Kirchweihe in Horgen mit spirituellem Tiefgang

Am Samstag vor Pfingsten wurde die Kirche St. Josef in Horgen nach zehnmonatiger Renovation wieder eingeweiht. Dabei segnete Weihbischof Marian Eleganti in einem feierlichen Gottesdienst das neue Gotteshaus. Im Festgottesdienst am Pfingstsonntag dann predigte Alt-Abt Martin Werlen aus Einsiedeln.
Kirchweihe in Horgen mit spirituellem Tiefgang

Weihe mit Weihbischof Marian Eleganti (links) und Pfarrer Adrian Lüchinger. Foto: Viviane Schwizer

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Horgen Kirchweihe (4)

Viele heilige Zeichen gesetzt

Der Konsekrator segnete in der renovierten Kirche zuerst den Taufbrunnen und das Taufwasser, wonach die ganze Gemeinde ihr Taufgelübde erneuerte. Danach schritt der Bischof, begleitet von Ministranten, durch die Kirche und besprengte sowohl Gemeinde wie Kirchenraum mit dem gesegneten Wasser. Neu geweiht wurden der Ambo, an dem das Evangelium verkündet wird und der Tabernakel. Besonders feierlich war die Konsekration des Altars, der laut dem Predigtwort von Bischof Marian Eleganti ja kein blosser Tisch, sondern der Ort sei, wo Christus unter der Gestalt von Brot und Wein in seiner feiernden Gemeinde gegenwärtig wird. Er forderte die Mitfeiernden dazu auf, sich ebenfalls hinzugeben und sich der Liebe Gottes zu öffnen.
In der zweieinhalbstündigen Eucharistiefeier wurden viele weitere heilige Zeichen gesetzt. Der Bischof goss etwa Chrisam auf den Altar, um ihn mit dem geweihten Öl zu salben. Auch die während der Kirchenrenovierung sorgfältig verwahrten Reliquien des heiligen Bruder Klaus und des heiligen Fidelis von Sigmaringen wurden wieder im Altar eingelassen. Auf der Altarplatte wurde wenig später Weihrauch verbrannt. Dieser solle das heilige Haus mit wohlriechendem Duft erfüllen. Zudem, so meinte der Bischof, sollen die Gebete der Gemeinde wie Weihrauch zu Gott emporsteigen. 

Festliche Musik

Der gehaltvolle Gottesdienst wurde durch feierliche Musik bereichert. Das Vokalensemble Suono Spirito unter der Leitung des Kirchenmusikers Marco Castellini sang geistliche Werke, etwa von Anton Bruckner, Tomas Luis de Victoria und andern. Unterstützt wurden die Sänger von einem Bläserensemble und einem Perkussionisten. Kantor war Marcel Fässler. Jonas Herzog spielte bravurös an der Orgel.
Auch der Festgottesdienst am Pfingstsonntag in der übervoll besetzten Kirche stand im Zeichen der Kirchweihe. Die mutige und herausfordernde Predigt über nötige Veränderungen gemäss dem Pfingstgeist hielt Pater Martin Werlen aus Einsiedeln, der für seine Worte anhaltenden Applaus erntete. In dieser Feier sang der Kirchenchor Horgen, unterstützt von Solisten und Orchester. Sowohl nach dem Gottesdienst am Samstag wie am Sonntag liessen die vielen Kirchgängerinnen und Kirchgänger die spirituell reichen Feiern bei einem Apéro in und um das Pfarreizentrum nachklingen.

Einhellige Begeisterung 

Nur Lob war am Pfingstwochenende über die renovierte Kirche in St. Josef in Horgen zu hören. Maximilian Strobel, Lernender und Ministrant, freut sich über die viel hellere Kirche mit dem speziellen Flair im Chor. Esther Manhart, ehemalige Katechetin und Mitglied im Kirchenchor, findet die Idee mit dem Sgrafitto genial. Für Ortspfarrer Adrian Lüchinger ist der Evangelientext mit seinen über 18'000 von Hand in die Wand eingeritzten Zeichen «einerseits ein bemerkenswertes Zeugnis für hochstehendes Kunsthandwerk und andererseits auch ein schöner Hinweis  auf die Handwerkstätigkeit, die traditionell mit dem Kirchenpatron assoziiert wird».

