Vic Eugster engagiert sich: "Esel tragen Hoffnung"

In der Bibel hat er grosse Auftritte und aus dem Leben Jesu ist er nicht wegzudenken: Der Esel. Angefangen bei der Krippe in Bethlehem, als Begleiter der heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten und als Reittier, das Jesus nach Jerusalem trug. Esel sind immer Träger von Lasten, aber auch von Hoffnungen. Das ist an vielen Orten der Welt noch heute so, etwa in Äthiopien. Vic Eugster erzählt, wie er mit Eseln den Ärmsten neue Hoffnung schenkt. Eine Geschenkidee nicht nur für Weihnachten.
Vic Eugster engagiert sich: "Esel tragen Hoffnung"

Vic Eugster und sein Esel

Sie sind Esel und heissen Alex, Vic und Guido, gleich wie damals das bekannte Trio Eugster. Mit Augenzwinkern erzählt Vic Eugster, wie es dazu kam, dass in Äthiopien drei Namensvetter unterwegs sind – und dass es alles andere als Zufall war, dass sein Restaurant damals „Asinello“ hiess. Heute noch erzählt er mit liebevoller Begeisterung von seinen Eseln: „Ein Esel ist das beste Tier, das es gibt. Er ist so was von lieblich und beruhigend.“ Und er berichtet vom Markt in Lalibela, wo das Tier eine enorm wichtige Bedeutung hat: „In Äthiopien kann man den Menschen Häuser bauen – aber ohne Esel geht gar nichts.“

Vic Eugster auf dem Markt in Lalibela: Überall Esel

Vic Eugster ist seit einem Jahr Vize-Präsident der Sozialwerke Stiftung Peter Bachmann, die seit Jahrzehnten in verschiedenen Ländern Afrikas, in Indien und Sri Lanka Hilfe zur Selbsthilfe anbietet und so ärmsten Bevölkerungsschichten eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglicht. Die Esel sind eines von zur Zeit mehr als 100 Projekten. Auf die Frage, warum er sich für diese Stiftung engagiert, antwortet er schnell und klar: „Pfarrer Peter Bachmann hat einen Stiftungsrat gesucht und ich hatte das Gefühl, als Autor von „Läck du mir am Tschöpli“ (ein sehr erfolgreicher Schlager des Trio Eugster Red.) kann ich gegen Ende des Lebens auch noch etwas Sinnvolles machen.“ Dieser Einsatz hat auch das Interesse des BLICK geweckt, der in einem grossen Artikel darüber berichtet hat.

Aus dem einen biblischen Esel werden mehr als 2000

Wie oft er sich am Esel an der Krippe gefreut oder über ihn gepredigt hat, weiss der ehemalige Dekan und Pfarrer Peter Bachmann nicht mehr. Hingegen erinnert er sich sehr genau daran, wie aus einer persönlichen Begegnung mehr als 2000 Esel wurden.

Am Anfang stand die Aktion von Firmlingen, die sich für ein Eselprojekt in Eritrea eingesetzt und Geld dafür gesammelt haben. Als die Jugendlichen einen beträchtlichen Geldbetrag beisammen hatten, stellte der Projektträger seine Tätigkeit ein. Bei einem persönlichen Treffen erzählte der Ortspfarrer seinem Amtskollegen Peter Bachmann von diesem Problem und suchte nach einem neuen Eselsprojekt, um die gesammelten Spenden dem richtigen Zweck zukommen zu lassen.

Wieder Zuhause, kramte Peter Bachmann in seinen Unterlagen und ordnete Fotos der letzten Reise: Mädchen und Frauen, die schwere Wasserbehälter über Kilometer weit schleppten, riesige Holzbündel oder Steine trugen.

Kinder tragen schwere Lasten

Oft hatte er sich gefragt, wie er mit seiner Stiftung diese Frauen und Mädchen entlasten könnte. Der Anstoss der Firmlinge aus einer Pfarrei kam ihm wie gerufen – und er begann, ein Eselsprojekt aufzuziehen. Ein einziger Esel in der Familie hat grosse Auswirkungen: So können die Mädchen etwa zur Schule gehen statt dass sie Wasser und Brennholz schleppen müssen und als Nebeneffekt wird auch die Gesundheit der Mädchen und Frauen geschützt.

