Ein spezieller "Abschied" von der Kirche in Horgen

Die katholische Kirche in Horgen steht vor der Renovierung und wurde auf die Bauarbeiten mit einem „Profanierungs-Gottesdienst“ vorbereitet.
Ein spezieller "Abschied" von der Kirche in Horgen

Feierlicher Gottesdienst zur Profanierung. Foto: Viviane Schwizer

«Profanierung»: Dieses ungebräuchliche Wort kannten vor dem Gottesdienst am 17. Juli in Horgen wohl nur die wenigsten Katholikinnen und Katholiken. Es bedeutet, dass ein Sakralraum für immer oder für eine gewisse Zeit entweiht wird, z.B. wenn Bauarbeiten anstehen. Dies ist nun in Horgen der Fall: Die Erneuerung der Kirche St. Josef steht nach 38 Jahren bevor, im Frühjahr 2017 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Kirchgemeindeversammlung hatte im März 2016 dem Bauprojekt «Benvenuto» für rund 3,4 Mio. Franken zugestimmt. Eingebracht hatte es ein Zürcher Architekturbüro unter Leitung von Miroslav Sik.

Symbolträchtige Handlungen

Die «Entweihung» führte im Gottesdienst mit rund 300 Mitfeiernden Pfarrer Adrian Lüchinger durch, beauftragt dazu von Bischof Vitus Huonder. Die Reliquien wurden zuerst aus dem Altar gehoben: In Horgen sind dies kleine Teile der Gebeine von Bruder Klaus, des heilig gesprochenen Schutzpatrons der Schweiz, weiter des heilig gesprochenen Kapuziners Fidelis von Sigmaringen sowie der sogenannten Katakombenheiligen Prosper und Felix.

Sowohl die Reliquien wie auch die geweihten Hostien wurden nach dem Gottesdienst in einer feierlichen Prozession in den Raum der Stille ins Pfarreizentrum gebracht. Dieser dient in der Zeit der Bauarbeiten als provisorische Kapelle. Die Sonntagsgottesdienste finden neu im grossen Saal des Pfarreizentrums statt, der dafür eigens mit Altar, Orgel und Kirchenfenstern hergerichtet wurde.

Vom Sinn der Profanierung

Pfarrer Adrian Lüchinger kann dem kirchenrechtlich vorgeschriebenen Zeremoniell der Profanierung durchaus einen Sinn abgewinnen. Er sieht das Ritual zwar nicht gesondert sondern eingebettet in den Gottesdienst. Die Kirche sei ein geschichtsträchtiges Haus: Hier sei unzählige Male Eucharistie gefeiert, getauft, gefirmt, versöhnt, geheiratet und getrauert worden. Ein würdiges Ritual soll laut dem Theologen diese Räume daher noch einmal wertschätzen, um sie dann zu verabschieden. Adrian Lüchinger: «Mit der Profanierung bringen wir unsere Wertschätzung und Dankbarkeit für die der Pfarrei geschenkten Jahre zum Ausdruck, während denen die Josefskirche den Menschen als Gotteshaus diente.» Dies sei zu vergleichen mit dem Abschied von einem Kalenderjahr.

Zur heutigen Bedeutung von Reliquien sagt der Pfarrer: «Sie sind ein Zeichen der Verbundenheit von sichtbarer und unsichtbarer Kirche, das heisst von der feiernden Gemeinde im Hier und Heute und jener himmlischen Gemeinschaft, die bereits die Vollendung bei Gott gefunden hat».

Hier finden Sie die Bildergalerie.

www.kath-horgen.ch

Text und Bilder: Viviane Schwizer

zuletzt verändert: 18.07.2016 14:17