Flüchtlinge zunehmend in Pfarreien integriert

Der kantonale Seelsorgerat, das Beratungsgremium des Generalvikars, befasst sich mit der Situation von Flüchtlingen im Kanton Zürich und den Angeboten für sie in den Pfarreien.
Flüchtlinge zunehmend in Pfarreien integriert

Priska Alldis ist Fachfrau bei der Caritas für Flüchtlingsfragen. Foto: Arnold Landtwing

„In der November-Sitzung des Seesorgerates war es nicht denkbar, dass sich die damals schon schlimme Flüchtlingssituation noch weiter zuspitzen könnte. Genau das ist jedoch passiert“ leitete Albertina Kaufmann, die Präsidentin des Seelsorgerats das Plenum ein. Nach kurzen Berichten aus allen Kommissionen referierte Priska Alldis von der anfangs Jahr von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich geschaffenen Stelle für Flüchtlinge der Caritas Zürich. Alldis ist eine ausgewiesene Fachfrau für Migration und Integration wirkte sie zuvor als Integrationsbeauftragte der Stadt Dietikon.

Wenn Priska Alldis von der Flüchtlingssituation spricht, hat sie auch einen persönlichen Bezug dazu, denn sie ist mit einem Syrer verheiratet. Seine Familie lebt in halb Europa verstreut unter verschiedensten Bedingungen. Mit einem Blick auf die Schweiz stellt sie fest, dass das Asylsystem in der Schweiz überlastet ist. Die Prognose von 29‘000 Gesuchen für das Jahr 2015 wurde deutlich übertroffen. Mit 39‘523 Gesuchen ist das eine Zunahme um 66,3% gegenüber dem Vorjahr. Vieles deutet bereits darauf hin, dass vermutlich mehr Flüchtlinge wieder über Italien kommen werden, sollte die Balkanroute geschlossen werden. In Albanien organisieren sich bereits Schlepperbanden. Anhand konkreter Schicksale zeigte sie auf, welche Flüchtlinge mit Asyl rechnen dürfen und wer nur vorläufig aufgenommen wird.

Eine Frage – drei Stellen – drei Auskünfte

Die Arbeit im Flüchtlings- und Asylbereich wird erschwert, wenn auf Anfrage als Fachstelle an drei verschiedene Stellen drei unterschiedliche Auskünfte erfolgen. Selbst Priska Alldis als Fachfrau stellt auf der Ebene der Verantwortungsträger und  involvierten Stellen eine manchmal gereizte Tonalität fest, welche sie auch auf die Überlastung zurückführt. Ein grosses Problem für die Gemeinden stellt das Lösen der Wohnsituation für anerkannte Flüchtlinge dar: „Deshalb ist es wichtig, dass die konkrete Gemeinde um Wohnungen weiss, die in einer Pfarrei zur Verfügung gestellt werden.“ Es habe viele Menschen, die helfen wollen, das sei nach wie vor der Fall. Was es dringend brauche, sei eine Person, welche die Fäden in der Hand habe und koordiniere. „Dies kann nicht in jedem Fall ehrenamtlich geschehen, weil es sehr zeitintensiv ist“, warnte Priska Alldis vor zu viel Euphorie. Wichtig seien kleine Unterstützungen im Alltag, Hilfe beim Einkaufen, Ausfüllen von Formularen, persönliche Gespräche und begleitende Einführung in örtliche Gepflogenheiten.

Pfarreien leisten praktische Integrationshilfe

In zahlreichen Pfarreien gibt es unterschiedlichste Angebote für Flüchtlinge. Als ganz wertvoll nimmt die Fachfrau etwa Mittagstische und gemeinsames Essen in Pfarreien wahr, vor allem, wenn Einheimische mit dabei sind.

Ein Beispiel mit erweitertem Horizont ist Küsnacht: Hier findet einmal pro Woche das Café international statt. Dieses ist offen für alle und nicht auf Flüchtlinge eingegrenzt. Dadurch ergeben sich viele neue Kontakte. Ein pensionierter Lehrer unterrichtet Deutsch und – was ganz wichtig ist - die Kinder sind betreut. In persönlichen Gesprächen werden oftmals auch praktische Probleme gelöst, etwa die Aufregung um den Einzahlungsschein. Eine Frau, brachte einen Brief mit Einzahlungsschein in die Runde und war ganz aufgeregt: sie wusste nicht, wofür sie bezahlen muss, weil sie nirgendwo etwas bestellt hatte. Ein geübter Blick genügte, um die Post als Werbung zu erkennen und die Frau zu beruhigen.

Was in den Asylunterkünften derzeit nur noch punktuell benötigt wird, sind Kleider und Schuhe. Die Fachfrau empfiehlt, vor dem Start einer Aktion mit dem Zentrum Kontakt aufzunehmen und abzuklären, was es genau braucht.

Ziel: Aufbau einer Vernetzungs- und Austauschplattform

Priska Alldis beabsichtigt, eine Vernetzungs- und Austauschplattform aufzubauen, damit Pfarreien und Kirchgemeinden gegenseitig voneinander profitieren können und wissen, was wo läuft. Dazu ruft sie auf, konkrete Projekte und Anlässe ihr zu melden. Sie steht auch gerne zur Verfügung, um in den einzelnen Pfarreien vorbeizugehen und vor Ort beratend Unterstützung zu leisten.

 

Kontaktkoordinaten:

http://www.caritas-zuerich.ch/p53002794.html

Caritas Zürich, Fachstelle Flüchtlinge
Priska Alldis
Mail: p.alldis@caritas-zuerich.ch
Telefon 044 366 68 09

 

 

 

zuletzt verändert: 10.03.2016 12:23