NEIN zum Wegwerfen von Schwächeren

„NEIN“ sagt Stefan Arnold im Video, wenn es um das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) geht. Und ein grosses Nein gehört nach Meinung des Leiters der Behindertenseelsorge am 5. Mai auch auf den Stimmzettel. „Mir liegt eine Kirche der Schwachen am Herzen – nicht eine der Starken, besten und Makellosen“, begründet er sein Engagement, das in diesem Fall auch politisch ist.
NEIN zum Wegwerfen von Schwächeren

Stefan Arnold. Foto. A. Landtwing

Bereits vor einem Jahr hat sich Stefan Arnold gegen das FMedG eingesetzt. Nachdem die Volksabstimmung im vergangenen Herbst das Gesetz angenommen hatte, liess er nicht locker und weibelte für das Referendum. Seine Diplomarbeit zum Abschluss des Theologiestudiums trug vor 30 Jahren den Titel „Der dreifaltige Gott und die Kirche der Schwachen“. Doch vielmehr als theologische Überlegungen motiviert ihn die persönliche Erfahrung, sich für Menschen mit Behinderung einzusetzen. Denn: Er weiss, was es in unserer Zeit bedeutet, als Mensch mit Behinderung unterwegs zu sein, ist doch eines seiner Kinder aufgrund einer Hirnverletzung von einer halbseitigen cerebralen Lähmung betroffen. Die Pränataldiagnostik hätte diese Behinderung nicht verhindern können – „und ausserdem“, betont er „vergessen viele, dass ein Schicksalsschlag auch zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Behinderung führen kann.“

Die Behindertenseelsorge verschafft Menschen eine Stimme, für die es schwierig ist, zu Wort zu kommen und gehört zu werden. Dabei spannt sie mit anderen Institutionen wie dem katholischen Frauenbund oder Insieme und der Plattform Vielfalt statt Selektion zusammen. Triebfeder ist die Überzeugung, dass jedes Leben von gleichem Wert und gleicher Würde ist. Dass bereits heute Menschen mit einer Behinderung öffentlich zu hören bekommen, sie entsprächen nicht den Vorstellungen und sie seien vermeidbar gewesen, zeigt, in welche Richtung die Entwicklungen sich bewegen. So ist davon auszugehen, dass bei einer Zustimmung zum FMedG innert kurzer Zeit die Bedingungen immer stärker gelockert werden und die Selektion zwischen einem guten und einem noch optimaleren Menschen Tür und Tor geöffnet wird.

Als Vater stellt Stefan Arnold klar: „wir würden unsere Tochter nicht mehr hergeben – und auch nicht gegen eine ohne Behinderung eintauschen. Wir lieben sie, genau so, wie sie ist.“

zuletzt verändert: 02.05.2016 09:53