Hier wohnen Glaube, Gott und Götter

Der Kantonale Seelsorgerat feiert dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass reisten die Mitglieder am Freitag, 27. Mai nach Bern, um das im Jahr 2014 eröffnete «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen» im Zentrum Europaplatz zu besichtigen.

Im Obergeschoss – im sogenannten Dialogbereich des imposanten Gebäudes auf dem Berner Europaplatz empfing Zeinab Ahmadi die Zürcher Gästeschar. Die Verantwortliche für Bildung im Haus der Religionen erzählte vorerst allerhand Wissenswertes über die Entstehung dieses weltweit einmaligen Experiments. Hier feiern Aleviten, Buddhisten, Christen, Hindus und Muslime in ihren Sakralräumen unter einem Dach. Bahai, Juden und Sikhs beteiligen sich am Programm im Rahmen des Dialogs der Kulturen. Nach über zwölfjähriger Planungs-, Finanzierungs- und zweijähriger Bau-Zeit öffnete das «Haus der Religionen» am dritten Adventssonntag 2014 mit einem riesigen Einweihungsfest. Mehr als fünf Stunden musste man damals warten, wenn man die unterschiedlichen Kultusräume sehen wollte.

Kultusräume besucht

Mitglieder des Kantonalen Seelsorgerates im Hindutempel

Da hatte es der Kantonale Seelsorgerat an diesem sonnigen Freitagmorgen einfacher. Denn nach dem aufschlussreichen Infoblock führte die in Bern aufgewachsene Afghanin Ahmadi durch die einzelnen Kultusräume. Äusserst schlicht kommt zum Beispiel die Dergâh – der Ritualraum der Aleviten - daher. Ebenso einfach eingerichtet ist der Kirchenraum der Christen mit der symbolreichen Deckenstruktur. Vor dem Andachtsraum der Buddhisten fallen die grauen Kästchen auf, in dem Schuhe und Taschen abgelegt werden müssen. In der Moschee verbeugten sich die Muslime zum traditionellen Freitagsgebet. Etwas exotisch-chaotisch und üppig-farbig kommt der Hindu-Tempel daher. Der ganze Raum ist den Wänden entlang vollgestellt mit bunten Schreinen. Es waren elf Tempelbaumeister, die aus Indien eingeflogen sind und die einzelnen Figuren nach alter Überlieferung anfertigten. Abschliessend genossen die Zürcher im Restaurant Vanakam ein ayurvedisch vegetarisches Mittagessen.

Ein buddhistischer Mo¦ênch erkla¦êrt

Im Kirchenraum der Christen

Blick in die leere Moschee der Muslime kurz vor dem Freitagsgebet

Ein würdiger Anlass

«Der Ausflug nach Bern mit dem Besuch des Hauses der Religionen war ein würdiger Anlass, um ‹50 Jahre Kantonaler Seelsorgerat› zu feiern. Es ist für mich beeindruckend, wie verschiedene Religionen friedlich unter einem Dach leben», sagte Albertina Kaufmann, die abtretende Präsidentin des Kantonalen Seelsorgerates nach der Führung.

Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche hat übrigens das «Haus der Religionen» in Bern zum Preisträger 2016 gewählt. Die Preisverleihung fand im März in Bern statt.

Christian Murer (Text und Fotos)

 

zuletzt verändert: 31.05.2016 08:53
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