Barmherzigkeit öffnet Türen

Mit einem Blick in die Regenwolken hätte das Motto der diesjährigen Wallfahrt der Zürcher Katholikinnen und Katholiken auch „Barmherzigkeit öffnet die Schleusen“ lauten können. Doch wie sie auch sonst widrigen Umständen die Stirn bieten, liessen sich gut 700 Pilgerinnen und Pilger nicht von meteorologischen Verhältnissen abschrecken und zogen nach Einsiedeln: wandernd über verschiedene Routen, mit dem Bike, mit Kinderwagen und Rollstühlen.
Barmherzigkeit öffnet Türen

Wallfahrts-Gottesdienst Klosterkirche Einsiedeln_FOTO_Christian Murer

„Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit klebten uns bereits kurz nach dem Start die Kleider am Leib und es trieb uns den Schweiss aus allen Poren“ erzählte eine Pilgerin, die über den Etzel gekommen war. „Und als der Regen kurz vor der Passhöhe einsetzte, flüchteten wir ins das Gasthaus St. Meinrad, um uns von den Strapazen des Aufstiegs zu erholen.“ Die Gruppe hatte ein forsches Tempo angeschlagen, aber auch genügend Zeit für Pausen eingeplant.

Der guten Laune taten die gelegentlichen Regengüsse keinen Abbruch. Als die Gruppen von allen Seiten her auf dem Klosterplatz eintrafen, herrschte fröhliche Stimmung. „Wenn jemand mich fragt, was katholisch ist, dann sage ich: kommt in die Kirche, wenn die Zürcher ihre Wallfahrt machen“: Dass Alt-Abt Martin Werlen wusste, was er damit meinte, zeigte sich in der bis auf den letzten Platz besetzten Klosterkirche. Eine lebendige und von vielen mitgestaltete Liturgie, ein Adhoc-Chor, vertraute und neue Kirchenlieder füllten auch den letzten Winkel der grossen Kirche mit lebendigem Glauben. In seiner Predigt erzählte Generalvikar Josef Annen, wie er als kleiner Bub mit seinem Dreirad das neue Auto des Lebensmittelhändlers rammte und statt Schelte eine Schokolade bekam und er Barmherzigkeit erfuhr. Mit diesem Einstieg in die Predigt war die Tür geöffnet für Barmherzigkeit, die Türen öffnet und mit Vergebung hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Für Generalvikar Annen öffnet Barmherzigkeit auch Türen im politischen und wirtschaftlichen Leben und nicht zuletzt im Verhältnis der Religionen zueinander.

Nach dem Schlusssegen zog die ganze Pilgerschar durch die grosse Pforte hinaus und Durchschritt die Heilige Pforte der Barmherzigkeit vor dem Kloster. Petrus zeigte sich dann knapp barmherzig, indem er eine Gnadenfrist gewährte, während der die Pilger im Abteihof verschont von Regen das Zusammensitzen und das Mittagessen geniessen konnten.

Wer nicht auf der Wallfahrt dabei sein konnte, findet Eindrücke davon in der Fotogalerie.

zuletzt verändert: 04.07.2016 11:12