Wallfahrt: Einsiedeln fest in Zürcher Hand

Pilgern ist aktuell und beliebt: seit Jahren machen sich anfangs Juli hunderte Katholiken aus dem Kanton Zürich auf den Weg nach Einsiedeln. Höhepunkt und Zentrum ist der Wallfahrtsgottesdienst in der Klosterkirche.
Wallfahrt: Einsiedeln fest in Zürcher Hand

Foto: Arnold Landtwing

Fotos von Christian Murer, Arnold Landtwing und Marie-Christine Schindler auf Flickr

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Gut 800 Gläubige aller Generationen nahmen ab dem frühen Morgen eine der vielen Pilgerrouten unter die Füsse. Organisiert und durchgeführt wurde diese Wallfahrt durch den kantonalen Seelsorgerat. Am Mittag strömten von allen Seiten die Gruppen nach Einsiedeln und brachten eine freudige und fröhliche Stimmung ins Klosterdorf. Wer sich für eine herausfordernde Route entschieden hatte, kam per Velo oder über den Etzel, Jugendliche wanderten zu Fuss über den Chatzenstrick, Familien mit Kindern und Senioren genossen den ebenen Weg von Trachslau her.

Der Gottesdienst in der bis auf den letzten Platz gefüllten Klosterkirche war Höhepunkt und Zentrum der Wallfahrt. Stellvertretend für viele legten zwei Frauen ein persönliches Glaubenszeugnis ab und erzählten, wie sie in der Kirche unterwegs sind. In seiner Predigt nahm Generalvikar Josef Annen diese Gedanken auf.
Hier seine Predigt im Wortlaut:

„Liebe Kinder und Jugendliche,
lieber Schwestern und Brüder im Glauben,

auf vielen Wegen – im Glauben verbunden.
Amanda Ehrler und Nadja Kurmann haben uns soeben mit ihrem persönlichen Zeugnis gezeigt, wie wahr das Motto unserer Wallfahrt ist:
Amanda Ehrler schaut auf einen langen Lebens- und Glaubensweg zurück:
Jahrelang war sie als Pastoralassistentin tätig, noch heute engagiert sie sich im katholischen Frauenbund.
Was hält sie als Frau in der Kirche?
Jesus selbst ist ihr Weg, gibt ihr Kraft, lässt sie weitergehen – in der Gemeinschaft der Kirche. Einer Kirche, die der Frau noch viel schuldet -  viel Raum und Platz in ihrer Mitte.

Ganz wo anders steht Nadja Kurmann.
Sie erzählt von guten Erfahrungen als Ministrantin, engagiert sich heute in Jungwacht und Blauring – aber mit dem Gottesdienst, der Liturgie haben auch im Blauring engagierte junge Leute Mühe.

Wir könnten diese zwei Beispiele von Menschen, die heute mit uns im Glauben unterwegs sind und an ganz verschiedenen Orten stehen, ohne weiteres vermehren:
Letztlich steht jeder, steht eine jede von uns im Glauben an seinem ureigenen Ort.
Wie viele unter uns könnten von tiefen und prägenden Erfahrungen im Glauben erzählen? Wie viele von Enttäuschungen, Verletzungen, Abbrüchen und Neuanfängen?

Ja, was ist es denn, was uns im Glauben verbindet? Was bewegt uns, heute den Weg nach Einsieden zu machen?
Was führt uns hier zusammen?

Lasst mich diese Frage mit dem Beispiel vom brennenden Dornbusch beantworten:
Wir kennen die Geschichte:
Mose steht vor dem brennenden Dornbusch. Eine Stimme sagt ihm: Zieh deine Schuhe aus, hier ist heiliger Boden.

Ist nicht jeder Mensch ein brennender Dornbusch? Ist nicht jeder Mensch ein heiliger Ort, wo  ich mich verneige und – im Bilde gesprochen - meine Schuhe auszuziehen habe?
In jedem  Menschen brennt das Feuer der göttlichen Liebe, ist ein Funke Sehnsucht nach Unendlichkeit.
Gott ist mit einem jeden Menschen unterwegs und glaubt an ihn.

So sind nicht wir es, die zuerst an Gott glauben – es ist umgekehrt:
Gott glaubt an uns. Und weil er zu uns steht und an uns glaubt, darum können wir sagen: Ich glaube.
Ich glaube an Gott, weil Gott an mich glaubt.

Das ist es, was uns im Glauben verbindet, was uns als Kirche  zusammenhält, auch wenn wir auf unseren Wegen an ganz verschiedenen Orten stehen mögen: Dass Gott an uns glaubt.
Er hat das Feuer seiner Liebe in uns gelegt hat. Dieses Feuer ist wie der Dornbusch, der nicht verbrennt.

Das ist das Eine. Und das Zweite ist dies: Gott  schenkt  uns mit dem Leben ganz bestimmte Fähigkeiten und Talente. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Und einem jeden teilt Gott seine besondere Gabe zu, wie er will,
schreibt Paulus im Brief an die Korinther.

An uns ist es, diese Gaben und Fähigkeiten, die wir ganz persönlich ins Leben mitbekommen haben, zu erkennen und sie in den Dienst des Reiches Gottes und seiner Kirche zu stellen – als Frau in der Kirche, als Engagierte in Jungwacht und Blauring, in Familie und Beruf, in Gesellschaft und Politik.

Liebe Schwestern und Brüder, Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, sagt Jesus im Evangelium nach Johannes.
Das ist gewiss ein grosses Wort. Sagt es uns nicht:  Gott liebt uns wie seinen eigenen Sohn? Ist das nicht unsere Herrlichkeit und Schönheit, die Schönheit unseres Glaubens? Die Herrlichkeit der Kirche?
Dass Gott  zu uns steht, wo immer wir auch stehen?
Und dass es verschiedene Gaben gibt, aber nur dein einen Geist?

Feiern wir nun voll Dankbarkeit die Herrlichkeit und Schönheit unseres Glaubens.
Bleiben wir auf vielen Wegen im Glauben verbunden.
Amen.“

Der schlichte und doch festlich gestaltete Gottesdienst war von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mitgestaltet. Ein stimmgewaltiger Ad-Hoc Chor und brausendes Orgelspiel sorgten für einen feierlichen Rahmen. Anschliessend genossen die Wallfahrenden das gemütliche Zusammensein im Abteihof, wo sie bei Speis und Trank neue körperliche Kräfte tankten. Mit einem Konzert Südamerikanischer Barockmusik klang der Tag im grossen Saal des Klosters aus.

Die diesjährige kantonale Wallfahrt setzte ein besonderes Zeichen, dass die Feier der Liturgie die Gläubigen mit all ihren unterschiedlichen Erwartungen verbinden kann und das Markenzeichen des Heiligen Geistes nicht Einfalt, sondern Vielfalt ist.

zuletzt verändert: 08.07.2014 13:07