Gemeinsame Verehrung für die Zürcher Stadtheiligen

Zehn orthodoxe Kirchen der Region Zürich luden am Fest der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula und ihrem Gefährten Exuperantius zur Prozession und zum Abendgebet im Grossmünster ein. Die Feier von orthodoxen, katholischen, reformierten und christkatholischen Christen war ein eindrückliches Bekenntnis zur Ökumene.
Gemeinsame Verehrung für die Zürcher Stadtheiligen

Foto: Viviane Schwizer

Als Felix und Regula zu Beginn des 4. Jahrhunderts an der Limmat aus Überzeugung für ihren Glauben ihr Leben liessen, gab es noch keine Unterschiede und Trennungen zwischen den Christen. Die Aufteilungen kamen erst später. Der Arbeitsgemeinschaft orthodoxer Kirchen (AGOK) ist es aber wichtig, die alte Einheit wieder zu bekräftigen. Bereits am 11. September 2003 luden darum zehn orthodoxe Kirchen verschiedener Traditionen erstmals in die Wasserkirche ein, um dem Martyrium der aus Ägypten stammenden Heiligen am Ort der Hinrichtung gemeinsam zu gedenken.

Besinnliche Prozession

Die Feier vor zwölf Jahren ist zur Tradition geworden. Am Sonntag nach dem Patrozinium der Stadtheiligen am 11. September führte auch in diesem Jahr eine Prozession durch die Zürcher Innenstadt. Beim Fraumünster versammelten sich kurz nach 17 Uhr nicht nur Griechen und Russen, Kopten und Armenier, Serben und Syrisch-Orthodoxe, Äthiopier, Rumänen, Eritreer und Indische Orthodoxe, sondern auch westlich geprägte Christen. Unter ihnen waren Reformierte, Christkatholiken und Katholiken: Dabei war auch die katholische Theologin Gertrud Würmli, Gemeindeleiterin der Zürcher Pfarrei St. Felix und Regula, welche die Reliquien der Stadtheiligen mit sich trug.
Singend begab sich die religiöse Gemeinschaft dann mit ihren Heiligenbildern, Weihrauchfässern und Kreuzen zur Wasserkirche, wo Felix und Regula der Legende nach geköpft wurden, und später zum gemeinsamen Abendgebet ins Grossmünster. Der ungewöhnliche Zug wurde von vielen teilweise irritierten Zaungästen bestaunt, da für sie diese Art des religiösen Bekenntnisses fremd war.   

Gemeinsam bitten und beten

Zu den verschiedenen orthodoxen und orientalischen Gemeinschaften im Grossmünster gehörten viele, die schon seit Jahrzehnten in Zürich und Umgebung wohnen: Andere sind erst seit kurzem als Flüchtlinge, Studenten und Fremdarbeiter angereist. Eindringlich sprachen die Priester und Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften die Lesungen und Gebete in ihren Landessprachen. Besonders verbunden zeigte sich der koptische Priestermönch Isodoros Anba Samuel den beiden Heiligen Felix und Regula, da sie aus seiner Heimat Ägypten stammten. Die Predigt hielt der armenische Priester Shnork Yenovk Tchekidjian, der in seiner Predigt auf den Genozid vor 100 Jahren an den Armeniern einging. Eher im Hintergrund stand Hans Rahm, ein katholischer Theologe, der 13 Jahre in Kairo lebte: Er verfasste die 33seitige Broschüre für die Liturgie, die den vorwiegend fremdsprachlichen Gottesdienst verständlicher machte.

Gertrud Würmli, Gemeindeleiterin, bei der Vesper. 

Felix und Regula als Vorbilder

Christoph Sigrist, reformierter Pfarrer im Grossmünster, sprach ebenfalls zu den Gläubigen: Das Grossmünster sei nicht nur die Mutterkirche der schweizerischen Reformation, sondern auch die Kirche der Stadtheiligen von Felix und Regula, den wichtigsten Patroninnen und Patronen der orthodoxen Gemeinden und Kirchen. Er freue sich deshalb, dass die Orthodoxen der Stadt das Grossmünster an diesem Abend als besondere Heimat erleben könnten. Auch für die katholische Theologin Gertrud Würmli, bereits seit zehn Jahren an der alljährlichen Feier im Grossmünster dabei, war die Feier erneut eine Bereicherung: Die längst verstorbenen Heiligen wurden verfolgt, hielten aber dennoch an ihrem Glauben fest. Das standhafte Bekenntnis der beiden Stadtheiligen zu Jesus Christus ist für Gertrud Würmli vorbildlich. 

Nach der zweistündigen Feier im Grossmünster, die mit der Reliquienverehrung und Tanz zu Ende ging, luden die Orthodoxen alle zum Apéro vor der Wasserkirche ein. Dem feierlichen Gottesdienst folgte die gastfreundliche Einladung zum geselligen Zusammensein, der viele gerne Folge leisteten.  

Text und Fotos: Viviane Schwizer

zuletzt verändert: 14.09.2015 11:37
Schlagwörter: |