"Habt Mut, fürchtet euch nicht!"

Generalvikar Josef Annen nimmt die Worte des Propheten Jesaja als Grundgedanke für seinen diesjährigen Weihnachtswunsch an die Seelsorgerinnen und Seelsorger. "Habt Mut!": Mit dieser Ermunterung wünschen wir allen frohe Festtage!
"Habt Mut, fürchtet euch nicht!"

Weihnachtsfenster von Fiona Knecht im Jenseits im Viadukt

Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Dieses Wort des Propheten Jesaja (35,4) ist mir in den vergangenen Tagen immer wieder in den Sinn gekommen, wenn ich mich gefragt habe, was ich Euch für dieses Jahr zu Weihnachten schreiben soll.

Situation in Pfarreien und Diözese ermüdet

Verzagtheit, Müdigkeit, da und dort gar Resignation sind mir in nicht wenigen Begegnungen mit Seelsorgern und Seelsorgerinnen, Angestellten und Freiwilligen in unseren Pfarreien und Dienststellen entgegengekommen. Gründe zum Ermüden gibt es gewiss mehr als genug. Es ermüdet, wenn trotz sorgfältiger Gestaltung der Gottesdienste die Zahl der Kirchgänger abnimmt.

Es lähmt, wenn in unserer Diözese oft eine Atmosphäre des Misstrauens und der Verdächtigungen herrscht. Angst und Furcht besetzen unser Herz, wenn wir an das Fortschreiten der Erderwärmung, das Aufrüsten mit Waffen in Ost und West und die unüberschaubaren Tragödien verletzter Menschenrechte und Menschenwürde denken.

Habt Mut! Gott nimmt uns an der Hand.

Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Wir dürfen dieses Jesajawort messianisch deuten und sagen: In der Geburt Jesu von Nazareth nimmt uns Gott bei der Hand und geht mit uns durch alle Verzagtheit, Müdigkeit und Resignation. Er ist der Immanuel, der Gott mit uns.

Er fädelt sich in unser Leben ein und hält in uns die Sehnsucht wach nach einer glaubwürdigen Kirche, nach überzeugenden Christen und Christinnen, nach Bewahrung der Schöpfung und Frieden unter den Völkern. Er öffnet uns die Augen für die Liebe Gottes zu jedem Menschen.

Hand aufs Herz! Ist denn Gott nicht auch heute am Werk, wenn Menschen einander die Hand zum Frieden reichen, Flüchtlinge begleiten, Kranke besuchen, Nachbarn beistehen, um nur ein paar Beispiele zu nennen? Und so gibt es denn nichts wahrhaft Menschliches, das nicht auch in den Herzen der Jünger und Jüngerinnen Jesu seinen Widerhall fände, wie das Vatikanum II formuliert (Pastoralkonstitution Gaudium et spes,1).

Den Blick auf Jesus richten

Richten wir unseren Blick auf das Kind in der Krippe! Es blickt uns an und ruft uns zu: Habt Mut! Fürchtet euch nicht. Ihr seid nicht verloren, ihr seid gerettet. Hört, was der Engel des Herrn den Hirten auf dem Feld zu Bethlehem gesagt hat: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine grosse Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; es ist Christus, der Herr (Lk 2,10f.).

So wünsche ich allen frohe Weihnachten und Gottes Segen für das neue Jahr.

Josef Annen
Generalvikar

zuletzt verändert: 22.12.2017 14:40