Kirchenmusik: Eine Frage des Stellenwertes

Mit der Revision der Bestimmungen für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker erhalten diese künftig mehr Lohn. Die Erhöhung fällt moderater aus als ursprünglich vorgesehen.
Kirchenmusik: Eine Frage des Stellenwertes

Festlicher Gottesdienst mit Chor und Orchester in der Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach. Foto: Ch. Bechtiger

Das Angebot an gut qualifizierten Organistinnen und Organisten für die Kirchenmusik ist beschränkt. Verschärft wird das Problem dadurch, dass nicht wenige Kirchenmusiker in den nächsten fünf bis zehn Jahren pensioniert werden. Dies hat zur Folge, dass katholische und reformierte Kirchgemeinden nicht selten um dieselben Musiker werben. Die Lohnunterschiede zwischen den beiden Konfessionen sind jedoch frappant. Deshalb nahm der Synodalrat im vergangenen Jahr die Revision der berufsbezogenen Bestimmungen an die Hand.

Kirchgemeinden fürchten Mehrkosten

Während die Integration der neuen Bologna-Abschlüsse in der Vernehmlassung unbestritten war, äusserten die Kirchgemeinden mehrheitlich Bedenken über die finanziellen Folgen. Diese wären bei der vorgesehenen Annäherung an die reformierten Löhne deutlich spürbar gewesen. Zum Vergleich: Beträgt ein Standardpensum bei der reformierten Kirche 30 Stellenprozente, entspricht dieses in der katholischen Kirche 13,5 Stellenprozenten. Die nun vorliegenden Bestimmungen verbessern die Lohnsituation nach wie vor, jedoch mit geringeren Mehrkosten für die Kirchgemeinden. Zudem sieht die Vorlage nicht wie ursprünglich vorgesehen eine lineare Erhöhung des Beschäftigungsgrades vor, sondern lässt eine flexible Gestaltung der Pensen zu.

Gelegenheit für eine Standortbestimmung

Synodalrat Karl Conte erhofft sich von der Revision, dass sie die Kirchgemeinden zu Diskussionen über den Stellenwert und die Ausrichtung der Kirchenmusik anregt: «In vielen Pfarreien wird seit Jahrzehnten die klassische Kirchenmusik weitertradiert, neue Stilrichtungen oder kirchenmusikalische Konzepte fehlen. Die Chance, mit Kirchenmusik die Gemeindebildung zu fördern, wird verpasst», bedauert er. Positive Beispiele sieht er in Pfarreien wie Peter und Paul in Winterthur oder St. Georg in Küsnacht-Erlenbach: «Die dort angestellten Kirchenmusiker haben Chöre mit verschiedenen Altersstufen und Stilrichtungen aufgebaut, mit dem positiven Effekt, dass die Gottesdienste von unterschiedlichen Zielgruppen besucht werden […]».

Kantor Stephan Klarer mit Chor in der Liebfrauenkirche

Umsetzung beginnt im Herbst

Für Neuanstellungen gelten die Bestimmungen bereits ab 1. Oktober 2014. Die bestehenden Anstellungsverhältnisse sind bis spätestens am 1. März 2015 anzupassen. Eine Informationsveranstaltung für die Personalverantwortlichen findet am Donnerstag, 11. September 2014, um 19 Uhr, am Hirschengraben 66, in Zürich statt (Anmeldung an personal@zh.kath.ch). Bei Fragen erteilen Mirjam Bolardt (044 266 12 44) und Andreas Hubli (044 266 12 43) gerne Auskunft. 

www.zh.kath.ch/personal

zuletzt verändert: 05.09.2014 15:05