Im Rennen um den Schweizer Filmpreis

Der Spielfilm „Köpek“ von Esen Isik - nominiert für den Schweizer Filmpreis - wird von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstützt.
Im Rennen um den Schweizer Filmpreis

Foto: zvg

„Der Gewinner in der Kategorie bester Spielfilm ist …“ Nach den Oscars geht nun am 18. März im Zürcher Schiffbau die Verleihung des Schweizer Filmpreises über die Bühne. Auch wenn diese Preisverleihung nicht weltweite Bedeutung hat, so ist doch die Schweizer Filmbranche in Aufregung. Besonders trifft dies auf die begabte Regisseurin Esen Isik zu, die mit ihrem Spielfilm „Köpek“ (Der Hund) gleich vier Nominationen erhalten hat und zu den heissen Anwärtern für die Filmpreise gehört.

Der erste Langspielfilm von Esen Isik ist der Künstlerin Pippa Bacca gewidmet. In einem weissen Brautkleid wollte die Italienerin von Rom bis Palästina trampen, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Sie kam bis Istanbul. Dort wurde sie 2008 vergewaltigt und ermordet.

Film über Gewalt an Frauen, Kindern und Transmenschen

Pippa Baccas Geschichte steht für die Schicksale der Bewohnerinnen und Bewohner Istanbuls, die unter Gewalt leiden und keine Lobby haben: Kinder, Frauen, Transmenschen – und Strassenhunde. Exemplarisch erzählt Esen Isik, die in Istanbul aufgewachsen ist und als junge Frau in die Schweiz kam, von einem Tag im Leben eines Jungen und eines Hundes (auf Türkisch: „Köpek“), einer Ehefrau sowie einer Transfrau. Der zehnjährige Cemo verkauft Taschentücher auf der Strasse, kümmert sich rührend um einen hilflosen Strassenhund und himmelt ein Mädchen aus einem besseren Quartier an. Die Transfrau Ebru setzt sich gegen willkürliche Übergriffe zur Wehr und sehnt sich nach der Liebe eines Mannes, der nicht zu ihr stehen will. Hayat wird von ihrem eifersüchtigen Ehemann schikaniert. Die Wege von Hayat, Ebru und Cemo in der Millionenmetropole kreuzen sich, doch auf der Suche nach Sicherheit und Schutz bleiben sie alleine.

Junge Liebe im Film "Köpek". Foto: zvg

Menschlich und politisch

„Köpek“ ist ein zutiefst menschlicher und politischer Film, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zu hilflosen, tatenlosen Zeugen macht. Esen Isik konfrontiert uns mit der Frage: Wie fühlen und verhalten wir uns angesichts von Ungerechtigkeit, struktureller und konkreter Gewalt? Der Film gibt uns als Zuschauende die Möglichkeit, diese Formen von Gewalt wahrzunehmen und mit Trauer und Betroffenheit darauf zu reagieren. Die türkische Gesellschaft verändert sich derzeit sehr schnell und radikal. Der poltische Wandel unter der Regierung Erdogan zeigt anti-liberale Tendenzen, harte Unterdrückungsmechanismen und die Rückkehr des patriarchalen Denkens. Insofern ist „Köpek“ auch eine Klage gegen den Verlust von Freiheit und Lebensraum. Dadurch werden die alltäglichen Geschichten des Films zu einem gesellschaftspolitischen Panorama am Bosporus.

Vier Nominationen für Filmförderung der Zürcher Kirche

Insgesamt wurde „Köpek“ viermal für den Filmpreis nominiert: als bester Spielfilm, beste Darstellerin (Beren Tuna), bestes Drehbuch und beste Filmmusik (Marcel Vaid). Die Chancen auf eine Auszeichnung stehen also gut. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich steht hiermit wieder im Rennen um eine Filmauszeichnung, wie schon mit „Neuland“ von Anna Thommen und „Der Verdingbub“ von Markus Imboden.

Text: Charles Martig, Medientipp

Trailer von „Köpek“: https://www.youtube.com/watch?v=m2PZnS7_b4I

Webseite Schweizer Filmpreis: https://www.schweizerfilmpreis.ch/de/

zuletzt verändert: 17.03.2016 10:06