Säkularisierung: deutscher Theologieprofessor gibt Inputs

Die Kirche erfährt einen gesellschaftlichen Relevanzverlust. So beschreiben es Soziologen. Weniger Gottesdienstbesucher, weniger Kirchenmitglieder, weniger Glauben. Doch was tut die Kirche?
Säkularisierung: deutscher Theologieprofessor gibt Inputs

Hermann Häring (mit weiterem Gast) an der Preisverleihung 2017 der Herbert-Haag-Stiftung in Luzern, Häring wurde 2009 mit dem Preis geehrt. Foto: zvG

Das fragen sich viele Menschen auch im Kanton Zürich, die an zeitgemässer Pfarreiarbeit interessiert sind. Die Allianz «Es reicht!» lädt nun den renommierten Reformtheologen Prof. Hermann Häring aus Tübingen ein, um an einem Nachmittag (Montag, 15. Mai) mit seinen Ideen dem Bedeutungsverlust der Kirchen fundiert etwas entgegenzusetzen. Prof. Hermann wird mit einem Impulsreferat die Fortbildung beginnen. Häring begreift die Säkularisierung, die Entkirchlichung, nicht als Unglauben: «Der Glaube unterliegt einer ganz tiefen Metamorphose, einer starken Wandlung. Bestimmte Modelle und Symbole gelten nicht mehr, aber es kommen neue dazu. Wir müssen das positiv begreifen.»

Seine Kritik an den Kirchen: Bisher haben sie sich nur weg vom Menschen bewegt, trotz vieler Versuche zur Anpassung. „Man konzentriert sich auf sakrale Rituale, die Eucharistie und Frömmigkeit. Das funktioniert aber nicht. Zentrum der Kirche muss die Gesellschaft vor Ort sein. Die religiöse Leidenschaft müssen wir auf die Welt richten, die Gemeinden müssen beim Menschen ihre Heimat finden.“ Vor allem die in den Pfarreien tätigen Personen sollten sich immer wieder neu fragen: Wo engagieren sie sich? Wo erhöhe ich meine gesellschaftliche Relevanz? Welche Tätigkeitsfelder nehmen wir auf, welche Prioritäten setzen wir? Dann, so ist der Professor überzeugt, würden die Kirchen auch wieder wahrgenommen werden.

Kirchliche Hierarchien in Frage stellen

Wichtig ist für Prof. Häring auch, den Blick weg von den kirchlichen Hierarchien zu wenden. „Das rettet uns vor dem immer vorhandenen schlechten Gewissen. Wir müssen lernen, einen radikalen Schnitt zu machen, die Freiheit in den Pfarreien und Kirchgemeinden wahrnehmen. Der Vorschuss des Vertrauens, den die Kirche in den letzten 50 Jahren hatte, ist erschöpft.“

Zur Veranstaltung:

Glaube in einer säkularisierten Epoche. Über die Möglichkeiten einer Gemeinde, sich selbst zu gestalten.

Offener Impulsnachmittag der Allianz "Es reicht!" mit Prof. Dr. Hermann Häring, Tübingen in Zürich, am Montag, 15. Mai 2017, 13.30 Uhr bis 17.20 Uhr, Pfarrei Bruder Klaus Zürich

Zielgruppe: Für alle, die an zeitgemässer Pfarreiarbeit interessiert sind. Kosten 40 Franken

Weitere Informationen hier

zuletzt verändert: 11.05.2017 14:53