Gesucht-gefunden: Kirchliche Heimat für Kopten

Mit der Kirche St. Josef Grafstal haben die koptisch-orthodoxen Christen für die nächsten 99 Jahre ein neues kirchliches Zuhause bekommen.

Die Kirche St. Josef in Grafstal ist eine Zweitkirche der Pfarrei St. Martin Illnau-Effretikon, Lindau und Brütten. Im Verlauf der Zeit wurde sie immer weniger genutzt, deshalb haben die Verantwortlichen nach neuen Möglichkeiten für eine künftige Verwendung gesucht. Bereits in einer frühen Phase hat dabei die koptisch-orthodoxe Gemeinde ihr Interesse an St. Josef bekundet.

Der Bischof kommt aus Wien

In enger Zusammenarbeit mit dem bischöflichen Ordinariat, der Kirchgemeinde und Pfarrei hat die Stiftung St. Josef Grafstal als Eigentümerin der Liegenschaft eine Lösung erarbeitet, welche mit der Vertragsunterzeichnung am 15. September besiegelt worden ist. Das Kirchengebäude und das Wohnhaus (ehemaliges Pfarrhaus) gehen in einem Baurechtsvertrag in das Eigentum der koptisch-orthodoxen Gemeinde über, die juristisch im "Verein der Koptisch-Orthodoxen Kirchen in der Deutschschweiz" organisiert ist.

Kopten - Notariat

Besondere Bedeutung der Übergabe

Der Vertrag hat eine Laufzeit von 99 Jahren. Mit dieser Lösung kann unter anderem auch das Hauptanliegen zu einem Weiterbestehen der Mutterkirche der Pfarrei St. Martin als Sakralraum erfüllt werden. Dass die Übergabe der Kirche Grafstal von besonderer Bedeutung ist, zeigte die Anwesenheit von Bischof Anba Gabriel, der eigens aus Wien angereist war. Seine Diözese umfasst ganz Österreich, die Deutschschweiz und Teile Oberitaliens. „Ein herzlicher Mensch, ein  Bischof zum Anfassen. Von einem solchen Bischof können wir nur träumen“ meinte Gemeindeleiterin Monika Schmid. In den nächsten Tagen wird eine ägyptische TV-Station über die Unterzeichnung des Vertrags und die Übergabe der Kirche berichten.

Die Kirche bekommt eine Ikonenwand

Die Kirche wird in nächster Zeit auf die Bedürfnisse der koptisch-orthodoxen Christen umgerüstet. Dazu gehört das Einbauen einer Ikonostase – einer Wand mit Ikonen, die den Kirchenraum unterteilt. Diese Wand mit Ikonen wird derzeit in Ägypten in Handarbeit gefertigt. Die Kriche wird dann neu eingesegnet und auf die Muttergottes Maria und die Heilige Verena geweiht. Zu diesem Fest wird der koptische Papst Tawadros II. erwartet, der die Weihe vornehmen wird.

Die neuen Patroninnen: Muttergottes und Heilige Verena

Dass die Kirche das Patronat der Heilige Verena bekommt, ist kein Zufall: Sie ist eine koptische Christin, die mit der Thebäischen Legion (zusammen mit den Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula) in die Schweiz gekommen und hier wegen ihrem Glauben umgebracht wurde.

Vertrag Kopten Notariat

Stiftungsrat Urs Müller Artho (1.v.r.) freut sich über den erfolgreichen Abschluss des Projektes: „Ich heisse unsere koptisch-orthodoxen Mitchristen als Nachbarn herzlich willkommen und hoffen auf ein gutes Zusammengehen auf der Basis unserer gemeinsamen christlichen Wurzeln.“

zuletzt verändert: 22.09.2016 08:59