Anerkennung der Muslime: „Guter Vorschlag von Fehr!“

Synodalrat Zeno Cavigelli unterstützt die Initiative von Regierungsrätin Jacqueline Fehr zur Anerkennung einzelner muslimischer Gemeinschaften. „Fehr zeigt für den Dialog mit den Muslimen eine ganz neue Perspektive auf“, so Cavigelli.
Anerkennung der Muslime: „Guter Vorschlag von Fehr!“

SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr

Besonders interessant sei der Perspektivenwechsel, welchen Fehr in die Debatte einbringe. Habe man bisher auf schweizerischer wie kantonaler Ebene immer versucht, eine einheitliche Organisation aller muslimischen Gemeinschaften über die Dachverbände zu regeln, schlägt die für Kirchen- und Religionsfragen zuständige SP-Regierungsrätin Fehr jetzt einen neuen Weg vor. „Statt die sehr verschiedenen muslimischen Kulturen und religiösen Tradition unter ein gemeinsames Dach zu drängen, könnte die von Fehr vorgeschlagene staatliche Anerkennung einzelner Gemeinschaften, welche klar die Voraussetzungen erfüllen, vielleicht eher zum Ziel führen“, sagt Zeno Cavigelli, einer der Vertreter der katholischen Kirche im Kanton Zürich im interreligiösen Dialog. Tatsächlich bestehen zwischen den verschiedenen islamischen Richtungen und kulturellen Herkünften erhebliche Unterschiede. „Der Islam der bosnischen Gemeinschaft etwa oder der von Indonesien, Nordafrika oder Arabien sind grundverschieden. Speziell die bosnische Gemeinschaft, die auch stark im Zürcher muslimischen Dachverband VIOZ aktiv ist, könnte für eine staatliche Anerkennung prädestiniert sein. Natürlich auch andere, sofern sie sich demokratische Strukturen geben, Transparenz über ihre Finanzen gewähren und die Auswahl der Imame regeln. „Fehr hat recht, wenn sie davon ausgeht, dass in einem ersten Schritt die Anerkennung einzelner Gemeinschaften eine positive Wirkung auf die anderen hätte“, so Cavigelli.

Für Cavigelli sind nun die zuständigen Gremien des interreligiösen Dialogs gefordert. Sie müssten sich mit Fehrs Vorschlägen auseinandersetzen, welche die Regierungsrätin nach einer Studienreise ins Belgische Vilvoorde am Sonntag im SonntagsBlick präsentiert hatte: „Vor allem der Interreligiöse Runde Tisch, an dem die Leitungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften vertreten sind, muss dieses Thema aufgreifen.“ Es sei auch klar, dass die muslimischen Verbände in die Diskussion einbezogen werden müssen.

Wenn auch noch viele Fragen offen sind, die Richtung stimmt für Cavigelli. „Islamische Gemeinschaften dürfen nicht in Hinterhöfe und Parallelwelten abgedrängt werden, wie das an vielen Orten in Europa passierte – mit verheerenden Folgen.“ Gerade in Zeiten von sich häufenden Wahnsinnstaten und religiös verbrämtem Terrorismus sei es mutig und wichtig, konstruktiv nach Wegen verbindlicher Integration zu suchen. Nicht naiv, aber mit klarem Kopf und ohne Polemik.“

zuletzt verändert: 26.07.2016 12:49