Lieber grosse Milde als grosse Strenge

Generalvikar Josef Annen feierte am Festtag des Heiligen Franz von Sales mit einheimischen und fremdsprachigen Seelsorgenden Gottesdienst. Seine markanten Predigtworte können unten nachgelesen werden.

In der anschliessenden Tagung stellte Walter Jucker von der Kantonspolizei Zürich das Projekt „Brückenbauer“ vor. Für die Polizei gehört der Kontakt mit anderen Kulturen zum Alltag. Deshalb setzt sie sich auch mit anderen Kulturen und Bräuchen auseinander und zwar intern im Polizeicorps wie auch extern über Kontaktpflege zu anderen Kulturkreisen. In Gesprächsrunden und im anschliessenden Mittagessen arbeiteten die Seelsorgenden an Ideen, wie die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Migrantenseelsorge und Pfarreien vor Ort optimiert werden kann.

Im eigentlichen Sinn des Wortes katholisch, nämlich weltumspannend: Migrantenseelsorger der Katholischen Kirche im Kanton Zürich sprechen Italienisch, Englisch, Französisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Spanisch, Ungarisch, Albanisch, Chinesisch, Eritreisch-äthiopisch, Koreanisch, Philippinisch, Slowakisch, Tamilisch, Tschechisch-, Ukrainisch und Vietnamesisch.

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Predigt von Generalvikar Josef Annen

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben

Franz von Sales ist 1567 in Sales in Savoyen geboren. Vier Jahre zuvor, 1563 ist das Konzil von Trient zu Ende gegangen. Franz von Sales hat also in einer nachkonziliären Zeit gelebt – wie wir. Der Papst hat damals ein neues Messbuch herausgegeben – wie vor 50 Jahren. Er hat der ganzen katholischen Christenheit einen neuen Katechismus vorgelegt – wie vor 20 Jahren. Es war die Zeit der katholischen Reform. Nach der Reformation durch Luther, Calvin und Zwingli war die katholische Kirche zur Erneuerung herausgefordert.

Viele grosse Gestalten unserer Kirche haben sich dieser Herausforderung gestellt. Ich nenne nur Ignatius von Loyola, Philipp Neri, Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz, Karl Borromäus. Zu ihnen gehört auch unser Tagesheiliger: der Heilige Franz von Sales. Er war Bischof von Genf, residierte aber vor den Toren Genfs, in Annecy, weil Genf calvinisch geworden war.

Die Erneuerung der Kirche verlangte von Franz von Sales viel Klugheit und Augenmass. Er wollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Er sagte sich: Strenge und Rigorismus ist der falsche Weg, oberflächliche Anpassung und „laisser faire“ führen auch nicht weiter. Es braucht das rechte Mass.

Franz von Sales gilt daher als kluger und milder Reformer. Wörtlich schreibt er: „ Zuviel und zuwenig nachsichtig sein, beides ist gefehlt. Es ist für uns Menschen hart, die Mitte zu halten. Doch wenn ich fehle, will ich lieber durch die grosse Milde als durch die grosse Strenge fehlen.“

Diese Worte erinnern mich an Papst Franziskus. Er schreibt in Evangelii gaudium: „Es ist zu sagen, …dass in der Verkündigung des Evangeliums ein rechtes Mass herrschen muss. …Wenn zum Beispiel ein Pfarrer während des liturgischen Jahres zehnmal über die Enthaltsamkeit und nur zwei- oder dreimal über die Liebe …spricht, entsteht ein Missverhältnis (38).“ Papst Franziskus zitiert Thomas von Aquin, der gesagt hat: „Die Barmherzigkeit ist die grösste der Tugenden (vgl. 37). Weiter sagt er: „Die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben“ (47).

Wie Franz von Sales stehen wir in der Zeit nach dem Vatikanum II in einer Zeit der Erneuerung der Kirche. Franz von Sales lehrt uns: Barmherzigkeit ist der Weg: so will ich „lieber durch die grosse Milde als durch die grosse Strenge fehlen.

Franz von Sales hat aber nicht nur die Strukturen seiner Diözese erneuert. Er war auch ein grosser Erneuerer des geistlichen Lebens. Er hat viele Menschen auf ihrem Weg mit Gott begleitet. Dabei hat er eine wichtige Beobachtung gemacht, die uns auch heute nicht fremd ist:

Er sagt: Es gibt Leute, die wollen Engel werden, aber sie vergessen, gute Menschen zu sein. Wörtlich schreibt Franz von Sales: „Ich will keine absonderlich, unruhige, traurige und verdrossene Frömmigkeit, sondern eine milde, sanfte, angenehme und friedliche, mit einem Wort: eine freie und fröhliche Frömmigkeit, die lebenswürdig ist vor Gott und den Menschen.“

Auch diese Worte erinnern mich an Aussagen von Papst Franziskus. Franziskus sagt im Evangelii gaudium: „Ein Verkünder des Evangeliums darf nicht ständig ein Gesicht wie bei einer Beerdigung haben.“ Und den Gottesdienstbesuchern seiner Morgenmesse in Santa Marta sagte er: „Es gibt Christen, die machen ein Gesicht wie in Essig eingelegte Peperoni.“

Liebe Schwestern und Brüder,

Franz von Sales hat in der Zeit nach dem Konzil von Trient sein Leben für die Erneuerung der Kirche aus dem Geist des Evangeliums eingesetzt. Papst Franziskus steht in den Fussstapfen von Franz von Sales. Auch er setzt sich für die Erneuerung unserer Kirche ein. Er träumt von einer missionarischen, glaubwürdigen und von Freude am Evangelium erfüllten Kirche.

Lassen wir uns von ihnen anstecken. Ihr Beispiel und ihr Zeugnis fordern uns heraus. Amen.

zuletzt verändert: 24.01.2014 14:05