Die Ikone aus Aleppo: Ein beunruhigendes Geschenk

Ostern rüttelt auf. Und die Christus-Ikone im Generalvikariat beunruhigt. Gerade – oder erst recht – angesichts der Terroranschläge in Brüssel, dem Flüchtlingselend, Krieg und Christenverfolgung.
Die Ikone aus Aleppo: Ein beunruhigendes Geschenk

Die Ikone aus Aleppo Foto: Arnold Landtwing

Die Ikone mit dem segnenden Christus steht für eine Osterbotschaft, die uns herausfordert und nicht in Ruhe lässt. Bei jedem Hinausgehen aus meinem Büro streift der Blick gezwungenermassen über die Ikone neben der Tür. Obwohl ein Experte sie kaum eines Blickes gewürdigt hat, weil diese Ikone „halt so eine Familienarbeit ist, wie man sie häufig antrifft“, ist sie für mich wertvoll und kostbar. Sie ist sogar unbezahlbar, weil sie für die Katholische Kirche im Kanton Zürich ein Fenster mitten ins Leben offenhält und für Durchzug sorgt. Die Christus-Ikone stammt aus dem syrischen Aleppo. Dort konnten sich in Friedenszeiten viele Familien mit dem Herstellen solcher Ikonen das Überleben sichern. Dank dem syrischen Jesuitenpater Nawras Sammour hat die Ikone aus einer syrischen Familie nach Zürich gefunden. Sammour ist Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Jesuit Refugee Service und hat für seinen Einsatz 2014 den Prix Caritas 2014 erhalten. Mit ihren mobilen Notküchen versorgen die Jesuiten täglich mehrere tausend Menschen, darunter ganz viele Familien und Kinder, mit einer warmen Mahlzeit. Christen, Muslime und Menschen ohne Glaubenszugehörigkeit helfen mit, jeden Tag nicht nur den Hunger, sondern auch die Hoffnungslosigkeit zu bekämpfen. Hier spielt Religionszugehörigkeit keine Rolle, alle sind als eine Gemeinschaft solidarisch unterwegs. Pater Nawras Sammour hat diese Ikone von einem mittellosen Familienvater in Aleppo geschenkt bekommen und bei einem Besuch in Zürich Synodalrat und Generalvikar überreicht, weil mit gut 700‘000 Franken der Flüchtlingsdienst der Jesuiten unterstützt worden war. „Die finanzielle Hilfe ist wichtig“, sagte Nawras Sammour bei der Übergabe der Ikone. „Viel wichtiger ist jedoch, dass die Menschen in Syrien wissen, dass ihr jeden Tag an sie denkt. Darauf vertrauen sie. Das gibt ihnen Hoffnung.“

Ein Blick auf das Weltgeschehen kann uns derzeit verzweifeln lassen: Flüchtlinge sterben oder stranden unterwegs an geschlossenen Grenzen, Terroraktionen wie in Brüssel fordern Dutzende unschuldiger Menschenleben, Ungerechtigkeit und Menschenverachtung bedrohen das Leben. Ostern wird gerade in solchen Zeiten aktuell, in denen sich Tod und Leben berühren – und sich das Leben gegen alle Widrigkeiten und Widerstände durchsetzt.

Generalvikar Josef Annen hat dies im Osterwunsch letztes Jahr auf den Punkt gebracht: „Ostern widersetzt sich den Zeichen des Todes. Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. So gesehen ist Ostern für Christen und Christinnen die Bestätigung Gottes, dass nicht der Tod, sondern das Leben das letzte Wort hat, dass auch die tiefste Verzweiflung und Dunkelheit von Hoffnung und Licht erhellt wird. Tiefer können wir nicht fallen als in Gottes Hand. Aus diesem Glauben schöpfen wir Kraft.“

In diesem Glauben sind wir auch mit den Menschen in Aleppo verbunden. Darauf zählen besonders unsere christlichen Glaubensgeschwister in Aleppo, Damaskus und anderswo in den Kriegsgebieten. Ganz besonders jetzt. An Ostern.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen im Namen des Generalvikariats, des Synodalrats und der Verwaltung ein besinnliches und frohes Osterfest. 

 Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter Generalvikariat 

zuletzt verändert: 24.03.2016 11:32