Junge Frau in Äthiopien trägt tägliche Holzlast

Von Eseln und Eseln

Das Telefon klingelt, ein Bekannter meldet sich: „Herr Pfarrer, wir feiern morgen Hochzeitstag. Ich habe noch kein Geschenk, ich möchte meiner Frau einen Esel schenken.“ Mit Schalk antwortet Peter Bachmann: „Sie hat schon einen Esel“, worauf das Gegenüber schlagfertig antwortet: „In dem Fall finanziere ich gleich zwei.“

So sorgte das Projekt für lustige Begegnungen, Kontakte und immer wieder für Esel. Vor einigen Jahren hat die Pfarrei Bülach mit einer grossangelegten Aktion das Projekt richtig ins Rollen gebracht: Ein ganzes Jahr lang wurde der Erlös von allen möglichen Anlässen zusammengetragen. Beinahe 400 Esel konnten so in Äthiopien an Bedürftige vermittelt werden. „Damit ein Projekt zu florieren beginnt“ weiss Peter Bachmann aus langjähriger Erfahrung, „braucht es Persönlichkeiten, welche die Sache mit den Eseln zu ihrer eigenen machen und überzeugend hinstehen.“

Menschen mit Behinderung bastelten für das Eselsprojekt eine Spendenkasse

Die Kapuziner als Netzwerk vor Ort

Vor Ort in Äthiopien hat Peter Bachmann ein wichtiges Netzwerk aufgezogen, in dem die Kapuziner eine entscheidende Rolle spielen. Sie leben mit den Menschen zusammen und kennen deren Situation bestens. „Sie sind ganz nah bei den Armen und gut vernetzt. Von ihnen konnte ich erwarten, dass sie vertrauenswürdig sind, die Situation kennen und nicht für sich Provisionen einstreichen“ erzählt er.

„Die Kapuziner gehen zur Leitung eines Kebele (einer kleinen Verwaltungseinheit, entspricht in etwa der Sozialkommission in einer Gemeinde). Die Verantwortlichen des Kebele kennen die Ärmsten und schlagen Namen vor. Die Esel werden aber nicht einfach verschenkt. Die Familien müssen so viel Geld auftreiben, damit das Tier gefüttert werden kann und sich in einem Vertrag verpflichten, den Esel anständig zu behandeln. Die Verantwortlichen vor Ort müssen der Stiftung detailliert Abrechnungen vorlegen und Rechenschaft geben.“

Minimaler Verwaltungsaufwand

Das Netzwerk ist so ausgelegt, dass mittlerweile in ganz Äthiopien solche Netzwerke bestehen, ungeachtet der Stammes- oder Religionszugehörigkeit. Sie ermitteln den Bedarf und leisten die Vernetzungsarbeit. Im vergangenen Jahr konnten so Projekte im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich im Umfang von 1,2 Mio. Franken unterstützt werden. Eine einzelne Spende bringt ein ganzes Netzwerk zum Laufen. Kein Franken geht unterwegs verloren. Mit 50 Rappen Verwaltungsaufwand auf eine Spende von CHF 100 sind auch die Verwaltungskosten minimal.

Esel kann man immer verschenken, sei es zur Weihnacht, bei einem speziellen Geburtstag oder sonst einem Anlass. Denn, „Läck du mir am Tschöpli“, jeder Esel, der irgendwo in Äthiopien an einer Krippe steht, trägt ein neues Stück Hoffnung.

 

Informationen zur Stiftung:

Ein Hengst kostet 150 Franken, eine Stute 200. Wer für das Eselprojekt spenden will, findet hier die Angaben zur Überweisung. Bitte Vermerk „Eselsprojekt“: https://relaunch1.bachmann-foundation.org/2016/02/04/spenden-2/

Informationen zur Stiftung Sozialwerke Peter Bachmann gibt es unter folgendem Link: https://relaunch1.bachmann-foundation.org/2016/01/11/home-de/

zuletzt verändert: 14.12.2016 14:08