Neue Stimme in der Debatte um ein "Bistum Zürich"

Die Debatte um ein „Bistum Zürich“ reisst nicht ab. Auf das Interview von Weihbischof Peter Henrici im Juli-Infoblatt reagierte die Churer Bistumsleitung mit einer sogenannten „Klarstellung“.
Neue Stimme in der Debatte um ein "Bistum Zürich"

Die Churer Kathedrale. Foto: Iris Manetsch

Darin will sie belegen, dass massgebliche Kräfte entgegen Henricis Aussage doch eine Verlegung des Bischofssitzes von Chur nach Zürich anstrebten. Auf die Churer „Klarstellung“ reagiert nun der bekannte Zürcher Dominikaner Viktor Hofstetter. 

Hier seine Replik: 

«Die Obrigkeit in Chur sollte dringend die zentralen Gedanken von Papst Franziskus zur Kenntnis nehmen, statt mit unsinnigen Argumenten wie: «… in Kauf zu nehmen, dass ein seit über 1500 Jahren bestehender Bischofssitz faktisch verwaist…» um sich zu schlagen. Aufgabe der Kirche ist es nämlich, den Menschen von heute das Evangelium zu verkünden, nicht uralte Strukturen und Traditionen krampfhaft aufrecht zu erhalten.

 

Lesen wir also, was Papst Franziskus zur Grossstadtpastoral sagt:

«Der erste Aspekt ist vielleicht der schwierigste: wir müssen eine Veränderung in unserer pastoralen Mentalität bewirken. Wir müssen uns ändern! In der Stadt brauchen wir andere ‚Pläne‘, andere Paradigmen, die uns helfen, unsere Gedanken und unser Verhalten neu auszurichten. Wir können nicht richtungslos bleiben, denn diese Verwirrung lässt uns den falschen Weg einschlagen – zuerst uns selbst, und dann verwirrt sie das Gottesvolk und all jene, die mit ehrlichem Herzen auf der Suche sind nach Leben, Wahrheit und Sinn.» Und weiter sagt der Papst zum Thema ‚Die Stadt und ihre Armen‘: «Die Stadt bietet zwar zahlreiche wertvolle Angebote, die das Leben bereichern, hat aber auch eine Kehrseite, die nicht verborgen werden kann, ja, die in vielen Städten immer deutlicher zutage tritt : die Armen, die Ausgeschlossenen, die Ausgesonderten. Ja, wir können heute von Ausgesonderten sprechen. Die Kirche darf ihren Schrei nicht ignorieren, und sie kann auch nicht das Spiel der ungerechten, hinterhältigen und eigennützigen Systeme mitspielen, die die Armen am liebsten unsichtbar machen würden. So viele Arme, Opfer der alten und neuen Formen von Armut ! Es gibt viele Formen von neuer Armut!» (Ansprache von Papst Franziskus am Donnerstag, 27. November 2014)

Diesen beiden Forderungen von Papst Franziskus kann selbst der beste Bischof, der im Hof einer kleinen Bergstadt residiert, unmöglich nachkommen. Nimmt man die Worte des Papstes ernst, muss das auch für einen Bischof und seinen Amtssitz Konsequenzen haben.

Ein weiteres klares Argument liefert das Nachfolge-Dokument des II. Vatikanischen Konzils zur Reform der Diözesen: «Es kann bei zunehmender Urbanisierung unser Gesellschaft nicht sein, dass in einem Land kein einziger Bischofssitz sich in einer grösseren Stadt befindet, nur weil man an den traditionellen Strukturen der Diözesen festhalten will und traditionelle Bischofssitze aufrecht erhält. Es ist oberste Pflicht der Bischöfe, bei der Reorganisation der entsprechenden Diözesen die pastoralen Bedürfnisse der Menschen von heute als oberstes Prinzip zu berücksichtigen.»

Pater Viktor Hofstetter OP, Zürich

 

zuletzt verändert: 20.07.2016 16:34