ich mich auch schon gefragt (lacht). Offensichtlich werde ich von den kirchlichen Verantwortungsträgern nicht so geschätzt wie in der Öffentlichkeit. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich zu meiner Überzeugung stehe und damit ab und zu anecke. Abgesehen davon nehmen mich durch solche Auszeichnung wie jetzt in der SI oder dem Prix Courage ja viel mehr Menschen als Hoffnungsträgerin der Kirche wahr, als wenn ich in dieser kirchlichen Kampagne präsent wäre.

Was hält Sie denn in dieser Kirche, in der Sie immer wieder anecken?

Ich werde tatsächlich immer wieder gefragt, warum ich nicht längst bei den Reformierten sei. Aber das ist für mich keine Option. Ich liebe meine Kirche, sie ist mir Heimat und in ihr habe ich meine Aufgabe gefunden.

Als Frau hat es Ihnen die Kirche sicher nicht immer leicht gemacht.

Ach, wissen Sie, früher habe ich mich viel mehr an der Ungleichbehandlung der Frauen in unserer Kirche gerieben. Natürlich halte ich sie auch heute noch für verheerend. Aber ich habe trotzdem meinen Platz gefunden, an dem ich mich und meine Fähigkeiten einbringen kann. Früher kämpfte ich gegen die Männerkirche an, heute bin ich gelassener.

Glauben Sie, in Ihrem Leben in dieser Frage noch eine Kursänderung der Kirchenleitung zu erleben?

Nein. Denn die Zulassung der Frauen zum Priesteramt würde das ganze bestehende Machtgefüge der Kirche durcheinander bringen. Das passiert nicht so schnell.

Was sagen Sie denn jungen Frauen, die sich in der Kirche engagieren wollen?

Sucht euch die passende Nische, in der ihr sinnvoll wirken könnt. Denn die Kirche bietet viele Nischen!

Sie sind mit Leib und Seele Seelsorgerin. Was fasziniert Sie so an diesem Beruf?

Ich liebe Menschen und ihre Lebensgeschichten, vom Kleinkind bis zum Greis. Das ist wohl die Grundvoraussetzung. Und ich erlebe es als grosses Glück, wenn ich ihnen etwas von meinem Glauben weitergeben kann.

Was verstehen Sie persönlich unter „Glaube“?

Gerade gestern besuchte ich eine schwerkranke, junge Frau. Auch sie fragte mich: „An was glaubst Du?“ Und ich antwortete: „Ich glaube, dass wir letztlich alle in der Liebe Gottes aufgehoben sind. Mal spüre ich das mehr, mal weniger. Aber das ist der tiefste Grund meines Glaubens.“ Die Frau hat mich angestrahlt und gesagt: „Du glaubst gar nicht, wie wichtig es für mich ist, dass Du mir das gesagt hast.“ Glaube bedeutet für mich nicht nur feste Gewissheit, mit der ich andere bekehren will, sondern immer auch Suche, bisweilen auch Zweifel. Aber letztlich bleibt die Hoffnung.

Sie sind jetzt 59. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich bleibe sicher bis zur Pensionierung in der Seelsorge, denn ich liebe diese Arbeit. Ich hätte auch Freude daran, der jüngeren Theologengeneration etwas weitergeben zu können von meinen Erfahrungen in der Pfarreiarbeit, von unserer Art Gottesdienst zu feiern und den Glauben zu leben. Mal sehen, was sich anbietet. Ganz sicher werde ich wieder länger und regelmässiger in Palästina für unsere Schulprojekte tätig sein. Auch in der nahezu hoffnungslosen Lage der Menschen dort versuche ich, Funken der Hoffnung lebendig zu halten, eben Hoffnungsträgerin zu sein.

zuletzt verändert: 02.11.2016 09:17