Hochzeitsmesse: Das Zwischenmenschliche zählt

Hier sind mehrstöckige Hochzeitstorten in Rosa und edle Festroben zu bestaunen, dort werden Traumreisen für den Honeymoon geboten. An einem der zahlreichen Tischchen eines Juweliers suchen zwei Frauen Ringe aus; im Sofa einer Lounge in der Ecke küsst sich ein Paar. Kein Zweifel, es ist wieder Hochzeitsmesse in Zürich-Oerlikon.

Mitten drin zuckelt ein Glücksrad mit ungewöhnlichen Symbolen, an dem viele Paare etwas länger verweilen. Den dazugehörigen Stand schmücken drei bunte Kirchenfenster von Marc Chagall aus dem Zürcher Fraumünster und festliche Rosenbouquets. Mit Theken, Tischchen und Sofastühlen lädt der lichtdurchflutete Stand zum Bleiben. „Trau Dich – in der Kirche“, mit diesem grossformatigen Slogan treten die beiden Kirchen bereits zum 18. Mal an Hochzeitswillige heran.

Neuer Platz - neue Glück

Der zentrale Platz in der Halle vier und das Glücksrad seien jedoch erstmalig, sagt Kerstin Lenz, Medienbeauftragte der Katholischen Kirche in Zürich und Koordinatorin des kirchlichen Messe-Projekts. Eben dreht eine jüngere Frau am Rad und tippt auf eine Rose. Kerstin Lenz zieht ein Blöckchen Post-its in Herzform von der Theke und überreicht es dem Paar mit der Empfehlung für „kleine Liebesbotschaften im Alltag“. Zum Stichwort Zärtlichkeit reicht sie Massageöl, um auszudrücken: „Berührungen tun grundsätzlich gut – gerade in einer Partnerschaft“. Unter dem Thema „Vertrauen“ gibt es drei bunte Teelichter, die darauf hinweisen, dass ein „Dritter“ im Ehebund dabei ist – „in guten und in schlechten Zeiten“. 

1500 kirchliche Trauungen im Jahr

Im Nu führen die von theologischen Fachpersonen entwickelten Botschaften am Glücksrad zu persönlichen Gesprächen, wie auch die beiden Pfarrer berichten. Sie schätzen dieses „spielerische Element“ neben den informativen Aspekten ausserordentlich. Felix Hunger, Priester und Pfarradministrator in Pfäffikon ZH, kommt gerade von einem angeregten Gespräch mit einem Paar mittleren Alters. „Über 40 Prozent der zivil Getrauten heiraten kirchlich“, sagt er. Es gebe den Druck nicht mehr, in der Kirche heiraten zu müssen. „Aber für viele gehört es zum Fest, sie wünschen sich für ihre Heirat den Segen von Gott - und genau dafür steht der kirchliche Raum.“ Im Jahr 2016 haben sich denn auch rund 1500 Paare kirchlich trauen lassen.

Hochzeitskirche gesucht!

Für ein Gespräch mit dem reformierten Erlenbacher Pfarrer Andreas Cabalzar hat sich eben ein Paar etwas reiferen Alters genähert. Es befragt ihn nach geeigneten „Hochzeitskirchen“ und vertieft sich dann in ein längeres Gespräch. Beim Weggehen erklären die Beiden, dass sie es schätzten, an der Messe in aller Ruhe Ideen für Trauringe, Limousinenservice und Torten zu sammeln. Das Standpersonal sei mehrheitlich unaufdringlich, was sehr angenehm sei. Ihr Wunsch für ihre Hochzeitsfeier? Mit der Liebsten einen schönen Tag verbringen, das sei das Wichtigste. Mit überrissenen Erwartungen an die perfekte Traumhochzeit könnten sie hingegen nichts anfangen. Lieber blättern sie noch einen Moment in einem der Bücher auf der Theke, das von den „Fünf Sprachen der Liebe“ erzählt.

Auch Pfarrer Andreas Cabalzar beobachtet seit einigen Jahren, dass sich die Einstellung der Gäste am Kirchenstand verändert. Während der kommerzielle Rummel immer grösser werde, wachse gleichzeitig das Interesse, über essenzielle Themen der Partnerschaft zu sprechen, miteinander zu erörtern, was Liebe im Alltag bedeutet oder wer welche Bedürfnisse nach Nähe und Freiraum hat. Und um diese Themen gelingender Beziehungen dreht sich auch das Glücksrad. Erneut wendet sich Kerstin Lenz einer jungen Frau zu, die den Stand interessiert mustert: „Hallo, wollen Sie auch mal unser Glücksrad drehen? Es gibt nur Gewinne!“

www.kirchenhochzeit.ch 

zuletzt verändert: 09.01.2018 15:35