Filmfestival Locarno: Auf dem Weg von Teheran nach Zürich

Das Filmfestival Locarno ist vorbei. Die Bulgarin Ralitza Petrova gewinnt für ihr Drama «Godless» den ökumenischen Preis der Kirchen und den Goldenen Leoparden. Zusätzlich waren dieses Jahr zwei Filme im Programm, die von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich gefördert wurden: «Raving Iran» gibt einen spannenden Einblick in das Leben der Techno-Szene in Teheran, der Kurzfilm «La femme et le TGV» von Timo von Gunten seine Premiere in Locarno.
Filmfestival Locarno: Auf dem Weg von Teheran nach Zürich

Filmfestival Locarno: Von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstützter Dokumentarfilm "Raving Iran" von Susanne Regina Meures. Foto: zvg

Die beiden Techno-DJs Arash und Anoosh arbeiten in der Untergrund-Szene von Teheran, organisieren illegale Partys, immer unter dem drohenden Eingriff der Moralpolizei. Sie planen unter gefährlichen Umständen einen Rave in der Wüste und versuchen illegal ein Musikalbum zu verkaufen. Als Anoosh an einer Party verhaftet wird, erlischt die Hoffnung, dass sie als DJs in Teheran arbeiten können. Eine Einladung an die Streetparade in Zürich gibt ihnen neuen Schub. Sie erhalten ein Visum für die Schweiz. Die Euphorie verfliegt jedoch schnell, als sie nach der Party feststellen, in welch schwieriger Situation sie stecken. Kurz vor dem Rückflug in den Iran verlassen sie das Taxi. Hier endet der Film «Raving Iran» mit einem offenen Schluss.

Junge Iraner flüchten vor dem autoritären Regime nach Zürich
Arash und Anoosh stellen einen Asylantrag und wurden in der Zwischenzeit als Flüchtlinge mit B-Ausweis anerkannt, wie der Tages-Anzeiger am 5.8.2016 meldet.
Sie haben eine Bleibe in Felsberg, in der Nähe von Chur, gefunden und werden von der Caritas Graubünden betreut. Nach schwierigen Zeiten in Asylunterkünften haben sie nun die Erlaubnis bekommen, in Zürich als DJs aufzutreten und dafür ein Honorar zu verlangen. Für die beiden ist Techno eine Lebensphilosophie, ihr eigentlicher Lebenssinn. «Musik ist kein Hobby. Sie ist unsere Passion, unsere Chance, unsere Zukunft», sagt Anoosh. Der Film zeigt das schwierige Leben von Zwanzigjährigen zwischen zwei Kulturen, zwischen Flüchtlingsstatus und beruflicher Ambition, zwischen Angst vor dem Regime und euphorischem Eintauchen in die Techno-Szene.

Der Dokumentarfilm von Susanne Regina Meures feierte seine Premiere am Festival «Visions du réel» im April 2016 in Nyon und wurde nun auch am Filmfestival Locarno gezeigt, in der Sektion Panorama suisse. Produzent ist der bekannte Filmschaffende Christian Frei aus Zürich, der mit «War Photographer» (2001) und «The Giant Buddha» (2005) wichtige Schweizer Dokumentarfilme realisiert hat. «Raving Iran» startet am 20. Oktober in den Zürcher Kinos.

Kurzfilm mit Jane Birkin in Locarno gefeiert
Sehr erfolgreich ist auch der Kurzfilm «La femme et le TGV» des jungen Regisseurs Timo von Gunten in Locarno angekommen. Das unspektakuläre Leben einer älteren Frau, welche die letzen 20 Jahre damit verbrachte, vorbeifahrenden TGV-Zügen zuzuwinken, erhält plötzlich eine neue Bedeutung, als sie einen Brief eines Lokführers im Garten findet. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die durch Briefpost jeden Tag weiter wächst. Der Jung-Regisseur macht daraus die berührende Beziehungsgeschichte zwischen einer einsamen Frau und einem Lokführer. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Film insbesondere wegen der international bekannten Schauspielerin Jane Birkin, die in Locarno einen Ehrenleoparden für ihr Lebenswerk entgegennahm. Über die Entstehung des Films hat srf in der Sendung «10vor10» berichtet.

Preis der Ökumenischen Jury
Die Ökumenische Jury ist seit 1973 am wichtigsten Schweizer Filmfestival in Locarno präsent. Das Gremium zeichnet Filme aus, die das Publikum für religiöse, menschliche oder soziale Werte sensibilisieren. Das Preisgeld von 20'000 Franken wird von der römisch-katholischen Kirche und den evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz gestiftet.

Charles Martig, Filmjournalist und Mitglied der Ökumenischen Jury am Filmfestival Locarno 2016/Aschi Rutz

Offizielle Webseite des Films "Raving Iran"

Offizielle Webeite des Films "La femme et le TGV"

Medientipp: "Dies ist ein Film für Gläubige!", Bericht vom Filmfestival Locarno

zuletzt verändert: 22.08.2016 10:48