Christkönig – der letzte Sonntag im Kirchenjahr

Bevor mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt, klingt das alte mit dem krönenden Abschluss des Christkönigssonntages aus. Und dies nicht beiläufig, sondern mit einem Hochfest. Im Jahr 1925, das als heiliges Jahr begangen und das Christkönigsfest eingesetzt wurde, feierte die Kirch das 1600 –jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa.
Christkönig – der letzte Sonntag im Kirchenjahr

Römisch-katholische Kirche St. Josef Rickenbach-Sulz, Glasfenster von Jacques Schedler Foto: J. Sulz

Schwingerkönig. Schönheitskönigin. Jasskönig. Wettkönig – ah ja und nicht zu vergessen: die richtigen Könige und Königinnen adliger Abstammung. Wenn wir genau hinschauen, wimmelt es in unserer Zeit von lauter Königinnen und Königen nur so. Und nicht zu vergessen: Christkönig? Am kommenden Sonntag setzt das Christkönigsfest dem katholischen Kirchenjahr die Krone auf. Christkönig? Das löst bei den meisten wohl höchsten ein Schulterzucken aus. Dabei hat es dieses Fest in sich. Vor knapp 100 Jahren war das Christkönigsfest ein mutiges Zeichen gegen den aufkommenden Führerkult und gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. So ein richtiger katholischer Kontrapunkt. Das Fest wurde zwar erst 1925 eingesetzt, um das 1600-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa zu feiern. Die Zeit war jedoch geprägt vom Umbruch, den der erste Weltkrieg gebracht hatte, vom Untergang von Kaiserreichen und Monarchien. Kein Wunder, dass die Menschen sich nach Orientierung und Halt sehnten. Die Botschaft, dass Christus König sei, bekam besonderes Gewicht und gab vielen Menschen wieder festen Boden unter die Füsse und Orientierung. Moment mal: Jesus als König? Hier liegt die Provokation versteckt, denn statt einer Herrscherkrone wurde ihm doch eine Dornenkrone aufgesetzt. Alles andere als königlich, wie wir es verstehen. Das Königreich, für das Jesus steht bedeutet nicht Ruhm, Ehre, Reichtum und Macht. Im Gegenteil, es ist sogar gefährlich subversiv. Das kann den Herrschenden gefährlich werden. In Politik. In Gesellschaft. In der Kirche. Das Reich Gottes bricht nämlich dort an, wo mitten im Alltag ganz normale Menschen wie du und ich in einem heiligen Mutanfall für Wahrheit und Gerechtigkeit sorgen, dem Frieden und der Liebe Raum verschaffen. In diesem Moment blitzt etwas von dem auf, was das Reich Gottes ist. Irgendwie nicht von dieser Welt, aber plötzlich spür- und greifbar. Diese Orientierung, dieser Sinn ist das Geheimnis des Christkönigsfestes. Und dann starten wir in einer Woche mit dem 1. Adventssonntag gut geerdet ins neue Kirchenjahr hinein.

zuletzt verändert: 21.11.2014 09:13