500 Jahre Reformation: Auftakt in Zürich

Mit einem grossen Festakt beim Zürcher Grossmünster feierte die reformierte Kirche das Jubiläum «500 Jahre Reformation». Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Kirchenbundpräsident Gottfried Locher, die Co-Präsidenten des Patronatskomitees, hoben in ihren Eröffnungsreden die Bedeutung der Freiheit, wie sie in der Reformation angelegt ist, hervor. Im Zentrum der Zürcher Feierlichkeiten steht die Frage, wie der reformatorische Freiheitsgedanke in die heutige Zeit übertragen werden kann.
500 Jahre Reformation: Auftakt in Zürich

Zwingli als Projektion am Grossmünster. Foto: Christian Schenk

Für Bundesrat Johann Schneider-Ammann befindet sich die Welt – wie zu Zeiten der Reformation – im Umbruch. Diesmal jedoch propagierten rückwärtsgewandte Kräfte Ideen und Überzeugungen, die sich mit den Werten der Reformation beissen würden: Technologie- und Wissenschaftspessimismus oder Antiliberalismus seien wieder en vogue. «Wir sollten uns hüten, unter dem Druck des heutigen Umbruchs und der Verunsicherung, die sie mit sich bringt, diese Errungenschaften des menschlichen Geistes einfach zu verschenken», sagte Bundesrat Schneider-Amman in seiner Festrede. Die Zürcher Politikerinnen Corine Mauch und Regierungsrätin Jacqueline Fehr würdigten ebenfalls die Rolle der Reformation in der Gesellschaft und sprachen auch das heutige Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften an.

v.l.: Kirchenratspräsident Michel Müller, Stadtpräsidentin Corine Mauch, Bundesrat Johann Schneider Ammann, Jacqueline Fehr, Gottfried Locher (SEK) 

Im Anschluss an den Festakt hatte die reformierte Kirche zu seinem Sofagespräch ins Grossmünster unter Leitung von Christoph Sigrist geladen. Als katholische Vertreter waren Abt Urban vom Kloster Einsiedeln und die Politikerin Barbara Schmid-Federer, Schwester des Abts, eingeladen. Auch Synodalratspräsident Benno Schnüriger war Gast des Festaktes: "Die Katholische Kirche im Kanton Zürich gratuliert ihrer Schwesterkirche ganz herzlich zu ihrem grossen Geburtstag. So war es stimmig, im Rahmen des Anlasses ein Sofagespräch zum Thema Geburt zu führen. Immer wieder neu geboren zu werden, immer wieder den Neuanfang zu wagen, das verbindet uns in der Zuversicht, die Zukunft im christlichen Sinne mitzugestalten."

Premiere: Lichtspektakel beim Grossmünster und Reformationstruck im HB Zürich

An diesem Wochenende ist die Halle des Zürcher Hauptbahnhofs Schauplatz für das Reformationsjubiläum. Der «Reformationstruck» macht auf seinem Weg durch 19 Länder und 67 Städte Europas in der Halle des Hauptbahnhofs halt. Neben dem Betrieb einer Druckerei kann die Bevölkerung die Ausstellung besuchen und an zwei öffentlichen Podien mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur teilnehmen. Rund um das Grossmünster erhellt eine Lichtinstallation von Gerry Hofstetter die Nacht. Bilder und die Silhouette von Zwingli werden projiziert.

 Foto: Reformierte Kirche 

zuletzt verändert: 06.01.2017 12:36