Hilfe für Opfer von Zwangsmassnahmen

Als Ausdruck genereller Anerkennung geschehenen Unrechts und solidarischer Unterstützung wird am kommenden Sonntag, 16. August, in allen katholischen Gottesdiensten in der Schweiz eine Kollekte für den Soforthilfefonds für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen aufgenommen.
Hilfe für Opfer von Zwangsmassnahmen

Foto: Arnold Landtwing

Dieser Solidaritäts-Fonds ermöglicht es, rasche und unbürokratische Unterstützung zu geben - nicht nur finanziell sondern auch mit Beratung, Zugang zu Archiven und wissenschaftlicher Aufarbeitung.  

Die katholische Kirche - initiert von den Schweizer Bischöfen - möchte mit der Äufnung des Fonds einen Beitrag zur Aufarbeitung dieser Geschichte beisteuern sowie sich für die Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema einsetzen.

Dunkles Kapitel Zwangsmassnahmen

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren fürsorgerische Zwangsmassnahmen von Gemeinde- und Kantonsbehörden, aber auch von privaten Organisationen an der Tagesordnung. Die Massnahmen reichten von Fremdplatzierungen über administrative Versorgung bis hin zu Sterilisation, Kastration, Abtreibung oder Zwangsadoption. 

Dieses düstere Kapitel der schweizerischen Sozialgeschichte wird seit einigen Jahren aufgearbeitet, damit sich involvierte Behörden, Institutionen und Organisationen ihrer Verantwortung stellen und Massnahmen zur Wiedergutmachung ergreifen können. Die Zeit drängt: Viele der betroffenen Menschen, die heute im vorgerückten Alter sind, leben heute in schwierigen finanziellen Verhältnissen. Grund dafür sind oftmals die schweren Nachteile der Zwangsmassnahmen, die sich auf ihr ganzes Leben auswirkten. Die Mühlen der Politik mahlen langsam: auf Bundesebene liegen ein Gesetzesprojekt wie auch eine Volksinititative vor. Bis die vorgesehenen staatlich verankerten finanziellen Massnahmen zum Tragen kommen, werden noch einige Jahre vergehen.

Auf der Website des Delegierten des Bundesrats für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen finden sich weitere Angaben über die Aufarbeitung.

zuletzt verändert: 10.08.2015 14:12