Allerheiligen - Gedenken statt Klamauk

Brennende Kerzen auf den Gräbern, winterfeste Bepflanzung, Besuch auf dem Friedhof, Gräbersegnung und Totengedenken.
Allerheiligen - Gedenken statt Klamauk

Foto: V. Schwizer

Viele symbolstarke Rituale weisen am 1.November darauf hin: Wir feiern Allerheiligen. Die Ordensfrau und Dichterin Silja Walter schrieb zu diesem Hochfest: „Allerheiligen ist das Fest einer Antwort auf das Fragwürdigste, was es gibt: auf den Sinn des Menschseins.“

Mit den Ritualen rund um Allerheiligen sind wir als Christinnen und Christen suchend und fragend unterwegs und geben unserem Glauben Ausdruck, dass die Verstorbenen nach dem Tod in der Gemeinschaft mit Gott ins ewige Leben aufgenommen sind. Die Kerzen auf den Gräbern zünden wir mit dem Gebet an, Gott möge den Verstorbenen das ewige Licht und das ewige Leben schenken. Gleichzeitig setzen wir in dunkler Zeit ein helles Zeichen dafür, dass die Verstorbenen in unserer Erinnerung lebendig und wir mit ihnen in Verbindung bleiben. An vielen Orten und in vielen Familien ist es nach wie vor Brauch, an Allerheiligen zusammenzukommen und gemeinsam das Grab von Angehörigen zu besuchen. Die sorgfältig geschmückten Gräber zeigen, wie tief verwurzelt und lebendig dieser Brauch noch immer ist.

Die Wurzeln des Allerheiligenfestes reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück und finden sich im Orient. Damals gedachten die Christen all der Menschen, die ihren Glauben vorbildlich gelebt hatten und als Märtyrer gestorben sind. Da die Anzahl der Heiligen schnell anwuchs, konnte bei der begrenzten Anzahl Tage des Kalenderjahres nicht mehr jedem Heiligen ein eigener Gedenktag zugewiesen werden. Deshalb wurde es notwendig, einen speziellen Tag im Jahr für alle Heiligen einzuführen.

Aus praktischen Gründen wird heute kaum noch zwischen Allerheiligen und Allerseelen unterschieden. Der 2. November wurde nämlich zum Allerseelentag erklärt, an dem man für die eigenen Verstorbenen Gedächtnis hielt und für deren Seelen betete.

Zur alten katholischen Tradition gehört, dass hohe Feste bereits am Vorabend beginnen. Aus der englischen Bezeichnung „All Hallows Eve“ – Vorabend Aller Heiligen – entwickelte sich der Begriff Halloween. In alten Kulturen wie etwa bei den Kelten, war dieser Abend der Zeitpunkt, an dem die Seelen der Ahnen die Welt der Lebenden aufsuchten. Deshalb entzündete man an diesem Abend ein Feuer, um die Seelen der Ahnen für den Winter zu wärmen. Im Verlauf der Zeit veränderte sich das Seelenfest Halloween und kippte in einen spukhaften Brauch. In den vergangenen 20 Jahren ist Halloween mit der Entwicklung hin zu einer Spass- und Partygesellschaft als Abend mit Grusel- und Geisterpartys nach Europa übergeschwappt. Der Zeitpunkt am Vorabend von Allerheiligen ist also kein Zufall, denn wer den wesentlichen Fragen des Lebens ausweichen will, braucht ein inhaltsleeres Angebot, um sich abzulenken.

Gedenken statt Klamauk: Allerheiligen und Allerseelen laden ein, sich in einem Moment der Stille zu besinnen und im Glauben das Fest des Leben zu feiern. Zu den Gefeierten gehören nämlich nicht nur die durch die Kirche Heiliggesprochenen, sondern alle Getauften – so wie im Glaubensbekenntnis die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen bekannt wird.

zuletzt verändert: 31.10.2014 15:26