FIZ – Seit 30 Jahren für Schutz und Würde von Migrantinnen

Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) feierte im November mit einer BeneFIZparty ein Jubiläum. Die gemeinnützige Organisation setzt sich seit 30 Jahren für den Schutz, die Würde und Rechte von Migrantinnen ein, die von Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. FIZ führt zwei Stellen: die Beratungsstelle für Migrantinnen und die Interventionsstelle «Makasi», spezialisiert auf die Betreuung und den Schutz von Opfern des Menschenhandels.
FIZ – Seit 30 Jahren für Schutz und Würde von Migrantinnen

Grund zum Feiern: FIZ, die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration wurde 30. Fotos: FIZ

Die Beratungen und Begleitungen von betroffenen Frauen sind vertraulich und unentgeltlich. Zudem werden auch enge Vertraute, Bekannte und Familienmitglieder beraten.

Beratung, Begleitung und Integration

In der Beratungsstelle FIZ finden Migrantinnen Unterstützung, die Probleme mit der Aufenthaltsbewilligung, amtlichen Stellen oder sozialen Institutionen haben, die in der Sexarbeit oder als Cabaret-Tänzerin tätig oder die von Ausbeutung oder Gewalt seitens des Partners, des Arbeitgebers oder von Personen aus dem sozialen Umfeld betroffen sind.

Lucia Tozzi Kelly, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising: Gewaltbetroffene Migrantinnen werden häufig in der freien Entwicklung von Perspektiven behindert, sei es durch strukturelle, sexuelle aber auch physische Gewaltmechanismen. Sexarbeiterinnen und Cabaret-Tänzerinnen z.B. haben wenig Rechte und sind stigmatisiert. Sexarbeit bringt gesundheitliche Risiken und Sexarbeiterinnen haben auch ein hohes Risiko, Ausbeutung und Gewalt zu erleben. Sie werden diskriminiert: Für ihre Arbeitsorte müssen sie häufig völlig überhöhte Mieten bezahlen. Zudem sind die administrativen Hürden für eine Arbeitsbewilligung so hoch, dass die Frauen in Abhängigkeiten oder in die Illegalität gedrängt werden. FIZ-Beraterinnen informieren Sexarbeiterinnen über ihre Rechte und unterstützen sie bei der Einholung der nötigen Bewilligungen. Angestellten Migrantinnen helfen wir den ihnen zustehenden Lohn einzufordern oder beraten sie bei anderen Konflikten am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft etc. Die FIZ unterstützt Frauen auch darin, ihre individuellen Perspektiven und Handlungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Auch erleichtern wir den Zugang zu sozialen Institutionen und deren Dienstleistungen.

2014 hat das Team der Beratungsstelle 425 Migrantinnen beraten.

Opferschutzprogramm Makasi

Makasi ist in der Schweiz das erste spezialisierte Opferschutzprogramm für Betroffene von Frauenhandel.

Lucia Tozzi Kelly: Betroffene von Frauenhandel werden mit falschen Versprechungen angeworben und in der Sexarbeit oder in anderen prekären Arbeitsverhältnissen ausgebeutet. Teilweise ohne Aufenthaltsbewilligung, ohne Geld und soziales Netz sind sie den Menschenhändlern ausgeliefert. Sie werden auf unterschiedliche Weise unter Druck gesetzt, genötigt und eingeschüchtert und sind teilweise schwer traumatisiert. Diese Frauen brauchen in erster Linie Schutz und Sicherheit. Das Opferschutzprogramm für Betroffene von Menschenhandel «Makasi» bietet Opfern von Frauenhandel eine umfassende Unterstützung.

Im Opferschutzprogramm Makasi wurden im Jahr 2014 insgesamt 226 Opfer betreut. Davon waren 104 neu, 122 weiterlaufende Fälle aus den Vorjahren. Das seit 2004 bestehende Programm wurde 2006 mit dem Förderpreis der Stadt Zürich für die Gleichstellung von Mann und Frau ausgezeichnet.

