Ökumenische Verpflichtungen

Eva-Maria Faber (THC Chur) fordert Schritte
Ökumenische Verpflichtungen

Kommunion. Foto: Christian Breitschmid

Von Eva Maria Faber

Jede Feier der Eucharistie ist defizitär, solange die Konfessionen getrennt sind. Sie ist nicht, was sie sein sollte: Zeichen der Einheit aller Gläubigen in der gemeinsamen Teilhabe an Jesus Christus. Das Drängen nach gemeinsamen Feiern ist deswegen verständlich. Doch lassen sich Schritte der Erneuerung nicht überspringen.

Die traditionell zwischen Katholiken und Reformierten kontroversen eucharistietheologischen Fragen betreffen das Verständnis der Eucharistie als Opfer und die Gegenwart Jesu Christi im Herrenmahl. Ökumenische Dialoge auf internationaler Ebene haben hier weitreichende Konvergenzen erarbeitet. Gemeinsam verstehen die Kirchen die Eucharistie als vergegenwärtigendes Gedächtnis des Heilsgeschehens, besonders der Selbsthingabe Jesu für uns bis zum Tod. Das Opfer Jesu Christi wird somit nicht wiederholt oder ergänzt. Die ökumenischen Partner anerkennen gegenseitig ihren Glauben an die reale Gegenwart Jesu Christi im Herrenmahl. Unterschiedlich bleibt das Verständnis der Art dieser Gegenwart und ihrer Vermittlung durch Brot und Wein.

Die erreichten Übereinstimmungen bleiben fragil. Sie gelten unter der Voraussetzung, dass die Kirchen sich verbindlich an den im Dialog formulierten Positionen ausrichten. Hier gibt es – auch für die Schweizer Kirchen – manchen Erneuerungsbedarf. Die selbstkritischen Erwägungen des SEK in der Schrift „Das Abendmahl in evangelischer Perspektive“ z.B. betr. liturgischer Disziplin und ehrfurchtsvollem Umgang mit den Abendmahlsgestalten, sind hier vorbildlich (30-35). Die katholische Seite muss sich nach ihrem ehrfurchtsvollen Umgang mit dem Stiftungswort Jesu befragen lassen (Kommunion unter beiderlei Gestalten von den in der Feier dargebrachten Gaben). Manche Texte der katholischen Liturgie sind hinsichtlich der Opferthematik immer noch problematisch.

Letztlich geht es um die Vergewisserung, ob unsere Deutungen des Herrenmahles so übereinstimmen, dass wir aufrichtig gemeinsam feiern können. Im atmosphärischen Bereich schlummern diesbezüglich in beiden Kirchen noch Vorbehalte und Misstrauen gegen Lehre und Praxis der anderen Kirche. Es gibt starke Ungleichzeitigkeiten von ökumenisch verantwortlicher Praxis und abgrenzendem, manchmal provokativ antiökumenischem Verhalten.

Abgesehen von den genannten eucharistietheologischen Fragen ist die Eucharistie nach katholischem Verständnis nicht von weiteren Kontexten ablösbar. Es geht auch um die Verhältnisbestimmung von Eucharistie und Taufe bzw. Amt sowie von Eucharistie- und Kirchengemeinschaft. Wird für die Teilnahme an der Eucharistie die Taufe vorausgesetzt? Welchen Stellenwert hat die Eucharistie im kirchlichen Leben? Welches Amtsverständnis, welche Kultur amtlicher Beauftragung wird gepflegt? Der Zusammenhang von Eucharistie- und Kirchengemeinschaft ist nicht nur ein theologisches Ideal, sondern hat praktisch gesehen auch mit ökumenischer Verbindlichkeit zu tun. Ist das eigene ökumenische Handeln gedeckt durch die Kirche, deren Repräsentant(in) jemand ist? Wie verhalten sich verschiedene ökumenische Beziehungen der eigenen Kirche (im Dialog mit Reformierten und Orthodoxen usw.) zueinander?

Erwartet werden muss, dass auf kirchenleitender Ebene konkrete Schritte erfolgen. Blosses Verharren verschliesst sich verhängnisvoll der ökumenischen Verpflichtung.

Eva-Maria Faber ist Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie und Rektorin der Theologischen Hochschule Chur.

www.thchur.ch

zuletzt verändert: 19.07.2013 10:39
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