Junge treten immer häufiger aus der Kirche aus

Rückmeldungen aus verschiedenen Kirchgemeinden deuten darauf hin, dass vermehrt junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahre aus der katholischen Kirche austreten. Ihren Austritt reichen sie in der Mehrheit mit Hilfe eines Standard-Formulars ein, das sie im Internet finden.

Mit 4‘221 Personen sind 2016 in etwa gleich viele wie im Vorjahr aus der katholischen Körperschaft ausgetreten. Auch wenn es bis dato noch keine verlässlichen Zahlen dazu gibt, lassen Rückmeldungen aus Kirchgemeinden und Pfarreien aufhorchen: Immer häufiger geben junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 ihren ihren Austritt aus der katholischen Kirche. Sie stützen sich dabei meist auf ein Online-Formular im Netz ab, das ihnen einen unbürokratischen Kirchenaustritt «ohne Aufwand oder Rücksprache mit der Kirche» verspricht.
Judith Albisser vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut SPI in St. Gallen verfügt zwar über keine Zahlen, verweist aber auf eine Studie der Stadt Zürich aus dem Jahr 2013. Diese wies nach, dass sich am häufigsten Personen im Alter zwischen 27 und 36 Jahren von der katholischen Kirche abwandten. Offensichtlich hat sich in der Zwischenzeit das Alter der Austretenden weiter nach unten verschoben.   

Weniger Gewinne durch Zuwanderung

Erstmals nach rund zehn Jahren ist die Anzahl der katholischen Mitglieder wieder leicht gesunken, um insgesamt 554 Personen. Die Römisch-katholische Körperschaft zählte 393 716 Mitglieder, was 26.6 Prozent der Zürcher Gesamtbevölkerung entspricht. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche verzeichnete Ende letzten Jahres noch knapp 440 000 Mitglieder und kommt damit auf einen Anteil von knapp 30 Prozent in der Bevölkerung. Etwa 0,3 Prozent gehören den weiteren anerkannten Religionsgemeinschaften an, nämlich der christkatholischen Kirche (1973), der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (1 900) und der Jüdisch Liberalen Gemeinde Or Chadasch (463). Diese und andere Religionsgemeinschaften wie orthodoxe Christen oder Muslime werden in der Kategorie «Andere Religionsgemeinschaften und Konfessionslose» mitgezählt. Interessant: Konfessionslose bilden entgegen der landläufigen Meinung (noch) nicht die stärkste Gruppe.

Italien als stärkste Ausländerfraktion

Auch die Zahlen 2016 bestätigen, dass ein Drittel aller katholischen Mitglieder im Kanton Zürich – es sind dies knapp 130 000 Personen – einen ausländischen Pass haben. Die Palette reicht von Kasachstan (1 Mitglied), Costa Rica (27) und Belgien (314) über Brasilien (2 051) und Spanien (8 693) bis hin zu Deutschland (19 993) und Italien (41 325) als stärkste katholische Ausländerfraktion.

Die Bevölkerungszahlen sind provisorisch und nach Ablauf einer Rekursfrist Mitte April definitiv. Mehr zur Kirchenmitgliedschaft in der aktuellen April-Ausgabe des Informationsblattes.

www.statistik.zh.ch

 

zuletzt verändert: 05.04.2017 11:25