Fronleichnamsprozession im Kloster Fahr

Gott ist im Alltag auf all unseren Wegen gegenwärtig: Die Nonnen im Kloster Fahr unterstrichen diese religiös-spirituelle Botschaft an Fronleichnam mit Gebeten, Gesängen und Ritualen. Besonders eindrücklich waren die Prozession durch den Kräutergarten sowie die Festpredigt von Pater Martin Werlen.
Fronleichnamsprozession im Kloster Fahr

Gemeinsam durch den Klostergarten. Bild: Viviane Schwizer

Zugegeben: Die Verehrung des vrône lîcham, mittelhochdeutsch für den «Leib des Herrn», ist nicht gerade eine ultramoderne Form von Religiosität. Doch die Nonnen vom Kloster Fahr zeigten an Fronleichnam auch eine andere Facette des Festes: Als die Benediktinerinnen nach der Messe in der Klosterkirche bedächtig ins Freie zur Prozession aufbrachen, zusammen mit den Gästen dem Kräutergarten entlang schritten, um dann wieder singend und betend zum Gotteshaus zurückzukehren, wurde vielen klar: Das Fest, jeweils zehn Tage nach Pfingsten gefeiert, hat nicht nur mit der hoch verehrten Eucharistie zu tun. Von Bedeutung ist auch der miteinander beschrittene Weg, von dem gläubige Menschen sagen können: Wir gehen ihn nicht alleine, Gott ist mit uns unterwegs, immer und überall, auf all unseren Wegen und manchmal auf sehr schmalen Pfaden. Für Priorin Irene Gassmann ist Fronleichnam darum ein Fest mit Tiefgang. Am Festtag mitten in der Woche wird für sie besonders deutlich, «dass Gott mitten im Alltag mit seiner Gegenwart immer wieder überraschen und unerwartete Freude schenken will». Gerne gibt sie aber auch zu: «Fronleichnam weckt bei mir Erinnerungen an die Kindheit: Wir trugen die Tracht, die Musik spielte, die Monstranz wurde mitgetragen - das gelebte religiöse Brauchtum gefiel mir sehr».  

«Katholiken verlassen die Kirche» 

Die Predigt an Fronleichnam im Fahr hielt Pater Martin Werlen: Der frühere Abt von Einsiedeln ist dem Kloster sehr verbunden. Er wird nicht nur wegen seiner prägnanten Predigten überall geschätzt. So war es auch im Festgottesdienst im Limmattal. Er zitierte zuerst ein Schlagwort, das immer wieder zu hören sei: «Katholiken verlassen die Kirche». Auf der Suche nach den Gründen dafür nannte der Pater gleich selber einige Vorwürfe: Die Kirche drehe sich nur um sich selbst, sie lebe die verkündete Botschaft zu wenig, sie kümmere sich zu wenig um die Not der Menschen. Schlagzeilen gäbe es viele, auch im Wallis, sagt der im Goms aufgewachsene Pater, feinsinnig auf das derzeitige Tagesthema anspielend, worauf ein Raunen durch die Kirche ging. Gläubige sollten die Schlagzeile «Katholiken verlassen die Kirche» aber positiv erweitern zu: «Katholiken verlassen die Kirche zur Fronleichnamsprozession». Es sei Aufgabe der Katholiken, die Kirche zu verlassen und mit Christus in die Welt hinauszugehen, um beflügelt vom Feuer des Glaubens, die frohe Botschaft zu erzählen und überall dort tatkräftig zu helfen, wo Menschen Not leiden würden. Zum Schluss seiner Predigt zitierte er Auszüge aus dem Tarzisiuslied, das die im Jahr 2011 verstorbene Silja Walter, Nonne im Kloster Fahr, schrieb: «Ich trage dich, Christus, trage dich, Brot in die Stadt. Du weißt, dass sie krank ist und Hunger hat...»

Die Vision vor 800 Jahren

Die Anregung zu der Schaffung dieses Festes geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich, einer Augustinerchorfrau, im Jahr 1209 zurück. Ihr ist laut Überlieferung von Christus persönlich offenbart worden, dass im Kirchenjahr ein «Altarsakrament» fehle. Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie wurde dann erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert. Im Jahr 1264 wurde es dann von Papst Urban IV. durch die Bulle «Transiturus de hoc mundo» zum Fest der Gesamtkirche erhoben.

Text und Fotos: Viviane Schwizer

zuletzt verändert: 04.06.2015 15:40
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