Das «Wort zum Sonntag» feiert Geburtstag

60 Jahre christliche Impulse auf Augenhöhe im Schweizer Fernsehen.
Das «Wort zum Sonntag» feiert Geburtstag

Nadja Eigenmann mit der Skulptur "Kind mit leeren Händen". Foto: V. Schwizer

Am 6. Juni 1954 ging das heutige «Wort zum Sonntag» erstmals über den Sender. Damit feiert die prominente Ausstrahlung vom Samstagabend ihr 60-jähriges Bestehen. Eine Jubiläumssendungen war bereits am 7. Juni mit dem Schriftsteller Pedro Lenz (hier anzuschauen). In der Jubiläumssendung am kommenden Samstag vermitteln gleich zwei Theologen im Dialog einen Impuls aus christlicher Sicht.

Ökumenisch von Beginn an

Vier Minuten reden über Gott und die Welt, aufgeschlossen und doch geprägt von christlicher Glaubensüberzeugung: Das tun Theologinnen und Theologen römisch-katholischer und evangelisch-reformierter Konfession, oft auch jemand aus der christkatholischen oder evangelisch-methodischen Kirche, im «Wort zum Sonntag» seit nunmehr 60 Jahren. Im Juni 1954 wurde die zweitälteste Sendung nach der Tagesschau erstmals ausgestrahlt. Rund 380 000 Personen schauen am Samstagabend um 20 Uhr den «Kommentar aus christlicher Sicht zu religiösen, spirituellen und ethischen Fragen des Individuums und der Gesellschaft der Gegenwart», wie die Sendung sich selbst umschreibt.

Wozu leben wir?

Die Sprecherinnen und Sprecher schildern in der kurzen Redezeit oft kleine Begebenheiten aus dem Alltag. Sie sind Ausgangspunkt für das soziale und moralische Nachfragen: Wozu leben wir? Was macht Sinn im Leben? Was könnte mit anderen Augen angeschaut werden?
Dabei arbeiten die Moderatorinnen und Moderatoren manchmal mit konkreten Hilfsmitteln und Metaphern: Gezeigt wird beispielsweise ein Kreuz, ein Bilderrahmen oder ein Foto. Das Vordergründige wird hinterfragt, die Sinnfrage gestellt und aus christlicher Sicht Stellung genommen.
Ein Erfolgsrezept der unangefochtenen Sendung scheint zu sein: Die Männer und Frauen verschiedenen Alters, Herkunft und Tradition sind auf gleicher Augenhöhe wie die Zuschauerinnen und Zuschauer, denen sie wöchentlich Lebenshilfe, Orientierung oder ein Aha-Erlebnis in die gute Stube bringen wollen.

Aufruf zur christlichen Nachfolge

Die Jubiläumssendung des «Worts zum Sonntag» am 14. Juni werden gleich zwei Personen im Dialog halten: Sprechen werden die katholische Theologin Nadja Eigenmann und der reformierte «Obdachlosenpfarrer» Ernst Sieber, der früher selber während drei Staffeln beim «Wort zum Sonntag» mitwirkte. Die beiden sind in der Jubiläumssendung auf dem Friedhof in Horgen bei der Skulpturengruppe, die Ernst Sieber geschaffen hat.

Skulpturen Friedhof Horgen
Sieber schuf eigens für das Jubiläum eine zusätzliche Figur: Das «Kind mit leeren Händen» sei ein Aufruf zur Grenzen überschreitenden Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen und zudem eine unmissverständliche Aufforderung zu gelebter Diakonie, meint der Künstler. Aus christlicher Sicht könne nicht Gewinnmaximierung das Ziel sein. Vielmehr müssten Empathie und Hilfsbereitschaft gewinnen. In der Sprache der Kircheninsider heissen diese Qualitäten ganz simpel «Nächstenliebe in der Nachfolge Jesu».

 «Worts zum Sonntag»: Mit der Theologin Nadja Eigenmann und Pfarrer Ernst Sieber «Jesus lebt für uns» - eine Skulpturengruppe von Ernst Sieber, SRF 1 , Samstag, 14. Juni 2014, 20 Uhr

zuletzt verändert: 10.06.2014 14:11