Herausforderungen des Lebens

Seelsorge am Computer funktioniert trotz Distanz - oder sogar deswegen.
Herausforderungen des Lebens

Foto: Claudia Bamberger

Seelsorge am Computer – das ist die Normalität für die freiwillig Mitarbeitenden der Internet- und SMS-Seelsorge. Das ökumenische Angebot besteht seit 1995 in der Schweiz, die Begleitung von Menschen in Not ist ihr Engagement.  

Rund 25 Beraterinnen und Berater arbeiten freiwillig für die Internet- und SMS-Seelsorge: viele von ihnen sind Priester, Pastoren oder Theologen (-innen), die Kirchenzugehörigkeit ist Pflicht. Eine von ihnen ist Silja Greber. Die Fachärztin für Psychiatrie wollte sich nach ihrer Pensionierung einbringen, im kirchlichen Rahmen. „Jede/r Schreibende, der sogenannte User, darf soviel von sich preisgeben, wie er möchte“, erzählt Greber. „Aber ich stelle auch Fragen nach dem Alter, um zum Beispiel meine Sprache anzupassen“. Ein klarer Grundsatz ist, dass die Mitarbeitenden der Internet- und SMS-Seelsorge garantiert anonym mit einem Pseudonym bleiben. „Ich werde oft gefragt, wie alt ich bin und was ich arbeite. Darauf gibt es nur die Antwort, dass wir anonym bleiben, weil es nicht um uns geht.“

Beratungen nur mit Schulung und einem „Rucksack“

Für die Auswahl der Beratenden ist eine Kommission zuständig, Armin Elser leitet seit gut zwei Jahren die Seelsorgestelle: „Alle Beratenden haben eine theologische oder psychologische Ausbildung, viele auch grosse seelsorgerliche Erfahrungen.“ An mehreren Nachmittagen werden die Beratenden zusätzlich geschult – auch technisch. Ein Mailmaster verteilt die Anfragen an das Beratungsteam. Silja Greber ist 5 Stunden in der Woche für die Internet- und SMS-Seelsorge online. Die Hilfesuchenden kommen aus allen Altersgruppen. Gerade Jugendliche formulieren immer wieder, dass ihnen durch die Distanz des Computers die Gespräche leichter fallen als das Gespräch mit anwesenden Menschen. Sie kämpfen mit Essstörungen, Depressionen und Konflikten in Beziehungen. „Ich hatte einen Klienten, der nicht mehr leben wollte. Irgendwann habe ich nichts mehr von ihm gehört. Dann kommt man trotz aller Professionalität auch an Grenzen, “ erzählt Silja Greber

Mit den Jahreszeiten ändern sich die Anfragen

Wenn es grau wird im Herbst, steigen die Anfragen vor allem mit Problemen zur Einsamkeit. Auch nach den Ferien kommen viele Menschen auf einmal mit dem Alltag nicht mehr zurecht. Grundsätzlich sind Beziehungsfragen in der Partnerschaft oder zwischen den Generationen Hauptthema, auch finanzielle Sorgen durch Jobverlust drücken viele Menschen. „Wir raten eventuell dazu, sich um eine Psycho-Therapie zu kümmern, denn das können wir nicht bieten. Es braucht für die User viel Mut, sich Hilfe zu holen“, so Greber. Allerdings hat die Fachfrau den Eindruck, dass die Menschen heute schneller zu Arzt oder Therapeut gehen als auch schon. Silja Greber: „Ich frage nach, auch wenn es unangenehm ist: Warst Du jetzt in der Therapie? Wie war es?“

Der Aspekt „Kirche“

Die Landeskirchen und die Stadtverbände Zürichs – reformiert und katholisch - unterstützen die Internet- und SMS-Seelsorge. Allerdings ist das Angebot auf weitere Spenden angewiesen und sucht auch Sponsoren. Die Beratung der Userinnen und User erfolgt aber unabhängig von Konfession und Religion. Allerdings: Silja Greber ist auch Ordensmitglied bei den Menzinger Schwestern: „Grundsätzlich lege ich das Schicksal meiner Klienten in Gottes Hand. Das Maximum, was ich bei nicht religiösen Menschen direkt formuliere, aber ist: `Ich zünde eine Kerze für dich` an oder `Ich schicke Dir noch einen Engel`. Manche danken dafür. Andere kommen gar nicht darauf zurück.“

www.seelsorge.net oder SMS 767

zuletzt verändert: 18.02.2014 16:31
Schlagwörter: | | |