Den Glauben feiern

Wallfahrts-Predigt von Generalvikar Josef Annen
Den Glauben feiern

Generalvikar Josef Annen bei seiner Predigt in der Klosterkirche Einsiedeln. Foto: Chr. Murer

Wallfahrt der Zürcher Katholiken nach Einsiedeln 6.7.2013
Predigt von Generalvikar Dr. Josef Annen

Den Glauben feiern:
Dt 26,1-10a; Mt 25,31-40

Liebe Kinder und Jugendliche,
liebe Schwestern und Brüder,

das letzte Wochenende vor den Sommerferien wird Jahr für Jahr gefestet und gefeiert, was das Zeug hält:
Wald- und Wiesenfeste landauf und ab, Sport- und Stadtfeste allüberall.
Auch die Zürcher Bevölkerung feiert: das Zürifäscht ist voll im Gange.

Das ist gut so. Glücklich das Volk, das sich zu Fest und Feier versammelt. Es gibt genug Völker und Nationen, die nicht festen und feiern können. Gerade sie wollen wir in dieser Stunde nicht vergessen:
Die Nationen in Krieg und Elend, die Flüchtlinge unter uns. Die Menschen in Syrien und anderswo …

Schliesslich feiern wir auch als katholische Kirche:
50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil ist Grund zum Feiern.
50 Jahre öffentlich-rechtliche Anerkennung der katholischen Kirche im Kanton Zürich ist auch ein Fest wert.

Beide Anlässe – Konzil und öffentlich-rechtliche Anerkennung - begehen wir heute unter dem Motto: Den Glauben feiern.

Gewiss gilt es den Glauben zu leben und zu bekennen.
Jesus sagt uns im Gleichnis vom Endgericht sehr deutlich, was am Ende eines Glaubensweges zählt, nämlich dies:
Was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Dieses Wort Jesu beherzigen die Katholiken und Katholikinnen im Kanton Zürich. Sie schlagen am Zürifäscht nicht nur ein Zelt auf – das Zelt heisst übrigens „ZüriHimmel“ und sagt damit der Zürcher Bevölkerung: Wir sind nicht nur Erdenbürger und Bewohner dieser oder jener Stadt. Wir haben auch eine Heimat im Himmel, sind auch Gottes Geschöpfe, seine Kinder.

 

Aber es bleibt nicht beim Festzelt am Zürifäscht.
In einem dreijährigen Projekt hilft unsere Kirche den schwächsten Gliedern der Zürcher Gesellschaft: Sie hilft Jugendlichen aus der Migration, die nur schwer eine Lehrstelle finden.
Unsere Kirche unterstützt die Ausbildung von jungen Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen.
Sie fördert die Integration von jungen Erwachsenen mit sozialen und persönlichen Schwierigkeiten.
Dafür kann ich nur mit dem Wort Jesu danken: Was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.
Es gilt den Glauben zu leben und zu bekennen.

Heute aber dürfen wir den Glauben feiern. Auch das ist unverzichtbar. Religionssoziologen und wache Zeitgenossen sagen uns heute:
Nur eine Religion, die feiert, die sich in Kult und Gottesdienst versammelt, bleibt am Leben und hat Zukunft.
Ja noch mehr: Die gottesdienstliche Feier, das Gedenken der Grosstaten Gottes, ist die eigentliche Quelle für das soziale Handeln, den Dienst am Menschen in Not und Armut.

Beispielhaft für diese Wahrheit ist das Bibelwort, das wir in der Lesung gehört haben:
Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Hunger trieb ihn nach Ägypten. Dort leistete er Fronarbeit. Doch Gott führte ihn mit starker Hand aus Ägypten und führte ihn in  das Land, das von Milch und Honig fliesst.
Und jetzt stehe ich vor dir, o Gott, bringe dir die ersten Früchte der Ernte, werfe mich vor dir nieder und danke dir:
Ich bin fröhlich und freue mich über all das Gute, das du mir gegeben hast. Auch die Fremden in meiner Mitte sollen sich freuen können.

Liebe Schwester und Brüder,

ich wohne in Zürich in einem Quartier, wo mehrere Synagogen stehen. Am Samstag habe ich manchmal den Eindruck, ich wohne in Jerusalem.  Da laufen jüdische Frauen und  Männer mit ihren Kindern gruppenweise in die Synagoge. Es ist Sabbat, Ruhetag, Tag des Herrn. Gott selber hat am siebten Tag geruht. Ist der Synagogengottesdienst zu Ende, hüpfen und springen die Kinder mit strahlendem Gesicht nach Hause. Alle werden sich zu Tisch setzen, die Mutter wird die Sabbatkerzen anzünden und dazu die Worte sprechen: Lob nun, ja Lob dir o Gott.

Das Volk Israel hätte die zweitausend Jahre in der Diaspora, der Zerstreuung über ganz Europa, nie überlebt ohne die Zusammenkunft in Kult und Gottesdienst, ohne die Feier des Glaubens.

Darum ist die Feier des Glaubens für uns wohl das Wichtigste, das wir zu unseren grossen Jubiläen „50 Jahre Konzil und 50 Jahre öffentlich-rechtliche Anerkennung“ durchaus selbstkritisch zu beherzigen haben:

Kirche entsteht immer neu aus der Feier der Hingabe Jesu in der Eucharistie, aus der Feier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Seit es Christen und Christinnen gibt, versammeln sie sich am Tag der Auferstehung, am Sonntag, und lassen sich aus dem Lob Gottes neu senden für den Dienst am Menschen.

Ich kann Ihnen allen,  nicht zuletzt den Familien, nur danken, wenn Sie heute den Mut haben zur regelmässigen Feier des Sonntags, des Heiligen Tages der Christenheit;
und wenn sie den Mut haben zur wöchentlichen Feier der Eucharistie.
Unsere Kirche lebt von solch mutigen, aufgeklärten und selbstbewussten Christinnen und Christen in dieser modernen Zeit. Religionen überleben nicht ohne Feier im Gottesdienst. Das gilt auch für unsere katholische Kirche im Kanton Zürich.

So lasst uns nun den Glauben feiern.
Lob nun, ja Lob dir o Gott.
Amen.

zuletzt verändert: 07.07.2013 16:00
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