Caritas: Armutsbetroffene zunehmend isoliert

Am 9. Zürcher Armutsforum in Zürich beschäftigten sich Fachleute und Interessierte mit de Auswirkungen von Kürzungen bei der Sozialhilfe. Die Caritas hatte eingeladen.
Caritas: Armutsbetroffene zunehmend isoliert

Podiumsdiskussion mit Ueli Mäder, Cordula Bieri, Judith Furrer und Gülcan Akkaya (von links nach rechts). Foto: Caritas Zürich

Die Skos-Richtlinien werden per 1.1.2016 nach unten angepasst. Das soziale Existenzminimum ist somit nicht mehr gewährleistet, die Integration tritt in den Hintergrund. Die Armutsbetroffenen werden weiter isoliert. Caritas Zürich fordert am 9. Armutsforum wieder mehr Sachlichkeit in der Diskussion und erwartet von der Politik, Armut zu verhindern und Armutsbetroffenen wieder Perspektiven zu geben.

Politische und mediale Zuspitzungen in der sozialpolitischen Diskussion haben dazu beigetragen, dass der Druck auf Armutsbetroffene mit den neuen Skos-Richtlinien zunimmt. Aber auch für Sozialarbeitende und Gemeinden wird der Handlungsspielraum kleiner.

Am 9. Zürcher Armutsforum von Caritas Zürich diskutierten Referierende und Teilnehmende die Herausforderungen für Gemeinden, Sozialarbeitende, Hilfswerke und Politik.

Armut wird zunehmen

Cordula Bieri von Caritas Zürich fordert eine Sozialhilfe, welche Anschluss ermöglicht: «Wenn soziale und berufliche Integration immer schwieriger werden, wird die Armut in der Schweiz zunehmen.» Soziologe Ueli Mäder von der Uni Basel beobachtet, dass Armutsbetroffene mit Statistiken wegdefiniert werde. Politik und Medien müssen sich wieder differenziert mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Denn einer Gesellschaft gehe es nur gut, wenn es jedem Einzelnen gut gehe. Mäder fordert deshalb eine bessere Verteilung des Reichtums in der Schweiz.

Gemeinden unter Druck

Astrid Furrer, Stadträtin für Soziales in Wädenswil und Kantonsrätin, beobachtet einen Anstieg der Sozialkosten, während die Steuerkraft in den Gemeinden sinkt. Das stelle die Akzeptanz der Sozialhilfe auf den Prüfstand, die Angst vor dem Wohlstandsverlust dominiere. Freiwillige zu finden, die gewisse Aufgaben übernehmen, werde für Gemeinden zudem zunehmend schwieriger.

Armutsbetroffene brauchen Chancen

Gülcan Akkaya, Dozentin am Institut für Soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern, sieht die Ausrichtung der Sozialhilfe und die Wahrung der Grundrechte in einem ständigen Spannungsfeld. «Die Grund- und Menschenrechte der Armutsbetroffenen werden von der Politik zu wenig berücksichtigt», konstatiert sie. Armutsbekämpfung sei schlussendlich nicht nur eine Aufgabe der Sozialhilfe, sondern der ganzen Gesellschaft.

 

 

zuletzt verändert: 30.10.2015 10:17
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