Aktuell im forum: Vertrauen schafft Chancen

Caritas-Woche 2018: Wer den Übergang von der Schule in die Berufswelt nicht schafft, hat ein sehr hohes Armutsrisiko. Besonders gefährdet sind junge Menschen aus sozial benachteiligten Familien. Caritas Zürich gibt jungen Menschen eine Chance – zum Beispiel mit dem Projekt «incluso».

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Wer Zeitung liest, hält die Lehrstellensuche wahrscheinlich nicht für ein Problem – scheint es doch heute mehr Lehrstellen zu geben als Stellensuchende. «Für viele Jugendliche wird es trotzdem schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu finden», erklärt Laura Baumann vom «incluso»-Team bei Caritas Zürich. «Die Anforderungen beim Übergang von der Schule in den Beruf nehmen laufend zu. Wer das Bildungssystem nicht kennt und kein gutes Beziehungsnetz hat, findet nur schwer eine Lehrstelle.»

Deshalb bringt «incluso» freiwillige Berufstätige (so genannte Mentorinnen und Mentoren) mit Jugendlichen (den Mentees) zusammen. Diese Tandems suchen dann gemeinsam eine Anschlusslösung. So zum Beispiel Mentorin Jeannine Duff und ihre Mentee Tharunika Ravichandran (14): Tharunika hat innerhalb von fünf Monaten eine Lehrstelle als Bürokauffrau EFZ gefunden.

Gut eingespielte Teams

Häufig fehlen Familien mit Migrationshintergrund das Wissen über unser Berufsbildungssystem und persönliche Kontakte, die sie einsetzen könnten. So war es auch bei Tharunika: Ihre Eltern kamen ursprünglich aus Sri Lanka, wo Tharunika aufgewachsen ist, in die Schweiz. Ihre Deutschlehrerin schlug ihr dann vor, sich bei «incluso» zu bewerben. 

Sowohl die Mentees wie auch ihre Mentoren werden in Einzelgesprächen ausführlich nach ihren Erwartungen befragt und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dann werden Mentorinnen und Mentees zu Tandems zusammengeführt, im letzten «incluso»-Zyklus waren es deren 73.

Jeannine Duff und Tharunika wirken beim Gespräch wie ein gut eingespieltes Team – zwei Menschen, die sich kennen und schätzen. Mentorin Duff: «Ich hatte Respekt vor der Aufgabe. Und war dann sehr positiv von der Zusammenarbeit mit Tharunika überrascht: Sie ist sehr zuverlässig und pünktlich», erklärt sie. 

Und Tharunika ergänzt: «Für mich war es wichtig, jemanden zu haben, dem ich vertrauen kann.» Projektmitarbeiterin Baumann erklärt, dass die Tandems meist gut zusammenarbeiten, doch: «Nicht jedes Mentoring verläuft reibungslos. Bei ‹incluso› müssen zwei Menschen, die sich in vieler Hinsicht fremd sind, gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.» Trotzdem bleiben die meisten der Tandems zusammen und treffen sich regelmässig, meist wöchentlich.

Die meisten finden eine Anschlusslösung

Am meisten wird in die Bewerbungsunterlagen und das Üben von Vorstellungsgesprächen investiert. Auf die Frage, was sie bei «incluso» gelernt hat, antwortet Tharunika ohne zu zögern: «Nie aufgeben – immer dranbleiben!» Etwas, das sie auch im weiteren (Berufs)leben beherzigen will. 

Motivieren war immer wieder wichtig, so Duff: «Einmal war zum Beispiel ein Schnupperlehrbericht nicht ganz so gut – wie geht man damit konstruktiv um? Wir haben dann aber immer einen guten Weg gefunden.»

Mit ihrem Lehrvertrag steht Tharunika nicht alleine da: Fast die Hälfte der Mentees fand im letzten Jahr mit «incluso» eine Lehrstelle, zahlreiche weitere ein Praktikum oder eine Vorlehre. So kamen knapp zwei Drittel der Jugendlichen zu einer beruflichen Anschlusslösung. Ein weiterer Viertel fand eine schulische Anschlusslösung wie beispielsweise Motivationssemester oder Berufsvorbereitungsjahr.

Auch Mentorinnen und Mentoren profitieren

Für Baumann ist es wichtig, dass Mentoren und Mentees jederzeit eine Ansprechperson haben, die weiterhelfen kann. Duff war mit der Betreuung sehr zufrieden: «Alles war sehr gut organisiert, alle Termine waren von Anfang an bekannt, das hat sehr geholfen. Zudem war das ‹incluso›-Team immer gut erreichbar und hat bei Bedarf schnell reagiert.»

Für engagierte Berufsleute bietet der Einsatz als freiwillige Begleitperson einen Einblick in die Welt eines jungen Menschen mit kulturell anderem Hintergrund. Duff hat ihren Einsatz als spannend und als Gewinn erlebt: «Es war eine Bereicherung, die Fortschritte zu sehen, die Tharunika immer wieder gemacht hat. Und es hat meinen Horizont erweitert!»

Was würde sie einer Kollegin raten, die als Mentorin bei «incluso» mitmachen möchte? «Sofort anmelden und es dann auf sich zukommen lassen, keinen Druck machen. Das Wichtigste sind Offenheit und gute Kommunikation.» Und auch Tharunika strahlt bei der Frage, ob sich «incluso» für sie gelohnt habe: «Ja – wenn meine Deutschlehrerin mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, wäre ich sicher immer noch am Bewerbungen schreiben!»

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Text: Daniel Wirz, Caritas Zürich

zuletzt verändert: 30.01.2018 11:56