Glaube ist mehr als Kaffeesatzlesen

Ohne vorbereitete Referate diskutieren im Café Merz in Chur regelmässig Expertinnen und Experten offen mit dem Publikum über verschiedenste wissenschaftliche Themen. Die erste – jeweils von der Theologischen Hochschule organisierte - Kaffeerunde dieses Jahres widmete sich am 3. März dem Thema „Glauben heisst nichts wissen…!?“ Mit dabei war auch der Churer Theologie-Professor Hanspeter Schmitt. Hier sein Rückblick.
Glaube ist mehr als Kaffeesatzlesen

Foto: Claude Bachmann

Volles Haus beim Wissenschaftscafé der THC

Glauben heisst nichts wissen…!?“ lautete das Thema und 120 Interessierte füllten den grossen Saal des Churer Cafés B12. Zugkräftig waren auch die hochkarätigen Fachleute des Abends. Unter versierter Moderation von Norbert Bischofberger vom SRF debattierten sie auf anspruchsvollem Niveau zu einer Frage, die gerade heute Zeitgenossen bewegt. So betonte die Philosophin Susanne Brauer (Studienleiterin der Paulus Akademie für den Bereich Medizin und Ethik) gleich zu Beginn, dass sie keinen fundamentalen Gegensatz zwischen beiden Erfahrungen sehe: im Wissen stecke auch immer Vertrauen darauf und Vertrauen käme umgekehrt ohne Wissen nicht aus.

Der bekannte Naturphilosoph Hans-Dieter Mutschler hielt dagegen, dass Physik und Wissenschaft sehr wohl ohne Gott zurechtkämen – und dies auch müssten. Gleichwohl sei Glauben ein wesentlicher Vollzug des Menschseins. Laura Baudis hingegen, Zürcher Professorin für Physik, legte für sich wert darauf, ganz gut ohne Glauben auszukommen: im Zweifels- und Ernstfall verliessen wir uns doch lieber auf evident erforschte Gesetzmässigkeiten als auf vage persönliche Annahmen. Fulvio Gamba, Dozent an der THC und Diakon in der Pfarrei Egg, legte seine Spur anders: Selbstverständlich ginge es in Glaubensdingen nicht ohne Wissen und Theorie. Aber Gott – verstanden als unbedingtes Geheimnis – sei mehr und umfassender als Bilder, die wir uns von ihm machen.

Das Publikum war an diesem Disput äusserst rege beteiligt. Die Nachfragen bewegten sich zwischen Evolution, Urknalltheorie, Bibel und Sinn des Lebens; aber auch persönliche Erfahrungen mit Glauben und Wissen kamen zur Sprache. Alles in allem ein spannender Abend zu einem uralten Menschheitsthema, das die Gemüter offenbar nach wie vor bewegen kann.

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Die nächste Veranstaltung findet am 7. April statt. Thema: Mein Handy und ich – Fluch oder Segen?

zuletzt verändert: 09.03.2016 10:26