Effiziente Hilfe für das Caritas-Baby-Hospital

Issa Bandak ist seit sechs Jahren Direktor des Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem. Diese Woche stellte er seine Arbeit in der Pfarrei St. Josef in Affoltern am Albis vor.
Effiziente Hilfe für das Caritas-Baby-Hospital

Issa Bandak, Direktor des Caritas-Baby-Hospitals, mit Sybille Oetliker, Geschäftsführerin der Kinderhilfe Bethlehem Foto: Viviane Schwizer

Seit über 50 Jahren nehmen alle Pfarreien der Schweiz die Weihnachtskollekte für das Spital in Bethlehem auf. Issa Bandak, der als Palästinenser und Christ aus Bethlehem stammt, stand für ein Interview zur Verfügung. 

Wie sieht die Situation im Caritas-Baby-Hospital in Betlehem im Moment aus?

Es kommen je länger je mehr Patienten. Im vergangenen Jahr behandelten wir rund 40'000 Kinder, in diesem Jahr sind es vermutlich rund 15 Prozent mehr. Dies hat zwei Gründe: Wir sind ein modernes Spital mit guter Reputation. Zudem gibt es in Palästina ständig mehr verarmte Familien, die in unserem Spital für einen symbolischen Betrag oder kostenlos Hilfe bekommen.

Was läuft gut im Caritas-Baby-Hospital?

Wir haben eine gute Infrastruktur: Wir verfügen über 82 Betten, zudem u.a. über ein Labor, eine Poliklinik und eine Frühgeburtenabteilung. Hingegen haben wir aus Kostengründen auf die Chirurgie verzichtet. Wir sind weiter stolz, ein Ausbildungsspital zu sein. Grundsätzlich haben wir genügend Personal, nämlich 220 Personen. Das Spital ist ein wichtiger Arbeitgeber in Bethlehem.

Was heisst 'grundsätzlich' haben wir genügend Personal?

Es fehlt uns an Spezialisten. Für Kinder mit Stoffwechsel- und Lungenproblemen, mit angeborenen Fehlbildungen oder neurologischen oder physiotherapeutischen Problemen und für Frühgeborene haben wir zu wenig Fachmediziner. Lassen Sie mich erklären: In der Medizin haben wir eine Null-Toleranz, das heisst, wir müssen die Arbeit in unserem Fachgebiet perfekt betreiben und uns weiter entwickeln, andernfalls müssen wir aufgeben. Dies bedeutet, dass wir immer teurer werden. Die Spenden sind zwar in den letzten Jahren nicht eingebrochen, aber die Kosten für eine gute und effiziente Medizin sind enorm gestiegen. Das stellt uns vor Herausforderungen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Baby-Hospitals?

Trotz politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind wir zuversichtlich, dass wir auch langfristig überleben. In unserem Spital heilen wir nicht nur Kinder, wir fördern auch das Gesundheitssystem des Landes und setzen uns für die Zukunft von Palästina ein. Jede Spende ist also gut investiert und vervielfacht sich in diesem Zusammenhang sogar.  

Was bedeutet Ihnen die Weihnachtshilfe aus der Schweiz?

Wir sind froh und sehr dankbar um die zuverlässige Hilfe. Ohne Unterstützung könnten wir nicht leben. Etwa 88 Prozent der Gelder generieren wir aus Spenden. Darum ist auch die Weihnachtskollekte, die in allen Pfarreien der Schweiz für unser Kinderspital aufgenommen wird, enorm wichtig.
(Nachdenklich) Bald ist Weihnachten. Jesus lebte bei uns in Palästina, wurde in Betlehem geboren, wo auch ich geboren bin. Meine Familie lebt seit 1500 Jahren hier. Einst gab es hier viele Christen. Heute gehöre ich zu einer Minderheit der Christen in diesem Land. Ich bin aber mit Überzeugung arabischer Christ und will hier mit meiner Familie leben und etwas für Palästina tun. Das ist mir wichtig.

Weitere Informationen: www.kinderhilfe-bethlehem.ch

(Das Interview führte Viviane Schwizer, auch die Fotos stammen von ihr.) 

zuletzt verändert: 24.11.2016 10:00
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