Dialog mit den Religionen

Die Pfarrei Wädenswil feierte mit historischen Stadtrundgängen und einem grossen Fest
Dialog mit den Religionen

Der Historiker Christian Winkler erklärt einer Besucherin die Geschichte der Wädenswiler Kirche. Foto: V. Schwizer

Fotogalerie von Viviane Schwizer:

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Im Rahmen ihres Pfarreifestes, das vergangen Samstag war, lud die Pfarrei St. Marien zu vier Stadtrundgängen unter dem Motto «Religiöses Leben in Wädenswil» ein. Historiker Christian Winkler führte zu Orten, wo Religion in verschiedenen Facetten gelebt und gepflegt wird.

 

Dreizehn verschiedene Religionsgemeinschaften gibt es in der rund 20 000 Seelen zählenden Stadt Wädenswil. Je rund ein Drittel sind Katholiken und Reformierte, eine dritte Gruppe läuft unter dem Titel «andere/Konfessionslose». In einem Rundgang informierte der Wädenswiler Historiker Christian Winkler über fünf der dreizehn Religionsgemeinschaften. Zudem öffneten Repräsentanten der religiösen Gemeinschaften die Türen ihrer Häuser und informierten über die Besonderheiten ihres Glaubens.

Gestartet wurde der Rundgang im Auerehuus, wo die Pfingstgemeinde SPM Wädenswil, eine evangelische Freikirche mit zirka 230 Mitgliedern und 200 Kindern beheimatet ist. Pastor Oliver Affolter betonte das grosse Engagement seiner Kirche für Kinder und Jugendliche. Wichtig sei für die Gläubigen aber auch das beflügelnde Wirken des Heiligen Geistes. Einen 2. Halt machte die sehr interessierte Gruppe bei der Rosenbergkapelle, wo Pfarrer Stefan Weller seine Evangelisch-methodistische Kirche Wädenswil (EMK) vorstellte. Die kleine Kirche mit 52 bekennenden Mitgliedern und einem weiteren Freundeskreis ist seit rund 150 Jahren in Wädenswil ansässig, setzt auf soziales Engagement und will eine «Offene Kirche im Dorf» sein. Die EMK gilt auch als «Erfinderin» der Sonntagsschule, welche die Kleinsten kindgerecht in den Glauben einführt. Spannend war für die Teilnehmer des Rundgangs weiter der Besuch der Moschee vis-à-vis der Alten Fabrik: Imam Achmed Kara, Volkan Dogu, Vize-Präsident des Türkisch Islamischen Kulturvereins, sowie Enes Atac aus der Türkei, zurzeit Student der Islamwissenschaften in Zürich, gaben einen ausführlichen Einblick in ihre Religion. Sie sagten, dass ihnen Offenheit und Toleranz wichtig seien und sie den Dialog mit den christlichen Ortskirchen in Wädenswil noch vertiefen möchten. Ein Brückenschlag bezüglich Räumlichkeiten ist bereits gelungen: Die Muslime mieten bei den Katholiken regelmässig den grossen Saal, wo die Gläubigen zweimal im Jahr das Fastenbrechen begehen. Jesus ist für sie ein Prophet und ein Vorbild, wie viele andere Propheten auch. Volkan Dogu, Wädenswiler mit türkischen Wurzeln, informierte, dass der Islam nicht nur weltweit, sondern auch in der Schweiz die 2. grösste Religion sei.
In der reformierten Kirche Wädenswil sprach Pfarrer Frank Lehmann. Er stellte sowohl die denkmalgeschützte Hallenkirche wie die Besonderheiten seiner Konfession vor. Die Reformierten seien offen für alle, würden niemanden ausschliessen. Sie seien überzeugt, dass verschiedene Wege zu Gott führten. In klaren Worten und einprägsamen Bildern präsentierte sich der Pfarrer als guten Prediger.

Rundgang endet bei den Katholiken

In der katholischen Kirche liess Historiker Christian Winkler schliesslich am Ende des Rundgangs die Baugeschichte des Gotteshauses aufleben. Im 19. Jahrhundert waren erst wenige Katholiken in Wädenswil ansässig(1850: 178 Katholiken; 1830: 68). Als in der Schweiz 1848 mit der Gründung des Bundesstaates allen die Niederlassungsfreiheit gewährt wurde, kamen aber viele Katholiken vor allem aus dem Kanton Schwyz und Italien nach Wädenswil. Im Jahr 1900 waren bereits 1259 Katholiken am Ort ansässig. Im Jahr 1896/97 wurde die Wädenswiler Pfarreikirche St. Marien erbaut. Eine Zeitlang wurde sogar diskutiert, diese mit einem Kreuzgang und einer Krypta zu erweitern, was im Jahr 1989 aber vom Souverän abgelehnt wurde.
Pfarrer Peter Camenzind betonte in der kurzen Vorstellung der katholischen Lehre, dass es viele Orte gebe, wo Gott verehrt werde. In der weltweit vernetzten katholischen Kirche, in der auch Migration stets ein Thema gewesen sei, würden zudem viele Sprachen geredet. Ein konkretes Beispiel dafür ist die «Glaswand» beim neuen Zentrum, wo viele biblische Begriffe zum Nachdenken anregen und das «Ave Maria» in 35 verschiedenen Sprachen zu lesen ist.

Dreifacher Grund zum Feiern

Die Repräsentanten der katholischen Pfarrei nannten gleich verschiedene Gründe für das grosse Pfarreifest in Wädenswil: Einerseits sei die 50 jährige Anerkennung der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich als «Landeskirche» ein Grund zur Freude. Andererseits sei auch der Umbau des Pfarrhauses an der Etzelstrasse gelungen. Nicht zuletzt bedanken sich die Katholiken mit dem Fest aber auch bei den lokalen religiösen Gemeinschaften für die gute Zusammenarbeit und bei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde für die Gastfreundschaft in ihren Räumen während der Bauarbeiten am katholischen Pfarrhaus.

Am 17. September ist im Rahmen des Pfarreifestes in Wädenswil nochmals eine Führung «Religiöses Leben in Wädenswil» (12/15 h) mit dem Historiker Christian Winkler geplant. (19 Uhr, Treffpunkt beim Auerehuus, Auerenstrasse 10, Wädenswil.

www.pfarrei-waedenswil.ch

zuletzt verändert: 08.01.2014 11:52