«Kultur blüht dort, wo Religionsfrieden herrscht»

Gegen 200 Kirchenpflege-Mitglieder und Synodale wollten am Dienstagabend aus erster Hand hören, was Regierungsrätin Jacqueline Fehr zu «Staat und Religion im Kanton Zürich» ausführte. Sie ist überzeugt, dass die Einbindung von verfassungsrechtlich nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften in die Gesellschaft viel Dialog und Zeit braucht.
«Kultur blüht dort, wo Religionsfrieden herrscht»

Treffen der Kirchenpflegen und Synodalen: Religionsministerin Jacqueline Fehr referiert und diskutiert zum Umgang des Staates mit Religionsgemeinschaften. Fotos: Simon Spengler

In ihrem Referat stellte Religionsministerin Jacqueline Fehr kurz die sieben Leitsätze des Regierungsrats als Basis für das künftige Verhältnis von Staat und Religion vor. Auf zwei kam sie speziell zu sprechen: Das System der öffentlich-rechtlichen Anerkennung für die reformierte, katholische und christkatholische Körperschaften habe sich bewährt und soll beibehalten werden. Sie verband diesen Leitsatz 6 mit dem besten Dank für das von ihr überaus geschätzte Engagement von Behördenmitgliedern in den katholischen Kirchgemeinden und in der Körperschaft. Leitsatz 7 formuliert den Umgang mit verfassungsrechtlich nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften, welcher auf klare Handlungsgrundlagen gestellt werden soll.

Podiumsdiskussion im grossen Saal des Johanneums der Kirchgemeinde Zürich-Wiedikon: Jacqueline Fehr, Barbara Schmid Federer, Christoph Sigrist, Benno Schnüriger und Daniel Kosch (von links)

Das anschliessende Podium - von Christoph Sigrist, Präsident des Vereins «Zürcher Forum der Religionen» moderiert ging denn auch vorrangig der Frage nach diesem Umgang mit heute nicht anerkannten Religionsgemeinschaften wie islamischen oder orthodoxen Gemeinschaften nach. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmenden, dass die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Staat und Religionen sehr viel Zeit benötigt.

Barbara Schmid Federer, Zürcher CVP-Nationalrätin, macht zu schaffen, dass auf der nationalen Ebene die Fraktion des Anti-Islam-Diskurses an Boden gewinnt. Für Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ, sollte für alle Religionsgemeinschaften Rechtsgleichheit gelten, was aktuell nicht so ist. Benno Schnüriger, Synodalratspräsident, sieht im staatlichen Recht gerade auch für die katholische Kirche ein befruchtendes Regulativ. So zum Beispiel, wenn es um die Rechte der Frauen in der Kirche gehe.

Abschied in Raten: Synodalratspräsident Benno Schnüriger, noch im Amt bis Mitte Jahr, verabschiedet sich von den Kirchenpflegen und stösst mit Regierungsrätin Jacqueline Fehr auf die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre an.

Abschliessend liess Religionsministerin Jacqueline Fehr keinen Zweifel daran, dass die Zusammenarbeit des Staates mit den Religionsgemeinschaften ein wichtiger und schrittweiser Prozess ist. Ein Prozess, bei dem Takt und Schrittlänge entscheidend sind und der von allen viel Dialog und Geduld erfordert. Die öffentlich-rechtliche Anerkennung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich sei der gelungene Beweis für die Integration der früher fremden katholischen Tradition. Für sie zeige die Erfahrung klar: «Kulturen blühen dort, wo zwischen den Menschen auch der religiöse Friede gelebt wird.»

zuletzt verändert: 21.03.2018 16:41