Gesuch für Bistum Zürich

Die Schaffung eines Bistums Zürich ist nicht neu, im Gegenteil.
Gesuch für Bistum Zürich

Mögliche Zürcher Bistums-Kathedrale: Liebfrauen-Kirche in Zürich

Die Medien berichten in diesen Tagen breit über alte Pläne für ein Bistum Zürich. Dies, nachdem der Synodalrat aufgrund einer schriftlichen Anfrage aus der Synode bei der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Ende 2012 ein Gesuch für ein eigenes Bistum eingereicht hatte. Diese beschied der Zürcher Kirche, dass sie sich in dieser Frage an den Churer Bischof wenden müsse. Ohne seine Zustimmung könne kein Bistum Zürich geschaffen werden. Falls Chur zustimme, werde die Bischofskonferenz auf ihre eigenen Pläne für eine Neueinteilung der Bistümer zurückgreifen.

Dementsprechend bat der Synodalrat in einem Schreiben von Ende August 2013 den Churer Bischof um ein Gespräch zur Frage der Errichtung eines Bistums Zürich. Der Eingang dieser Bitte ist in der Zwischenzeit bestätigt worden, ein offizieller Besprechungstermin steht noch nicht.

Bereits Mitte 1990 war die Exekutive der Zürcher Katholikinnen und Katholiken, notabene im Auftrag des damaligen Churer Bischofs Johannes Vonderach, mit dem Begehren an die Bischofskonferenz gelangt, die für die Errichtung eines Bistums Zürich erforderlichen Schritte einzuleiten. Das formelle Gesuch wurde nie beantwortet und die in einem Kommissionbericht aus dem Jahr 1980 festgehaltenen objektiven Kriterien für eine «Neueinteilung der Bistümer in der Schweiz» verschwanden in der Schublade. Für ein Bistum Zürich verwies der Bericht damals auf

  • die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Vorrangstellung der Kantons Zürich in der Schweiz
  • die bestehende Disparität zwischen Zürich und Chur als Bischofssitz im aktuellen Bistum Chur
  • die weitestgehend idealtypischen Vorstellungen für ein Schweizer Bistum in personalorganisatorischer und sozialgeographischer Hinsicht.

 

Diese Kriterien gelten noch immer oder heute erst recht. Von der Sache her, namentlich aus pastoraler Sicht, lassen sich nach Meinung des Synodalrats kaum stichhaltige Argumente gegen ein Bistum Zürich finden. Die zuständigen politischen und ökumenischen Instanzen im Kanton Zürich wissen um die Absichten des Synodalrates und haben gegen die Einleitung von Schritten, die zur Errichtung eines Bistums Zürich führen, nichts einzuwenden. Kommt hinzu, dass der Kanton Zürich mit heute rund 390‘000 katholischen Mitgliedern seit 1821 formal zwar zum Bistum Chur gehört, allerdings lediglich als Administrationsgebiet. Zudem haben die Schweizerinnen und Schweizer in der eidgenössischen Volksabstimmung 2001 den Bistumsartikel abgeschafft und so die Genehmigungspflicht für die Errichtung von Bistümern aufgehoben.

Der Synodalrat weist auch ausdrücklich darauf hin, dass der Wunsch der Zürcher Katholiken nach Eigenständigkeit älter ist als die Auseinandersetzungen mit Bischöfen in Chur und nicht in diesem Zusammenhang gesehen werden darf. Die Erfahrung habe aber gezeigt, so Synodalratspräsident Beno Schnüriger gegenüber verschiedenen Medien, dass ein eigenes Bistum für die Katholische Kirche im Kanton Zürich ein Gewinn darstellen würde. «Das Bistum Chur ist zu gross, der Bischof zu weit weg von den Gläubigen.» Als Kathedrale könnte sich Schnüriger die Stadtzürcherkirche Liebfrauen, als möglichen Amtssitz eine Wohnung an der Schienhutgasse beim Hirschengraben vorstellen. Und für die Anschubfinanzierung steht der «Fonds Bistum Zürich» mit gut einer Million Franken zur Verfügung.

Auch Radio Vatikan beobachtet die neu entfachte Bistumsfrage im Kanton Zürich und in der Schweiz genau. Im Interview meint Markus Ries, Kirchenhistoriker an der Universität Luzern, abschliessend: Sei das Residieren eines katholischen Bischofs in der Zwinglistadt bisher als nichtverträglich angesehen worden, rechne er damit, dass sich diese Wahrnehmung im Zuge zunehmender Gleichgültigkeit und ökumenischer Kooperation verändern werde. «Die Probleme, die einer Gründung eines Bistums Zürich entgegenstehen, die sind hausgemacht: Die Probleme entstehen in der katholischen Kirche selbst.»

 

Link zu Dossier mit Medienspiegel

zuletzt verändert: 18.09.2013 14:34