Schutzwohnung für Frauen, die Täter anzeigen

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzte 2012 die Zahl der Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit weltweit auf rund 21 Millionen Menschen. Dreiviertel davon sind Frauen und Mädchen. Die letzte Zahl für die Schweiz stammt aus dem Jahr 2002. Das Bundesamt für Polizei schätzt die jährliche Zahl von Opfern des Frauenhandels auf 1500 bis 3000. Die Dunkelziffer ist hoch, leben doch viele betroffene Frauen illegal im Land. Entsprechend schwierig ist es für sie, ihre Rechte einzufordern. FIZ begleitet Frauen, die Täter anzeigen, bis vor Gericht.
Seit fünf Jahren betreibt FIZ für diese Frauen auch eine Schutzwohnung – das bisher einzige  Angebot dieser Art. Die Schutzwohnung bietet den Betroffenen von Frauenhandel eine teilbetreute und durch seinen anonymen Standort geschützte Wohnmöglichkeit.

Politische Arbeit und öffentliche Kampagnen

Aufgrund der Beratungs-Erkenntnisse leistet FIZ auch bildende und politische Arbeit und trägt die Anliegen von Migrantinnen in die Öffentlichkeit. Sie entwickelt Handlungsvorschläge zuhanden von Behörden und Politik, nimmt Stellung zu Gesetzesvorlagen oder lanciert eigene politische Vorstösse.

Lucia Tozzi Kelly: Ich erinnere an die Kampagne «Euro 08 gegen Frauenhandel». Von März bis September 2008 informierte diese über Frauenhandel in der Schweiz und mobilisierte gegen diese schwere Menschenrechtsverletzung. Mit einer Petition hatten damals rund 72'000 Personen gefordert, dass Opfer in der Schweiz ein bedingungsloses Aufenthaltsrecht erhalten und besser geschützt werden. Während der Euro 08 wurde zudem ein aufrüttelnder Spot gezeigt. Die Kampagne war eine Initiative von 25 Frauen-, Männer- und Menschenrechtsorganisationen, Fachstellen für Gleichstellung, Beratungsstellen, Hilfswerken, kirchlichen Organisationen und Gewerkschaften.

Kooperationen und Mandate

In den letzten Jahren entstanden in verschiedenen Kantonen «Runde Tische» und Kooperationsgremien gegen Menschenhandel. Es ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Polizeicorps, Untersuchungsbehörden, Migrationsämtern, Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen, Gleichstellungsbüros, kirchlichen Stellen und FIZ. Gemeinsames Ziel: Opferschutz verbessern und Täter verstärkt zur Verantwortung ziehen. Zehn Kantone haben FIZ mandatiert, die spezialisierte Betreuung und Begleitung der Opfer von Frauenhandel zu leisten. Ein ähnliches Programm wie in Zürich gibt es seit 2014 in der Westschweiz mit «Astrée».

Projekt zum Thema Retraumatisierung

Zur Trägerschaft des Vereins FIZ mit ihren 21 Mitarbeiterinnen und knapp 700 Mitgliedern gehören u.a. Caritas Schweiz, HEKS, Fastenopfer, der Katholische Frauenbund, die Evangelisch-reformierte Landeskirche und der Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Die Körperschaft unterstützt FIZ jährlich mit einem festen Betrag. Sie unterstützt zusätzlich Projekte wie aktuell das Schulungskonzept inklusive Team- und Netzwerk-Weiterbildungsangebote zum Thema Retraumatisierung.

Lucia Tozzi Kelly: Zielsetzung des Projekts ist die Vermittlung von Wissen über Retraumatisierung und über die Bedürfnisse der Betroffenen während der Traumaverarbeitung. In Workshops werden FIZ-Beraterinnen, Dolmetscherinnen, Anwältinnen und Juristinnen der Opferhilfe geschult, die mit traumatisierten Frauen Gespräche führen. Angedacht sind auch Kurse in weiteren Institutionen wie stationären pädagogischen Einrichtungen oder Spitälern, für die Kindes- und Erwachsenenbehörden KESB oder Politikerinnen und Politikern, welche sich für mehr Opferschutz und –rechte einsetzen.

FIZ startete 1985 unter dem Namen Fraueninformationszentrum und nennt sich seit 2008 Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration. Sie bietet ihr Angebot auf der Webseite in nicht weniger als zehn Sprachen an, darunter auch in Bulgarisch, Russisch und Thailändisch.

www.fiz-info.ch

zuletzt verändert: 18.12.2015 08:47