Häuser Gottes in der Stadt

Wohin mit Zürichs Kirchen? Experten zeigen Lösungen
Häuser Gottes in der Stadt

"Künstlerisch wertvolle Architektursprache" bescheinigt der Bericht der Mutterkirche Zürich St. Peter und Paul am Stauffacher. Foto: zvg

Expertenkommission zeigt Nutzungspotential kirchlicher Liegenschaften auf
Ein Wort genügt, um den wesentlichen Unterschied zwischen kirchlichen und weltlichen Bauten zu beschreiben: Kyriake – dem Herrn gehörig. In dieser Besonderheit kirchlicher Liegenschaften liegt die Herausforderung einer Nutzwertanalyse. Diese ist aufgrund der teilweise angespannten Finanzlage und gesellschaftlicher Umwälzungen notwendig. Geht es um Kirchen, prallen zudem vielfältige Nutz- und Schutzinteressen aufeinander. Nicht zuletzt stellen sich Fragen zum Ziel der urbanen Raumentwicklung hinsichtlich sakraler Bauten.
Dieser schwierigen und mit Emotionen verhafteten Zukunftsdebatte angenommen hat sich eine Kommission mit dem Namen «Interorganisationale Kommission Sakralbauten und Kirchliche Liegenschaften». Dahinter stehen Vertreter von Stadtrat und ev.-ref. sowie röm.-kath. Stadtverbänden. In einer erstmaligen Zusammenarbeit von Stadt und Kirchen hat die Kommission während zwei Jahren ein Instrumentarium für die künftige Nutzung kirchlicher Liegenschaften geschaffen. Der Bericht mit dem Titel «Häuser Gottes und der Gemeinde: Die Herausforderung eines teuren Erbes» ist seit Ende Mai öffentlich zugänglich. Nebst einer Gesamtbetrachtung werden im Bericht 91 kirchliche Liegenschaften einzeln beurteilt und deren Potential aufgezeigt. Im Fokus standen beispielsweise Fragen zum kirchlichen Nutzungspotential, zur Architektur, zur Ökonomie oder zum Quartiernutzen. Die Resultate zeigen: Bei manchen Objekten drängt sich eine Umnutzung auf, andere Liegenschaften sind auch heute für das Quartierleben wichtig und werden rege genutzt. Wo hingegen der kirchliche Nutzen gering ist und das Gebäude für die Identität des Quartiers nicht als wichtig erachtet wird, drängt sich eine Neuausrichtung auf. Das Instrumentarium soll den Verantwortlichen in den Kirchgemeinden als Entscheidungsgrundlage dienen, wenn es um neue Nutzungsstrategien oder anstehende Sanierungen geht. Laut dem römisch-katholischen Stadtverbandspräsident, Bruno Graf, soll das Instrumentarium den Kirchgemeinden in erster Linie als Hilfsmittel zur Orientierung dienen. Er hege die Hoffnung, so Graf, dass als Folge dieser Arbeit im Verband eine Koordination stattfinde bei künftigen Liegenschaftsvorhaben. Geht es um die Vorgehensweise, empfiehlt die Kommission
zuerst eine kirchliche Strategie zu definieren und daraus die Folgen für die Liegenschaft abzuleiten. Als nächstes soll der Bericht an einer Informationsveranstaltung im September mit
den Liegenschaftsverantwortlichen und Präsidien der Kirchgemeinden diskutiert werden.
Kontakt für Kirchgemeinden:
Bruno Graf, Präsident röm.-kath. Stadtverband Zürich
Marcel Barth, Vorstandsmitglied Präsident röm.-kath. Stadtverband Zürich
Prof. Daniel Kündig, Architekt, Präsident Kommission
Tel: 044 297 70 00, stadtverband@zh.kath.ch,
Spezialinventar der Denkmalpflege wird erweitert

Als Folge der Kommissionstätigkeit plant die Denkmalpflege das Spezialinventar um die römisch-katholischen und die noch fehlenden evangelisch-reformierten Kirchen zu erweitern. Dieses soll bis Frühjahr 2014 vervollständigt werden.

 

Hier ist der Link zu den Berichten.

zuletzt verändert: 19.07.2013 10:40