Kirchenpflegepräsident Bernhard Böttinger ist begeistert von der Frische und Helligkeit der 'neuen' Kirche ebenso wie von der Akustik. Er sagt: «Jetzt klingt die Musik noch schöner als bisher und erfreut die Menschen in den Gottesdiensten und Konzerten.»

Tony Imlig, Mitglied der Kirchenpflege und Leiter der Baukommission, freut sich über die renovierte Kirche, «weil sie nicht irgend ein Gebäude, sondern ein schönes und würdiges Gotteshaus ist, das allen Menschen als ein Ort der Stille und der Meditation offen steht». Er hoffe, dass die gelungene Neugestaltung der Kirche neue Impulse, Freude und Begeisterung in das Pfarreileben bringen werde.

Auch das Votum von Nadja Eigenmann, Spitalseelsorgerin und Gemeindemitglied, unterstreicht die spirituelle Dimension: Sie ist begeistert von der neuen Kirche, möchte aber nicht nur von der Architektur und der neuen Innenausstattung des Gotteshauses reden. Wichtiger sei, was in der Kirche passiere. Sie sagt: «Hier werden frohe Gottesdienste gefeiert. Traurige und einsame Menschen finden in der Kirche einen Zufluchtsort. Hier werde der Friede erbeten, und zwar für den einzelnen, für die Gemeinschaft und die Menschen weltweit». Frieden bewirken, das sei wichtig, meint sie.

Eine architektonische Meisterleistung               Modern, freundlich und einladend wirkt die Kirche St. Josef in Horgen nach der Renovation: 1934 wurde sie von Anton Higi erbaut, in den Siebzigerjahren ein erstes Mal renoviert und nun nach der Idee des Architekturbüros Miroslav Šik fast vollständig erneuert. Im Gesamtkonzept spielten Licht, Farben und ein spezieller Evangeliumstext eine besondere Rolle: Nun spiegeln sich die farbigen Kirchenfenster geheimnisvoll im gesamten Kirchenraum. Zudem wurde das bisher von der alten Orgel verstellte, grosse Rosettenfenster wieder freigelegt und durch zwei neu geschaffene, kleinere Rosettenfenster ergänzt. Besonders gelungen ist der helle Chor, der mit 18´000 Schriftzeichen in Sgrafitto-Technik gestaltet wurde. Die in den noch feuchten und gekalkten Verputz geritzten Buchstaben, geben in deutscher und lateinischer Sprache, den Evangelientext wieder, der am Festtag des Heiligen Josef jeweils am 19. März in der Liturgie gelesen wird (Mt 1,16.18 – 21,24a). Auch die grosse bronzenfarbene Statue erinnert an den Kirchenpatron, der als unüblicher Vater und Handwerker in der Heilgeschichte eher ein Schattendasein fristete. Altar, Tabernakel, Ambo und Taufstein ‑ allesamt in hellem Tessiner Castione-Granitmarmor gehalten ‑ runden zusammen mit den in Messing gefertigten liturgischen Gerätschaften das harmonische Gesamtbild des Kirchenraumes ab. 

Die Planungs- und Ausführungsarbeiten für die Kirche St. Josef dauerten rund dreieinhalb Jahre und kosteten insgesamt rund 3.3 Mio Franken. Erfreulich ist, dass in rund eineinhalb Jahren auch eine neue, von einem grosszügigen, anonymen Gönner gesponserte Orgel Einzug in die Kirche halten wird.

Text und Fotos: Viviane Schwizer

zuletzt verändert: 06.06.2017 13:08